Zweite Generalversammlung: Die Genossenschaft nimmt konkrete Form an
Bei ihrer zweiten Generalversammlung hat die SIEGESSÄULE – Queere Medien eG einen neuen fünfköpfigen Aufsichtsrat gewählt. Der frisch installierte Vorstand erklärte, er wolle die Digitalisierung voranbringen und die Mitglieder stärker beteiligen. Hier ist unser Bericht vom Event
Es war ein Abend des Abschieds und des Neuanfangs. Nach der Gründung der neuen Mediengenossenschaft im Februar 2026 mit gerade einmal 18 Mitgliedern trafen sich am 18. Oktober mehr als hundert zu einer hybriden Generalversammlung online und vor Ort im neuen soziokulturellen Zentrum des RuT e. V. in der Berolinastraße.
Gudrun Fertig berichtete für den bisherigen Vorstand, was seit Februar alles geschehen war: Nach der wirtschaftlichen und rechtlichen Prüfung durch den Prüfverband PkmG (Prüfungsverband der kleinen und mittelständischen Genossenschaften) wurde die Genossenschaft ins Register eingetragen und kaufte anschließend die Special Media SDL GmbH – für symbolische vier Euro.
Anfang Oktober übergab der alte Vorstand dann an den neuen, Anna Motzek und Markus von Goessel. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Genossenschaft 455 Mitglieder und ein Grundkapital von gut 250.000 Euro.
„Wir sind viele und wir können handeln“
Der neue Vorstand verabschiedete den alten und dankte Manuela Kay und Gudrun Fertig für ihr langjähriges Engagement als Verlegerinnen, Aktivistinnen und Vorreiterinnen in der queeren Medienwelt. Ein besonderer Dank ging auch an den bisherigen Aufsichtsrat Karin Beutelschmidt, Birgit Bosold und Holger Melzow. Der Übergang sei das Werk vieler Menschen, betonte von Goessel.
„Queere Medien haben uns Halt gegeben“, sagte Anna Motzek in ihrem Redebeitrag: „Jetzt ist es an der Zeit, den Medien Halt zu geben.“ In Zeiten von Rechtsruck und Queerfeindlichkeit sei es ein Zeichen, dass die Genossenschaft in so kurzer Zeit Menschen überzeugt habe beizutreten: „Wir sind viele und wir können handeln.“
Queere Medien seien keine Lifestyle-Produkte, so Motzek. Sie seien ein Archiv queerer Geschichte und ein Werkzeug gegen Desinformation und Queerfeindlichkeit. Sie machte auch deutlich, dass die gedruckten Hefte des Verlags weiter bestehen sollen. Die Genossenschaft lege sich wie ein Schutzschild um den Verlag, ohne sein Herz anzutasten. Daher müsse die Kampagne für die Genossenschaft fortgesetzt, die Digitalisierung angepackt und die Community stärker eingebunden werden.
Markus von Goessel knüpfte an das Bild des Schutzschildes an: Eine lange Geschichte allein garantiere keine erfolgreiche Zukunft. „Wir wollen, dass die SIEGESSÄULE bleibt, mit all ihren Marken.“ Dafür brauche es neue Angebote, die sich finanziell tragen.
Wahl eines Aufsichtsrats
Letzter Tagesordnungspunkt war die Wahl des Aufsichtsrats, der den Vorstand kontrolliert und die Geschäftsführung berät. Gewählt wurden Gabriele Bischoff (langjährige Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW e.V.), Antonia Buß (Marketingexpertin), Thomas Gruber (emeritierter Professor für Rechnungswesen und Controlling), Sirko Salka (Journalist, ehemaliger Chefredakteur der SIEGESSÄULE) und Sonya Winterberg (freie Publizistin, unter anderem für L-MAG und RiffReporter).
Marcel Weber, der die Versammlung auch über technische Pannen hinweg souverän leitete, bedankte sich bei den Teilnehmer*innen. Die Genossenschaft gebe ihm Hoffnung auf eine gute Zukunft für die queere Medienlandschaft in Berlin.
Transparenzhinweis: Die Autorin dieses Textes ist Mitglied der SIEGESSÄULE – Queere Medien eG. Sie stellte sich satzungsgemäß als Teil des Verlagsteams (als freie Redakteurin) für den Aufsichtsrat zur Wahl.
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