Doppelrolle für Stefan Evers: Debatte über Kurs der Berliner Kulturpolitik
Stefan Evers (CDU) übernimmt zusätzlich die Leitung der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Entscheidung stößt in der Kulturszene sowie beim Koalitionspartner SPD und der Linkspartei auf Kritik, während andere in Evers’ Queer-Affinität auch eine Chance für die Berliner Kulturszene sehen
Der offen schwule Berliner Finanzsenator Stefan Evers (CDU) wird nun zwei Senatsverwaltungen führen und übernimmt auch die Leitung des Kulturressorts. Das bestätigte die Senatskanzlei am vergangenen Mittwoch. Bis zu den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September soll Evers beide Senatsverwaltungen führen. Hintergrund ist der Rücktritt der bisherigen Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos, für die CDU), nachdem die Vergabe von Fördergeldern für Projekte gegen Antisemitismus in mehreren Fällen als „evident rechtswidrig“ eingestuft wurde.
Dem rbb24 Inforadio gegenüber sagte Evers, er wolle „Ruhe und Stabilität“ in die Kulturverwaltung bringen und den Kurs seiner Vorgängerin fortführen. Da Evers bereits den Hauptstadtfinanzierungsvertrag verhandelt, „bei dem es auch um die Finanzierung der Hauptstadtkultur geht“, zeigte sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) dankbar für seinen Einsatz.
In der Berliner Kulturszene und beim Koalitionspartner SPD sorgte die Entscheidung hingegen für Kritik, da Evers als Finanzsenator für erhebliche Kürzungen im Kulturbereich verantwortlich ist. Oliver Reese, Intendant des Berliner Ensembles, bezeichnete die Entscheidung als „Donnerknall“ und als „Faust und Mephisto in einer Person“ – mit Blick auf den Widerspruch, einerseits den Haushalt zu verantworten und andererseits die Kultur zu vertreten. Der SPD-Politiker Steffen Krach kritisierte zudem, die Doppelrolle stufe Kultur zur Nebensache herab. Auch der Linke-Fraktionsvorsitzende Tobias Schulze kritisierte die Entscheidung als Zeichen dafür, „dass Kai Wegner und die Berliner CDU ein kulturpolitischer Totalausfall ist.“
Queer-Affinität als Chance für Berliner Kulturszene?
In der Kulturszene wurde auch Skepsis gegenüber Evers’ Kulturkompetenz laut. Er selbst gab an, kulturaffin zu sein. Der DPA sagte er: „Ich bin von jeher bemüht, rote Teppiche zu vermeiden und bezahle meine Karten gern privat. Es liegt aber nahe, dass die Frequenz meiner Besuche in nächster Zeit steigt.“ Und weiter: „Ein Ranking der Berliner Kultureinrichtungen verbietet sich. Von der Philharmonie bis zum BKA-Theater hat jede ihre ganz eigene Art von Weltklasse.“ Im Interview mit dem Tagesspiegel sagte er außerdem, dass sein letzter Theaterbesuch „Wenn Ediths Glocken läuten“ im BKA-Theater gewesen sei, mit Ades Zabel & Company.
Vor dem Hintergrund seiner Queer-Affinität und der expliziten Nennung des überwiegend queeren BKA-Theaters, das im Schatten großer Häuser oft übersehen wird, stellt das queere Magazin Mannschaft die Frage: „Steht in Berlin ein LGBTIQ*-Paradigmenwechsel bevor?“ Man dürfe gespannt sein, „welche kulturpolitischen Perspektiven Stefan Evers in den kommenden Monaten dazu entwickeln wird.“
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