74. Internationale Filmfestspiele Berlin

Alle queeren Filme der Berlinale 2024

5. Feb. 2024 age/fh/as
Bild: Anna Kooris / Berlinale 2024
„Love Lies Bleeding“ mit Kristen Stewart (re.)

Am 15. Februar startet die 74. Berlinale. Welche queeren Filme ihr dort sehen könnt, erfahrt ihr hier im Überblick

Auch in diesem Jahr gibt es bei der Berlinale (15.02. – 25.02.2024) wieder zahlreiche LGBTIQ*-Filme zu entdecken: So taucht zum Beispiel Levan Akins Spielfilm „Crossing“ in die Underground-Szene Istanbuls ein und Bruce LaBruce überrascht mit einer Neuinszenierung von Pasolinis „Teorema“. Darüber hinaus gibt es Dokus über queere Berliner Größen wie Peaches oder Jürgen Baldiga.

Der 38. Teddy-Award, der offizielle queere Filmpreis der Internationalen Filmfestspiele Berlin, wird am 23.02. in der Volksbühne vergeben. Der diesjährige Special Teddy Award geht an den Berliner Regisseur Lothar Lambert.

Im Folgenden listen wir euch alle Langfilme der Berlinale auf, die einen queeren Bezug haben. Beim Klick auf den jeweiligen Filmtitel werden euch die Spielzeiten und Filminfos auf der Berlinale-Webseite angezeigt. Der Ticket-Vorverkauf beginnt am Montag, den 12. Februar 2023, um 10:00 Uhr.

Spielfilme

Bild: Mise en Scene Filmproduction / Berlinale 2024
„All shall be well“

„All Shall Be Well“
Hongkong, China 2024, Regie: Ray Yeung, Panorama

„All Shall Be Well“ vom schwulen Regisseur Ray Yeung („Suk Suk”) ist das feinfühlige Porträt einer Frau, deren langjährige Partnerin unerwartet stirbt. Angies kleine, sichere Welt wackelt plötzlich und ihre Zukunft sieht eher prekär aus. Dabei lernt sie aber auch ein neues, emanzipiertes Leben zu entdecken. Der Regisseur beschäftigt sich in seinem neuen Film erneut mit dem Alltag älterer queerer Menschen.

„Banale Tage“
Deutschland 1991, Regie: Peter Welz, Retrospektive

1991 inszenierte Peter Weis die zum Teil in der Berliner Volksbühne gedrehte Filmgroteske über zwei Ostberliner Jugendliche, die in der Ende der 1970er-Jahre gegen das DDR-Regime rebellieren. Beteiligt am Film waren u. a. zwei bedeutende schwule Schriftsteller, die damals auch für SIEGESSÄULE arbeiteten: Das Drehbuch stammt von Michael Sollorz („Abel und Joe“) und in der Rolle des Schauspielers Bernd ist Ronald M. Schernikau („legende“) zu sehen.

„Betânia“
Brasilien 2024, Regie: Marcelo Botta, Panorama

Nach dem Tod ihres Mannes wagt Betânia, eine 65-jährige brazilianische Frau, einen Neuanfang. Ihre Töchter überreden sie, ihr abgelegenes Dorf zu verlassen.

„Between the Temples“
USA 2024, Regie: Nathan Silver, Panorama

Ebenfalls im Panorama läuft Nathan Silvers Komödie über die Glaubenskrise des jüdischen Kantors Ben, die bereits auf dem Sundance Film Festival Beachtung fand. Der queere Bezug: Ben hat zwei lesbische Mütter. Ein Aspekt, der aber nicht im Fokus der Filmhandlung steht.

„Cidade; Campo“
Brasilien, Deutschland, Frankreich 2024, Regie: Juliana Rojas, Encounters

Juliana Rojas Spielfilm widmet sich dem Thema Stadt-Land-Gegensatz. Dabei erzählt die Regisseurin u. a. von dem Paar Flávia und Mara, die ihren Lebensmittelpunkt von der Stadt aufs Land verlagern, nachdem Flavia die Farm ihres Vaters erbt. Eine fremde Umgebung, in der sie sich zurecht finden müssen.

„Crossing”
Schweden, Dänemark, Türkei, Frankreich, Georgien 2024, Regie: Levan Akin, Panorama

Nach seinem mehr­fach preisgekrönten schwulen Film „Als wir tanzten” führt uns Regisseur Levan Akin mit „Crossing” in die aufregende Underground-Szene Istanbuls. Dort macht sich eine georgische Rentnerin auf die Suche nach ihrer verschwundenen trans Nichte.

„Cuckoo“
Deutschland 2024, Regie: Tilman Singer, Berlinale Special Gala

Deutsches Horrorkino, das mit Starbesetzung aufwartet: Dan Stevens („Downton Abbey“, „Die Schöne und das Biest“) und die berühmte trans Aktivistin und Schauspielerin Hunter Schaefer („Die Tribute von Panem – The Ballad of Songbirds and Snakes“) brillieren in diesem Gruselstück, das von dunklen Geheimnissen und bizarren Experimenten in den deutschen Alpen erzählt. Queere Charaktere gibt es allerdings nur am Rande!

„Des Teufels Bad“
Österreich, Deutschland 2024, Regie: Veronika Franz, Severin Fiala, Wettbewerb

Vorsicht, Horrorfilm. „Des Teufels Bad“ spielt in den tiefen Wäldern Österreichs in der Mitte des 18. Jahrhunderts. Der Film erzählt dabei von einem bisher kaum beleuchteten Kapitel europäischer Geschichte, als Frauen aus bestimmten Gründen zu Kindermörderinnen wurden. Hinter der Kamera: die Ulrich-Seidl-Schützlinge Severin Fiala und Veronika Franz („Goodnight Mommy”).

„Huling Palabas“ („Fin“)
Philippinen 2024, Regie: Ryan Machado, Generation

Coming-of-Age-Story über einen 16-jährigen Jungen, der sich auf der Suche nach seinem Vater befindet. Als er in seiner Heimatstadt auf zwei eigenwillige Charaktere trifft – darunter der verführerische Friseur Ariel – beginnt er den Bezug zur Realität immer mehr zu verlieren.

„I Saw the TV Glow”
USA 2024, Regie: Jane Schoenbrun, Panorama

Zu viel Fernsehen kann gefährlich sein. Das merkt auch Teenager Owen im zweiten Horrorfilm der*des nicht binären Regisseur*in Jane Schoenbrun, „I Saw the TV Glow”. Der Teen­ager versucht, das Leben in der Vorstadt samt unliebsamen Schulbesuchen zu überstehen, als ein Klassenkamerad ihn auf eine mysteriöse Late-Night-Show aufmerksam macht. Im Schein des Fern­sehlichts verändert sich Owens Sicht auf die Realität und es verschwimmen auch die Gendergrenzen ...

Bild: Deutsche Kinemathek / Brynntrup / Berlinale 2024
„Jesus der Film"

„Jesus – Der Film“
Deutschland 1986, Regie: Michael Brynntrup, Retrospektive

„Jesus – Der Film” von 1986, eine No-Budget-Produktion auf Super 8 von Michael Brynntrup und vielen anderen, ist ironisch als Monumentalfilm deklariert. In zahl­reichen Episoden, u. a. von Jörg Buttgereit, wird das Leben des Heilands (Brynntrup selbst) dargestellt. Die Berliner Queer-, Punk- und Avantgardeszene gibt sich ein Stelldichein, und bevor es zur Bergpredigt geht, landet Jesus auf dem Flughafen Tegel. Viele Szenen wurden auf Berliner Friedhöfen gedreht und sogar im bayerischen Oberammergau, dort, wo alle 10 Jahre die weltberühmten Passionsspiele statt­finden. Respektlos, absurd, eigenartig.

„Langue étrangère“
Frankreich, Deutschland, Belgien 2024, Regie: Claire Burger, Wettbewerb

Die Gymnasiastin Fanny kommt zu einem Sprachaufenthalt nach Deutschland. Dort trifft sie zum ersten Mal ihre Brieffreundin Lena. Die schüchterne Französin ist von der lebendigen, politisch engagierten Deutschen fasziniert – und beginnt bald, um sie zu verführen, ihr eigenes Leben zu erfinden.

„Love Lies Bleeding“
USA, Großbritannien 2023, Regie: Rose Glass, Berlinale Special Gala

Rose Glass’ Thriller „Love Lies Bleeding“ können wir kaum erwarten. Denn der Trailer verspricht eine furiose, lesbische und blutige Version von „Thelma & Louise“ – mit der lesbischen Ikone Kristen Stewart und Newcomerin Katy O’Brian als sexy Paar. Letztere verkörpert eine Bodybuilderin, die in Las Vegas ihren Durchbruch haben will. Auf dem Weg macht sie einen Zwischenstopp in einer Kleinstadt und stößt auf die Fitness­studio-Managerin Lou. Die beiden verlieben sich Hals über Kopf, doch ihre Beziehung führt schnell zu großen Problemen. Jackie lernt dabei Lous kriminelle Familie kennen und schon bald ist das Paar in einer Spirale der Gewalt gefangen.

„Sieger Sein“
Deutschland 2024, Regie: Soleen Yusef, Generation

Ein elfjähriges Mädchen landet nach ihrer Flucht aus Syrien an einer Grundschule in Wedding, wo sie in das Mädchenfußballteam aufgenommen wird.

„Sex“
Norwegen 2024, Regie: Dag Johan Haugerud, Panorama

Zwei verheiratete Schornsteinfeger, die eigentlich ein klassisches heteronormatives Leben führen, beginnen aufgrund verschiedener Situationen – u. a. die sexuelle Begegnung mit einem Mann – ihre Vorstellung von Sexualität und Geschlecht zu hinterfragen.

„Tú me abrasas“ („You Burn Me“)
Spanien, Argentinien 2024, Regie: Matías Piñeiro, Encounters

Adaption eines Werks des italienischen Schriftstellers Cesare Pavese über ein Gespräch der antiken griechischen Dichterin Sappho mit der Nymphe Britomartis.

„The Visitor“
Großbritannien 2024, Regie: Bruce LaBruce, Panorama

Bruce La Bruce neuer Film ist eine mit expliziten Sexszenen inszenierte Neuinterpretation von Pasolinis Teorema! In der Hauptrolle: Bishop Black.

„Young Hearts”
Belgien, Niederlande 2024, Regie: Anthony Schatteman, Generation Kplus

In seinem Langfilmdebüt „Young Hearts” zeigt der belgische Regisseur Antony Schattemann eine zarte Erste-Liebe-Geschichte: Den 13-jährigen Elias stürzen seine Gefühle für den neuen, gleich­altrigen Nachbarn Alexander ins emotionale Chaos. Die Folgen sind verwirrende Gefühle, die auch Elias’ Freundeskreis und die Familie tangieren.

Dokumentarfilme

Bild: SMU Berlin / Aron Neubert / Berlinale 2024

„Baldiga - Entsichertes Herz“
Deutschland 2024, Regie: Markus Stein, Panorama

„Baldiga – Entsichertes Herz” von Markus Stein („Unter Männern – Schwul in der DDR”) ist ein neuer Dokumentarfilm über den faszinierenden Fotografen Jürgen Baldiga. Nicht nur hielt er in unbestechlicher Weise die schwule Szene und Subkultur Berlins der 1980er- und frühen 1990er-Jahre fest. Auch die gnadenlose Eigendokumentation seiner Aidserkrankung bis kurz vor seinem Tod 1993 ist bis heute einzigartig. Mit Tagebuchauszügen und Erinnerungen von Wegbegleiter*innen – und selbstverständlich Fotos – entsteht ein neues Porträt von einem, der fehlt.

„I’m Not Everything I Want to Be“
Tschechien, Slowakei, Österreich 2024, Regie: Klára Tasovská, Panorama

Diese Doku schildert das Leben und die Arbeit der tschechischen Fotografin Libuše Jarcovjáková nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968. In den zwei folgenden Jahrzehnten hat sich die Fotografin darauf fokussiert, das Underground-Nachtleben und die schwule Szene von Prag und West-Berlin festzuhalten.

„Reas”
Argentinien, Deutschland, Schweiz 2024, Regie: Lola Arias, Forum

In der Doku „Reas” stellen ehemalige Insassinnen eines berüchtigten Gefängnisses in Buenos Aires, darunter viele trans* Frauen, eigene Erfahrungen nach. Der Film enthält viele musikalischen Sequenzen, die die Berichte der Protagonistinnen ergänzen. „Sie hat eine eiserne Faust, aber ein gebrochenes Herz”, heißt es in einem der Songs. Charmant, erfrischend und authentisch. „Reas” ist ein kleines Juwel und Teddy-verdächtig ...

„Teaches of Peaches“
Deutschland 2024, Regie: Judy Landkammer, Philipp Fussenegger, Panorama

Die Doku „The Teaches of Peaches“ (Panorama Dokumente) ist viel mehr als eine Begleitung der Riesentour, die Peaches zum 20. Jubiläum ihres gleichnamigen Albums absolvierte: Sie ist eine Schatzkiste an privatem Archivmaterial der queerfeministischen Ikone. Von Aufnahmen ihrer Anfänge in Toronto bis zu ihrem Leben in Berlin zeigt der Film die Transformation der Künstlerin in den zwei letzten Dekaden. Regie führten die Berliner*innen Philipp Fussenegger („I Am The Tigress”) und Judy Landkammer.

Bild: Berlinale 2024
„Teaches of Peaches"

Folge uns auf Instagram

#Berlinale#Service#Teddy-Award#Kino#Filmfestspiele#Film#queer

Das Siegessäule Logo
Das Branchenbuch mit Haltung
Queer. Divers. Überzeugend.