Protest-Camp am Brandenburger Tor

Berliner Aktion gegen LGBTIQ*-Feindlichkeit in Russland

22. Apr. 2021 Paula Balov
Bild: Marco Fieber CC BY-NC-ND 2.0 Quelle
Demonstration gegen Homophobie in Russland, organisiert von der Initiative Enough is Enough

Mehrere Wochen lang protestieren Aktivist*innen in Berlin vor dem Brandenburger Tor gegen die russische Regierung. Am 22.04. geht es speziell um die schwierige Lage von russischen LGBTIQ*

Russischsprachige Aktivist*innen haben vor dem Brandenburger Tor ein „Demokratie-Camp“ errichtet und protestieren dort bis einschließlich 9. Mai gegen „Putins Terror“. Das erklärte Ziel: über die Bedrohung zu informieren, „die von Putins Regime für Deutschland und für ganz Europa“ ausgehe. Ein Hauptaugenmerk des Protestes liegt auf der Freilassung des inhaftierten Oppositionspolitikers Alexei Nawalny. In zahlreichen Veranstaltungen werden aber auch weitere thematische Schwerpunkte vertieft. So ist der 22.4. ganz der russischen LGBTIQ*-Community gewidmet.

Ab 17 Uhr laden die Veranstalter*innen, darunter Quarteera e. V., Verein für russischsprachige LGBTIQ* in Deutschland, und das russischsprachige Netzwerk Dekabristen e. V. zu dem Thementag ein. Gezeigt werden eine Doku über Repressionen gegen die queere Community, darüber hinaus sind auch Podiumsdiskussionen und Redebeiträge von russischen Aktivist*innen sowie von queeren Asylsuchenden geplant.

Staatliche Gewalt in Russland und Tschetschenien

„Wir möchten russischen LGBTIQ*-Aktivist*innen eine Stimme geben und gemeinsam mit Ihnen an die Bundesregierung appellieren“, erklärt Quarteera-Sprecherin Evelina. In der ersten Podiumsdiskussion ab 19 Uhr werden Vertreter*innen deutscher LGBTIQ*-Organisationen darüber sprechen, wie die deutsche Zivilgesellschaft und die Bundesregierung russische LGBTIQ* unterstützen können und wie Verbindungen zu Russland in Zukunft aussehen sollten. Die zentrale Frage für Deutschland laute dabei: „Brücken bauen, wohin?“

„Wir möchten russischen LGBTIQ*-Aktivist*innen eine Stimme geben und gemeinsam mit Ihnen an die Bundesregierung appellieren“

Der Thementag wird vor allem auch über die staatliche Repression gegen LGBTIQ* informieren: Darunter zählt das russische Gesetz, das „Propaganda“ von nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen verbietet, sowie zahlreiche Fälle, in denen sich Opfer homophober Gewalt an die Polizei gewandt haben, von Polizeibeamt*innen jedoch Diskriminierung statt Schutz erfahren haben. Insbesondere soll auch auf die dramatische Lage in der Teilrepublik Tschetschenien aufmerksam gemacht werden, wo queere Menschen vom Staat verfolgt und verhaftet werden. „Es liegen dokumentierte Fälle darüber vor, dass Familien dazu gedrängt werden, im Falle eines Verdachts der Homo-, Bi-, und Transsexualität in der Familie eigene Familienmitglieder umzubringen“, berichtet die Quarteera-Sprecherin.

Quarteera fordert Asyl für queere Geflüchtete

Ein weiterer thematischer Schwerpunkt ist die Lage queerer Geflüchteter aus Russland. Der Menschenrechtler und LGBTIQ*-Aktivist Fatal Flash sowie Andrei, der mit seinem Hungerstreik gegen das Urteils des Verwaltungsgerichts Regensburg deutschlandweit Schlagzeilen gemacht hat, werden ab 18 Uhr ihre Geschichte erzählen. Andrei sollte im letzten Jahr abgeschoben werden, weil er seine sexuelle Orientierung nicht glaubhaft genug dargelegt habe.

Quarteera findet die Lage von LGBTIQ*-Asylsuchenden in Deutschland unzumutbar: „Die Asylprozesse können sich über mehrere Jahre ziehen, in denen die Asylsuchenden keinen sicheren Status haben. Für Betroffene bedeutet dies eine extreme Haltlosigkeit und Instabilität.“ Russland müsse laut Quarteera als ein Land anerkannt werden, in dem queere Menschen nicht sicher leben können. „Wir fordern, dass LGBTIQ*-Asylsuchenden in ganz Deutschland die Schutzbedürftigkeit anerkannt wird, so wie das Land Berlin es bereits macht.“

Zum Abschluss des Thementages werden um 20 Uhr, via Telefonkonferenz, russische LGBTIQ*-Aktivist*innen zugeschaltet. Sie werden nicht nur darüber berichten, wie queerer Aktivismus in Russland derzeit aussieht, sondern auch darüber diskutieren, wie die Zukunft deutsch-russischer Beziehungen aussehen sollte. Auf Basis der Diskussionen sollen dann konkrete Forderungen an die Bundesregierung formuliert werden.

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