Ab 30. April im Kino

„Bestes europäisches Kino“ – „Rose“, die Geschichte einer Selbstermächtigung

30. Apr. 2026 Frank Hermann
Bild: Schubert, ROW Pictures, Walker+Worm Film, Gerald Kerkletz
Sandra Hüller als geheimnisvoller Soldat im 17. Jahrhundert

In Markus Schleinzers bildgewaltigem Historiendrama „Rose“ kehrt ein knochenharter Soldat aus dem Krieg in sein Dorf zurück – bis das Versteckspiel auffliegt. Mit einer brillierenden Sandra Hüller in der Hauptrolle

Wer „Rose“ sieht, weiß am Ende ganz gewiss, warum Sandra Hüller mt dem Silbernen Bären bei der diesjährigen Berlinale ausgezeichnet wurde. Ihre Darstellung des unbekannten Soldaten und Bauern, der in Wirklichkeit eine Frau ist, ist virtuos. Gerade in ihrer Sprödigkeit, doch auch definitiven Stärke und Selbstbehauptung. Erst recht in der langen Schlusseinstellung, wenn sie bei aller Bestimmtheit eine Weichheit und Weisheit, Erleuchtetheit preisgibt, ganz ohne Worte, nur mit Blicken.

Im 17. Jahrhundert, kurz nach Ende des 30-jährigen Krieges, taucht ein geheimnisvoller Fremder (Sandra Hüller) in einem kleinen Dorf auf. Dank eines mitgeführten Dokuments erhebt der Soldat Anspruch auf einen maroden Hof, der lange brachlag. Dem Ansinnen wird stattgegeben und er macht sich ans Werk. Zwölf Jahre im Krieg haben ihn geprägt, ihn wortkarg und hart gemacht. Dass er in Wirklichkeit eine Frau namens Rose ist, tut erst im Lauf der Zeit etwas zur Sache. Zunächst ist seine Identität allenfalls für ihn/sie selbst wichtig.

Auf der rechten Gesichtshälfte des ehemaligen Soldaten zieht sich eine Narbe vom Mundwinkel bis zum Ohr. Äußere Manifestation von Roses körperlicher Versehrtheit, stelltvertretend für all ihre seelischen Blessuren. Die Kugel, die das Gesicht durchschossen hat, ist zu einer Art Talisman geworden, die Rose im den Hals trägt. In Stresssituationen nimmt sie die Kugel in den Mund, vielleicht, um sich zu beruhigen oder sich zu versichern, dass es schlimmer als an der Front nicht werden kann.

Glaubwürdiges Beispiel für weibliche Solidarität

Ehrgeizig und zielstrebig ist der Unbekannte. Er will den Hof auf Vordermann bringen und auch das bewirtschaftete Gelände erweitern. Letzteres scheitert zunächst am Widerstand des Grundbesiters (Godehard Giese). Seine Zustimmung gibt er, wenn der Neue eine seiner Töchter zur Frau nähme. Rose willigt ein. Doch auch Suzanna (Caro Braun in einem erstaunlichen Kinodebüt) bringt ein Geheimnis mit in die Ehe, wie sich zeigen wird. Als durch unglückliche Umstände herauskommt, dass Rose kein Mann ist, bleibt für eine gewisse Zeit noch die Ruhe erhalten. Suzanna und Rose werden zu einer verschworenen Gemeinschaft. Ein glaubwürdiges Beispiel für weibliche Solidarität und Selbstermächtigung in dem streng patriarchal geprägtem ländlichen Umfeld.

Warum hat Rose sich als Mann ausgegeben? In der Hose sei mehr Freiheit möglich gewesen, sagt sie beim Verhör. Und die hat sie sich genommen für ein paar Jahre.

Doch Volkesstimme gibt bald keine Ruhe, eine Magd hat „etwas gesehen“ und es wird Gewissheit über Roses Geschlecht gefordert. In einem kraftvollen Monolog versucht Rose der pöbelnden Masse klarzumachen, dass nichts an ihr falsch oder gar verurteilenswert ist. Vergeblich. Das düstere Ende für sie und ihre Frau ist schon abzusehen. Warum hat Rose sich als Mann ausgegeben? In der Hose sei mehr Freiheit möglich gewesen, sagt sie beim Verhör. Und die hat sie sich genommen für ein paar Jahre. Wie übrigens viele Frauen nicht nur damals in eine männliche Rolle schlüpften.

In wunderbaren Schwarzweißbildern ersteht eine Atmosphäre, die das arbeitsreiche und karge Leben in dem dörflichen Kosmos zeigt, zugleich von Zwängen und Entbehrungen erzählt. Kommentiert von der sanften und nuancenreichen Off-Stimme der Schauspielerin Marisa Growaldt entsteht eine zweite Erzählebene in diesem Kunstwerk. Der Regisseur Markus Schleinzer („Michael“) verzichtet ganz auf Schnörkel und Spielastik, lässt die Figuren sich entwickeln in ihrer Wahrhaftigkeit. Bestes europäisches Kino.

Rose,
Österreich/Deutschland 2026,
Regie: Markus Schleinzer,
Mit Sandra Hüller, Caro Braun, Marisa Growaldt,
Kinostart: 30.04.2026

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