Coronavirus

Berliner Clubs ergreifen Schutzmaßnahmen

11. März 2020

Clubs setzen verschiedene Maßnahmen um, die dabei helfen sollen, eine schnelle Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. Der Rückgang von Besucher*innenzahlen, die Absage von Events und eine temporäre Schließung von Veranstaltungsorten könnte viele Clubbtreiber*innen allerdings in finanzielle Nöte bringen

Um Besucher*innen und Mitarbeiter*innen von Veranstaltungen in Berliner Clubs und Konzertsälen vor einer Infektion mit dem Coronavirus besser zu schützen, hat die Berliner Clubcommission einen umfangreichen Maßnahmenkatalog erarbeitet. Wie die Clubcommission heute mitteilte, soll dadurch das Ansteckungsrisiko verringert und auch gewährleistet werden, dass Übertragungswege schneller zurückverfolgt werden können.

Die Clubcommission hatte bereits im Februar Kontakt zu Amtsärzten und der Charité aufgenommen. Am 29.02.2020 versendete der Verein dann ein Rundschreiben mit ersten Präventionshinweisen an alle Mitglieder. In Clubs wie dem Kitkat im Bezirk Mitte wurden daraufhin bereits Umbaumaßnahmen im Eingangsbereich durchgeführt, Handzettel mit Informationen an die Gäste verteilt, die Kontaktadressen von Besucher*innen gesammelt und auf Social Media über die aktuelle Lage informiert.

„Task Force“ legt Empfehlungen vor

Außerdem wurde Anfang dieser Woche eine Task Force eingerichtet. Aus einem Krisentreffen, an dem knapp 50 Clubbetreiber*innen und Veranstalter*innen teilnahmen, entstand der Maßnahmenkatalog mit Empfehlungen. Diese sollen bereits am kommenden Wochenende umgesetzt werden. Dazu gehört: Besucher*innen in Berliner Clubs werden temporär mit ihrer Emailadresse und/oder einer Telefonnummer registriert. Zudem richten die Clubs eine Kontaktadresse ein, um beim Hinweis auf eine Erkrankung einer Besucher*in das Gesundheitsamt unmittelbar informieren und die Kontaktdaten weitergeben zu können. Zudem empfiehlt die Clubcommission, die Gästeauslastung auf 70% zu reduzieren. Darüber hinaus sollen die Clubs erweiterte Hygienemaßnahmen durchführen und Gäste umfassend über ihre Eigenverantwortung informieren.

Wie der rbb gestern Abend berichtete, haben mehr als die Hälfte der bis Dienstagmittag bekannten Corona-Infizierten in Berlin in zwei Clubs gefeiert: im The Reed in der Nähe des Alexanderplatzes und im Club Trompete am Lützowplatz. Allerdings ist ungeklärt, ob sich die betreffenden Personen wirklich in diesen Clubs angesteckt haben. Wegen der vielen Menschen, die auf engem Raum miteinander sozial agieren, gelten Clubs allgemein aber als Risikoorte.

Viele Events schon abgesagt

Einige Veranstalter*innen haben sich bereits dazu entschieden, ihre geplanten Events abzusagen. So wurde die „Gegen“-Party im Kitkat letzte Woche abgesagt, auch die Trauma Bar wird ihren Betrieb bis vorraussichtlich zum 31.03. schließen. Davon ist die queere Party „Room 4 Resistance“ betroffen, die am 21.03. stattfinden sollte.

Die Clubcommission betont, dass sich die Berliner Clubs ihrer Verantwortung im Umgang mit dem Virus sehr bewusst seien. Allerdings drohten durch den Ausfall von Veranstaltungen und die sinkenden Besucher*innenzahlen enorme wirtschaftliche Einbußen. Jetzt schon sei absehbar, dass die Verbreitung des Corona-Virus viele Clubbetreiber*innen in den wirtschaftlichen Ruin führen wird – denn kleine und mittelständische Betriebe, die in der Regel ohne öffentliche finanzielle Unterstützung auskommen müssen, seien ohne die notwendigen Erlöse nicht überlebensfähig. Dass Clubs temporär komplett schließen, werde von der Task Force in Erwägung gezogen. Allerdings hätte eine solche Schließung, auch wenn sie nur wenige Woche dauert, die Insolvenz der meisten Clubs zur Folge. Um einen Rettungsfonds einzurichten, hat die Clubcommission daher bereits Kontakt zu Banken, Crowdfunding-Anbieter*innen und dem Berliner Senat aufgenommen.

#Coronavirus#KitKat#Trauma Bar#Clubcommission#Clubkultur

Update 13. März 2020

Nach einer Sondersitzung des Berliner Senats wurde am 13.03. die Entscheidung verkündet, dass alle Clubs, Kneipen und Bars in Berlin ab Dienstag geschlossen werden. Die Situation soll dann am 20. April neu bewertet werden.