Lichtenberg

Drittes Berliner Regenbogenfamilienzentrum eröffnet

22. März 2021 Isabel Ehrlich
Bild: LesLeFam

Lesben Leben Familie – LesLeFam e. V. ist seit dem 1. März 2021 Trägerin des neuen Regenbogenfamilienzentrums in Lichtenberg. Doch wie kam es zu dieser überraschenden Entscheidung? LesLeFam hatten erst vor Kurzem für ein ähnliches Projekt eine Absage erhalten, unter anderem mit der Begründung, ihr Konzept sei zu sehr „auf Lesben fokussiert“

Im November letzten Jahres öffneten Trialog Jugendhilfe gGmbH das „Queere Regenbogenfamilienzentrum Berlin Ost“ (kurz: QRFZ) in Friedrichshain. Es war zu diesem Zeitpunkt das zweite seiner Art in Berlin, neben dem vom LSVD geleiteten Regenbogenfamilienzentrum in Schöneberg. Auf den Zuschlag für ein neues Regenbogenfamilienzentrum im Osten Berlins hatten sich damals auch der Verein Lesben Leben Familie - LesLeFam beworben. Die Senatsverwaltung lehnte die Bewerbung jedoch ab: das Konzept sei zu „dezentral“ und zu stark „auf Lesben fokussiert“.

Constanze Körner, Geschäftsführerin von LesLeFam, befürchtete hinter der Entscheidung eine strukturelle Benachteiligung lesbischer Projekte. Im März ging nun ein drittes Regenbogenfamilienzentrum an den Start, diesmal mit LesLeFam als Trägerin. Siegessäule sprach mit Constanze Körner

Constanze, erst im November 2020 hast du mit uns über deine Enttäuschung gesprochen, dass eure Bewerbung für das senatsgeförderte Projekt „Queere Regenbogenfamilien Berlin Ost“ abgelehnt wurde. Umso überraschender kam jetzt die Nachricht, dass euer Verein Trägerin eines neuen Regenbogenfamilienzentrums in Lichtenberg geworden ist. Wie kam es dazu? Ja, die Enttäuschung war groß, nicht zuletzt, weil ich maßgeblich am Konzept für ein Zentrum im Osten der Stadt beteiligt war. Aber auch der Bezirk Lichtenberg war verärgert. Wir als Verein waren hier bereits seit zwei Jahren mit eine kleinen Projekt für Familien ansässig, und der Bezirk war sehr daran interessiert, das auszubauen. Nicht zuletzt, weil er das Gütesiegel „familienfreundlich“ trägt. Kurz nachdem wir die Absage erhalten hatten, kam die Bezirksregierung auf uns zu und erklärte, ein eigenes Regenbogenfamilienzentrum fördern zu wollen, mit uns als Trägerin. Und dann ging tatsächlich alles recht schnell.

Wie ist das neue Zentrum personell und inhaltlich aufgestellt? Wir sind aktuell zu viert. Ich habe nur einen ganz kleinen Anteil mit geschäftsführenden Themen. Die Hauptarbeit machen Daniela Kühling und Anna Dundurs als pädagogisches Personal. Ein Mini-Stundenanteil geht noch in die Buchhaltung. Wir haben alle langjährige Erfahrung mit Regenbogenfamilien, und durch die Bewerbung im vergangenen Jahr ja auch bereits ein Konzept. Die Auflage des Bezirks ist, ein möglichst breites, umfassendes Angebot zu schaffen. Wir bieten Einzelberatungen und Gruppenangebote, vom offenen Austausch beim Sonntagsbrunch, finanzieller und rechtlicher Beratung oder Kinderwunsch. Aktuell alles leider nur digital.

„Was zählt ist, ob wir Menschen helfen können“

Ein bewusst nicht „zu stark auf Lesben fokussiertes“ Programm? Uns ging es bei der Arbeit für Regenbogenfamilien schon immer um eine große Bandbreite, ob lesbisch, schwul, trans*, bi, inter* oder jegliche andere queere Konstellation. Was zählt ist, ob wir Menschen helfen können. Das kann auch eine heterosexuelle Frau sein, die mit ihrem schwulen Freund ein Co-Parenting anstrebt. Ich finde es immer toll, wenn sich Menschen aus der binären, heteronormativen Norm befreien. Wir möchten sie stärken, vernetzen und ihnen Raum geben.

Bild: Friderike Körner
Team im neuen Zentrum, v.l.n.r. Anna Dundurs, Daniela Kühling, Constanze Körner

Gab es denn auch Zweifel an der Idee, innerhalb weniger Monate gleich zwei Regenbogenzentren im Osten der Stadt zu eröffnen? Sicherlich gab es politischen Widerstand bestimmter Fraktionen, die lieber andere Projekte gefördert hätten. Aber öffentlich gab es bisher keine Kritik. Wir haben zwar teilweise ähnliche Angebote wie das Regenbogenfamilienzentrum in Friedrichshain, aber werden uns auch auf andere Themenbereiche spezialisieren. Und ich kann mir in Zukunft durchaus fachlichen Austausch vorstellen. Zudem boomt das Thema, es gibt so viele queere Familien und wir haben bereits ein großes Netzwerk. Es ist spannend, dass Berlin jetzt drei Regenbogenzentren hat, und ich bin ein bisschen stolz darauf, an allen dreien in gewisser Weise beteiligt zu sein.

Ist die größte Herausforderung dann aktuell die Corona-Pandemie? Und wird es noch eine Eröffnungsfeier geben? Ein Projektstart in Corona-Zeiten ist für alle schwer. Der Wunsch nach echter Begegnung ist groß bei den Familien, und wir können weniger umsetzen, als wir gerne würden. Wir versuchen jetzt, uns bekannter zu machen und in schon bestehenden Netzwerken präsent zu sein. Wir haben den Auftrag des Bezirks, ein großes Stadtfest zu organisieren, um die Vielfalt von Familien zu feiern, das sehe ich dieses Jahr aber leider nicht. Vielleicht 2022. Trotz allem sind wir froh, dass wir mit der Arbeit beginnen durften, die uns am Herzen liegt.

Treffpunkt LesLeFam, Dolgenseestr. 21

www.leslefam.de

Bild: LesLeFam

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