LesLeFam

Zu lesbisch für das Regenbogenfamilienzentrum Ost?

23. Sept. 2020 Paula Balov
Bild: LesLeFam

Der Verein LesLeFam e. V. hat sich auf den Zuschlag für ein neues Regenbogenfamilienzentrum im Osten Berlins beworben. Die Senatsverwaltung lehnte die Bewerbung jedoch ab: Das Konzept sei u. a. zu stark auf Lesben fokussiert. Constanze Körner von LesLeFam befürchtet dahinter eine strukturelle Diskriminierung lesbischer Projekte

Der Verein Lesben Leben Familie (LesLeFam) e.V. hat im Osten Berlins eine Lücke geschlossen: Er bildet seit 2018 die Anlaufstelle in Lichtenberg für Regenbogenfamilien und für „lesbische Frauen in unterschiedlichen Lebensphasen“. Der logische nächste Schritt für den Verein war, sich auch für ein neues Regenbogenfamilienzentrum im Osten der Stadt stark zu machen. Dass ein Projekt „Regenbogenfamilienzentrum Ost“ tatsächlich im Berliner Haushalt verankert werden konnte, lag laut LesLeFam-Projektkoordinatorin Constanze Körner dann nicht zuletzt auch an der intensiven Lobbyarbeit des Vereins.

Auf die Ausschreibung bewarben sich neben LesLeFam noch fünf weitere Träger. Aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Bereich Regenbogenfamilien hatte sich Constanze Körner gute Chancen ausgerechnet: Sie engagiert sich als Aktivistin seit 20 Jahren für Regenbogenfamilien und leitete bereits von 2013 bis 2018 das Regenbogenfamilienzentrum des LSVD in Schöneberg. Im August kam aber die Absage: LesLeFam erhält nicht den erhofften Zuschlag für das Zentrum.

Zu sehr „auf Lesben fokussiert“

Die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie lehnte LesLeFam mit der Begründung ab, der Verein sei zu sehr auf Lesben fokussiert. Ziel des neuen Zentrums sei, „eine möglichst breite queere Zielgruppe“ zu erreichen, teilt Iris Brennberger, Pressesprecherin für den Bereich Bildung, Jugend und Familie, auf Anfrage von SIEGESSÄULE mit. Noch ist nicht bekannt, welcher Bewerber den Zuschlag stattdessen erhalten hat.

Iris Brennberger gesteht zwar ein, es sei überhaupt nicht schädlich, sich mit dem Regenbogenfamilienzentrum schwerpunktmäßig an Lesben zu wenden“. Doch „in der vergleichenden Bewertung der Anträge“ sei nach Einschätzung der Senatsverwaltung der lesbische Fokus von LesLeFam „zu stark“.

LesLeFam: „Unsachliche Begründung“

Diese Begründung kann Constanze Körner nicht nachvollziehen. „90 Prozent der Regenbogenfamilien sind Mütterfamilien,“ erklärt sie. Gerade lesbische Eltern seien aufgrund der Diskriminierung im Adoptionsrecht und der sogenannten Stiefkindadoption in einer schwierigen politischen Lage. Zudem decke der Verein LesLeFam, trotz seines Schwerpunkts auf lesbische Lebensrealitäten, „die ganze Vielfalt“ von Regenbogenfamilien mit ab: „Dazu gehören schwule Väter, trans* Lesben, bisexuelle Frauenpaare, Asexuelle usw.“

Als weiteren Grund für die Absage nannte die Senatsverwaltung das „dezentral ausgerichtete Konzept“ von LesLeFam. Gewünscht sei eine zentrale Anlaufstelle mit regulären Öffnungszeiten, während LesLeFam einen stärkeren Fokus auf Vernetzung lege. Der Plan des Vereins war, zusätzlich zur Anlaufstelle proaktiv auf die Bezirks- und Jugendämter in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf zuzugehen, um auf diese Weise mehr Regenbogenfamilien zu erreichen. Constanze Körner sieht gerade in Bezirken wie Lichtenberg einen hohen Bedarf an neuen queeren Strukturen und Vernetzung.

Die Gründe der Senatsverwaltung findet Körner demnach auch „unsachlich“ und „skandalös“. Sie befürchtet hinter der Ablehnung eine institutionelle Benachteiligung lesbischer Projekte: „Das bedeutet, dass ein Verein von Lesben, auch wenn wir noch recht jung sind, wieder nicht ernst genommen wird“.

Senatsverwaltung sieht keine strukturelle Diskriminierung

Die Senatsverwaltung hält diese Vorwürfe für ungerechtfertigt: „Ziel des Projekts war und ist, dass eine möglichst breite queere Zielgruppe angesprochen werden soll. Daraus kann man keine strukturelle Diskriminierung von lesbischen Projekten ableiten“, so Iris Brennberger.

Im nächsten Schritt will LesLeFam Akteneinsicht beantragen, um das Urteil über die eingereichte Bewerbung nachzuvollziehen. Um dann noch „tiefer nachzubohren“ oder um rechtliche Schritte einzuleiten, sei die Ausstattung des Vereins allerdings zu schwach. Trotzdem will Constanze Körner die Entscheidung nicht auf sich sitzen lassen: „Wir sind der Meinung: Ein Regenbogenfamilienzentrum kann gar nicht lesbisch genug sein!“

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