Berlin

Erster queerer Barbershop

4. Sept. 2020 Finn Ballard
Bild: La Barber
Für alle was dabei: „La BarBer“ ist zugleich auch queere Bar und Tattoostudio

Kürzlich eröffnete „La BarBer“ in Neukölln: Berlins allererster queerer Barbershop. Wir sprachen mit Co-Betreiberin Sara

Sara, wie kam es dazu, dass ihr hier in Neukölln ein Geschäft eröffnet habt?
Ursprünglich war dieser Raum nur die Bar und das Tattoo-Studio. Ich kam hierher, um mich selbst tätowieren zu lassen. Ich hatte zuvor schon länger nach einem Ort für meinen eigenen queeren Barbershop gesucht und dachte dann: Das ist ein Zeichen! Ich traf den Besitzer der Räumlichkeiten, der meine Idee liebte, und bekam nur zwei Wochen später die Schlüssel überreicht. Jetzt haben wir hier Barbering, Tattoo-Studio und Bar in einem, meine Freundin und mein bester Freund sind die Barkeeper... ich kann es immer noch kaum glauben: Es ist perfekt.

„Haare haben kein Geschlecht!“

Was genau ist eigentlich ein Barbershop?
Der Unterschied zu einem Friseursalon bezieht sich, historisch betrachtet, auf Gender. Wir wollen diese veraltete Idee überwinden, dass Barbering nur etwas für „Männer“ sei. In einem Friseursalon liegt der Fokus z. B. mehr auf langem Haar oder Highlights. Das alles machen wir hier auch, inklusive der traditionellen Techniken des Barberings wie schnelle Schnitte oder Linien, und natürlich Bartbehandlungen. Haare haben kein Geschlecht! Was unseren Laden zu einem Barbershop macht, ist der ästhetische Stil und die Atmosphäre: das Old-School Design mit großen Spiegeln, traditionellen Tools etc.

„Ich möchte, dass die Leute die Regenbogenfahne an unserem Fenster sehen und sofort wissen, dass sie sich hier sicher fühlen können.“

Was ist queer an eurem Laden, mal abgesehen von eurem Team? Und warum braucht Berlin einen queeren Barbershop?
Als ich anfing, als Friseurin in Madrid zu arbeiten, hatte ich jedesmal, wenn eine sichtbar nicht-binäre, trans*- oder queere Person einen Haarschnitt bekam, das Gefühl, dass die betreffende Kund*in sich unwohl fühlte – und ebenso meine Kolleg*innen. In einem solchen Umfeld tätig zu sein fand ich unangenehm. Und als lesbische Frau war ich als Kundin in Barbershops nicht willkommen: Ich wurde abgewiesen. Das erste Mal, dass ich mich wirklich zu Hause fühlte, war, als ich mit Leuten aus der queeren Community zusammenarbeitete. Deshalb habe ich beschlossen, hier meinen Traum zu verwirklichen. Bis zu unserer Eröffnung gab es in Berlin keinen sich offiziell queer labelnden Barber-Laden. Jetzt möchte ich, dass die Leute die Regenbogenfahne an unserem Fenster sehen und sofort wissen, dass sie sich hier sicher fühlen können. Wichtig ist auch, dass unsere Kund*innen nicht direkt am Fenster sitzen. Das erste, was man von der Straße aus sieht, ist die Bar. Durch die muss man erst durch, um zu uns zu kommen. Und man kann sogar seinen Hund zu uns mitbringen!

Wie passt La BarBer nach Neukölln?
Viele fragen mich: Warum ausgerechnet in Neukölln einen Barbershop eröffnen? Es gibt doch schon so viele hier! Aber wir respektieren uns gegenseitig. Wir sind keine Konkurrent*innen; wir arbeiten mit völlig verschiedenen Konzepten. Außerdem fühle ich mich hier sehr zu Hause: Unser Laden liegt zwischen Tristeza und Silver Future, ich selbst wohne gleich um die Ecke, ich kenne die Leute, die hier leben.

Was, würdest du sagen, ist eure Spezialität?
Bartbehandlungen! Wir machen das volle Programm, das ganze Ritual: heiße Handtücher, Nassrasur... Wir nehmen uns wirklich Zeit dafür. Aber wir haben auch Farben, Designs... Im Grunde können wir alles machen.

Ihr habt erst vor Kurzem eröffnet: Wie läuft es bisher?
Wir sind jeden Tag ausgebucht. Tatsächlich suchen wir bereits eine zusätzliche Kraft für unser Team. Ich selbst werde hier bleiben, egal, was passiert – gerne auch noch als haarschneidende, tätowierte Oma!

Ergänzung 8.9.2020: Der Zugang zum La BarBer ist Rollstuhlgerecht.

Interview: Finn Ballard, Übersetzung: fs

Bild: La Barber
Sara O’Neill aus Malaga, lernte u. a. Luftfahrtechnik und war Soldatin, bevor sie ins Barbering-Business wechselte

La BarBer, Queer Barber - Tattoo - Bar

Pannierstraße 56, Berlin

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