„Free at Heart“ – Mutiges Filmdebüt über eine Liebe, die nicht sein darf
Von einem Tabubruch mit Folgen erzählt „Free at Heart“, das Spielfilmdebüt des Regisseurs Max Hegewald. In seinem mutigen Coming-of-Age-Drama verlieben sich nicht einfach nur zwei Jungs ineinander. Mit der Zeit kommt ein Geheimnis ans Licht, dass die Liebe der beiden Teenager eigentlich unmöglich macht
Von einem Tag auf den anderen wird Bastis (Linus Moog) Leben auf den Kopf gestellt. Mit Vater, Mutter und kleiner Schwester hat sich der 16-Jährige mit dem Leben auf dem Dorf arrangiert. Bis in den Nachmittag wird in der Schule gepaukt, abends geht es mit der Clique in den Wald oder an den See. Doch ein Anruf ändert alles und plötzlich steht ein fremder Junge im Wohnzimmer. Der sei der Sohn seiner verstorbenen Ex-Freundin, stammelt Bastis Vater, und solle vorerst bei der Familie leben. Eine vage Erklärung, die niemanden so recht zufriedenstellt. Auch Bastis Mutter nicht.
Kolja (Aurel Klug) scheint ein durch und durch cooles Stadtkind zu sein und sorgt dafür, dass Basti nicht nur sein Kuscheltier versteckt, sondern dem Gast auch ansonsten eisig begegnet. Doch mit der Zeit zieht der charismatische Kolja seine Gastfamilie in seinen Bann und selbst Bastis Blicke sind nicht mehr voller Argwohn. Mit der Zeit kommen sich Basti und Kolja nicht nur freundschaftlich näher, sondern entwickeln Gefühle füreinander, denen sie zögerlich nachgeben. Doch zeitgleich wird das, was sie ohnehin schon ahnen, zur schrecklichen Gewissheit: Beide Jungs sind Brüder.
In schnellgeschnittenen Bildmontagen fängt Regisseur Max Hegewald das Gefühlschaos ein, das vor allem über Basti hereinbricht. Allein eine schwule Liebe scheint für die engstirnige Dorfgemeinschaft schon zu viel. Die Liebe zum eigenen Bruder allerdings ist ein unumstößliches Tabu. So hat denn auch die einzige queere Person im Dorf nur Häme für ihn übrig, als Basti sein Geheimnis preisgibt und um Rat fragt.
Verzweiflung, Verdrängung und Aggression helfen auch nicht. Gefühle lassen sich nicht abschalten. Doch als das Geheimnis zunehmend publik wird, hat die verbotene Liebe von Kolja und Basti nicht nur für die beiden minderjährigen Brüder Konsequenzen, sondern für die gesamte Familie und ruft sogar das Jugendamt auf den Plan.
Mutiges Debüt
Mit der Wahl dieses drastischen Themas hat Regisseur Max Hegewald einen Mut bewiesen, den ihm bereits viele Kritiker*innen hoch angerechnet haben. Mehrere Publikumspreise sowie Auszeichnungen für den besten Film und die beste Regie im Rahmen von Festivals zeigen zudem, dass dieser Mut sich gelohnt hat.
Getragen wird „Free at Heart“ vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern, die über die knapp zweistündige Laufzeit eine ungeheure Chemie entwickeln.
Getragen wird „Free at Heart“ vor allem von seinen beiden Hauptdarstellern, die über die knapp zweistündige Laufzeit eine ungeheure Chemie entwickeln. Während Aurel Klug mit viel Charisma überzeugt und die Gefühle seiner Figur allein mit seinen Blicken transportiert, vermittelt Linus Moog die Zerrissenheit Bastis mit einem intensiven körperlichen Spiel.
Man wünscht sich, der Regisseur hätte sich ganz auf diese offensichtlichen Stärken konzentriert und manch fragwürdige Nebenfigur und -handlung ausgelassen. So hätte es weder die fragwürdige Rolle von Crossdresser Tess (Ferdinand Lehmann) gebraucht, noch die Ereignisse rund um Bastis kleine Schwester, die mehr an eine Daily Soap als an einen Spielfilm erinnern.
Diese Kritikpunkte sind jedoch zu verschmerzen. Was bleibt, ist ein intensives Jugenddrama, das moralische Fragen stellt, auf die einzig das Gesetz Antworten liefern kann, und das mit zwei hervorragenden Hauptdarstellern brilliert.
„Free at Heart“,
Regie: Max Hegewald,
mit Aurel Klug, Linus Moog, Marlena Strawe u.a.,
DE 2026, 117 min.
Seit 29.10. im Kino
Folge uns auf Instagram
#Coming-of-Age#Film#Kinostart#schwul