Premiere am 08.11.

Göttliche Verführung: „La Calisto“ feiert Wiederaufnahme an der Staatsoper

6. Nov. 2026 Jojo Streb
Bild: Matthias Baus

Diese superqueere Oper von Francesco Cavalli aus dem Jahr 1651 war schon mal in den 1990ern an der Staatsoper ein Hit. Nun kommt das Stück über die amourösen Abenteuer der antiken Götter zurück nach Berlin, in einer Neuproduktion des schwulen Starregisseurs Stefan Herheim

Die Göttin, in die du dich verliebst, ist in Wahrheit ein Gott? In „La Calisto“ verfällt die titelgebende Nymphe der Diana, Göttin der Jagd und Keuschheit. Gleichzeitig wirft Göttervater Jupiter ein ausgesprochen unkeusches Auge auf sie, wird zurückgewiesen und verwandelt sich dann in die Erscheinung von Diana – inklusive So-prangesang, statt seines normalen Baritons. So legt er Calisto flach, und das Chaos nimmt seinen Lauf: Jupiters Gattin wird eifersüchtig, Diana versteht nicht, wieso Calisto sich ihr plötzlich so vertraut nähert, und Jupiter hat einiges zu erklären, als alles auffliegt. Zwischendurch gibt‘s noch zahlreiche horny Satyrn (Foto, li.), die am liebsten alles bespringen, was ihnen über den Weg läuft, egal ob männlich oder weiblich oder irgendwas dazwischen. Ja, so war das damals in der Antike!

Barocke Science-Fiction-Ästhetik

Nach der Premiere dieser bildmächtigen Neuproduktion am Theater an der Wien im September kommt sie nun zu den Barocktagen 2026 an die Staatsoper. Regisseur Stefan Herheim verspricht eine barocke Science-Fiction-Ästhetik und eine Inszenierung, die zwischen mythologischer Fantasie, erotischer Verwirrung und brutaler Machtpolitik oszilliert.

„Der Bruch mit tradierten Geschlechterrollen und Tabus war ein wesentliches Merkmal.“

Schon der venezianische Karneval, zu dem diese Oper im 17. Jahrhundert uraufgeführt wurde, bot Raum für Grenzüberschreitungen: „Der Bruch mit tradierten Geschlechterrollen und Tabus war ein wesentliches Merkmal“, sagt Herheim im SIEGESSÄULE-Interview. Jupiters Verkleidung sei allerdings keine harmlose Gender-Spielerei, so Herheim: Calistos Schicksal sei der „Paradefall für eine Frau als Opfer männlicher Macht, Willkür und sexualisierter Gewalt.“

Am Ende wird Calisto in eine Bärin verwandelt, und Jupiter sorgt dafür, dass sie als Sternbild am Himmel verewigt wird. So einfach konnte man sich damals als Mann seiner Probleme entledigen. So einfach will es Herheim sich und den Zuschauer*innen aber nicht machen. Er zwingt sie, bei allem Klamauk, zum Nachdenken.

La Calisto,
Regie: Stefan Herheim. Dir.: Christina Pluhar.
Mit: Vera-Lotte Boecker u. a.,
08.11., 18:00 (Premiere);
13./18./21.11., 19:00;
15.11., 18:00,
Staatsoper
Unter den Linden

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