Kommentar zum Serienfieber

Hype um „Heated Rivalry“ – gefeiert von allen außer schwulen Männern?

6. März 2026 Walter Crasshole
Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Sabrina Lantos
Shane und Ilya: geschniegelt, aber heiß

Die Serie „Heated Rivalry“, deren Staffelfinale am 13. März auf HBO Max läuft, eroberte die Welt im Sturm. Die New York Times bezeichnete die Liebesgeschichte zwischen zwei Eishockeyspielern sogar als „kulturelles Erdbeben“. SIEGESSÄULE-Redakteur Walter Crasshole findet den Streaming-Hit jedoch überbewertet und zu angepasst

„Hast du ,Heated Rivalry' schon gesehen?“, fragte mich ein schwuler Freund – und stellte damit genau die Frage, die mir gefühlt täglich das ganze Internet stellt. „Nein“, antwortete ich. „Ich auch nicht. Ehrlich gesagt interessiert es mich überhaupt nicht.“ Eine Welle der Erleichterung überkam mich. Ich musste also nicht so tun, als wäre ich begeistert davon, was diese Form von Repräsentation für schwule und bisexuelle Männer weltweit bedeuten könnte.

Für alle, die den Hype nicht mitbekommen haben: „Heated Rivalry" ist eine immens populäre Serie, die im November 2025 startete (die deutsche Premiere folgte im Februar 2026). Sie erzählt von einer heimlichen romantischen und sexuellen Beziehung zwischen zwei Eishockeyspielern rivalisierender Teams – einer schwul, der andere bi. Diese sexuell explizite – oder zumindest ziemlich „spicy“ – Darstellung von Liebe in einer traditionell männlichen Arena scheint offenbar einen Nerv getroffen zu haben.

Vor allem bei Frauen – hetero wie queer – und nicht binären Zuschauer*innen. Bei schwulen Männern anscheinend weniger. Von The Guardian bis zum Tagesspiegel erschienen Artikel über die Begeisterung vieler Frauen für die Serie. Auch meine Feeds waren voll von queeren Frauen und nicht binären Personen, die fleißig am Fangirlen waren. Eine Ecke meiner Social-Media-Welt blieb jedoch auffallend still: schwule Männer. Nicht mal Verachtung. Einfach nur Stille.

Kufen und Kollisionen, denen jegliche Schärfe fehlt

Für mich ein seltsamer Moment in der queeren Zeitlinie: stark sexualisierte schwule Inhalte – gehypt im Mainstream, die vor allem von FLINTA* konsumiert werden. Jahrzehntelang waren Identifikation und Repräsentation der heilige Gral queerer Bewegungen. Doch ausgerechnet die Gruppe, die diese Serie angeblich repräsentiert, scheint am wenigsten auf sie anzuspringen. Was bietet sie schwulen Männern eigentlich? Richtet sie sich überhaupt an sie?

Während der Sex provokant wirkt, verlässt die Serie selten ihre romantisch gepolsterte Komfortzone und geht kaum Risiken ein.

Nach Jahrzehnten queerer Repräsentation, die provokativ, herausfordernd und künstlerisch war, stehen wir nun bei einer Serie voller Kufen und Kollisionen, der erstaunlicherweise jegliche Schärfe fehlt. Während der Sex provokant wirkt, verlässt die Serie selten ihre romantisch gepolsterte Komfortzone und geht kaum Risiken ein. New Queer Cinema ist das jedenfalls nicht. Ich bin mit queeren Filmen aufgewachsen, die eher verunsichert als beruhigt haben – und frage mich bei dieser popkulturellen Wendung, wo wir eigentlich gelandet sind.

Der schwule Autor und Schauspieler Jordan Firstman – bekannt für deutlich weniger glattgebügelte Darstellungen schwuler Identität, etwa in „I Love LA", dem Film „Rotting in the Sun" oder seinem Song „I wanna see my friends dicks“ – sorgte für Aufsehen, als er Vulture sagte: „Aber die Leute wollen Heated Rivalry sehen. Ich greife zur Kunst, um konfrontiert zu werden und nachzudenken, aber viele wollen einfach nur Unterhaltung – oder zwei heterosexuelle Eishockeyspieler sehen, die so tun, als wären sie schwul und miteinander ficken.“

Damit trifft er einen Punkt: Schwuler Sex auf dem Bildschirm ist dann am interessantesten – und ehrlich gesagt auch am heißesten – wenn er authentisch und herausfordernd ist. Nicht beruhigend. Nicht reibungslos.

„Weiß die Gen Z eigentlich nicht, dass es Pornos gibt?“

Gleichzeitig verstehe ich den Reiz. Die Typen sind heiß – geschniegelt, aber heiß. Die Serie stellt Sehnsucht und Begehren neben den Sex. Und sie zeigt eine Beziehung ohne typische patriarchale Dynamiken. Am Ende gibt es sogar ein Happy End. Im Grunde ist es ein Märchen.

Ich habe nichts gegen Frauen oder sonst irgendwen, der Heated Rivalry“ schaut. Es gibt eine ziemlich widerliche Haltung unter manchen schwulen Männern, die behaupten, Frauen würden queere Männer „fetischisieren“ – während die tatsächlichen Gründe, was Frauen an schwulen Liebesgeschichten reizt, viel komplexer sind. Fuck those guys! Menschen können die Serie genießen, wie sie wollen. Andere müssen es nicht.

Und ja, natürlich gibt es auch schwule Männer, die Heated Rivalry“ schauen – viele von ihnen jünger. Als ich kürzlich mit einem Freund darüber sprach, fragte er halb im Scherz: „Weiß die Gen Z eigentlich nicht, dass es Pornos gibt?“ Der Satz ist flapsig, aber er weist auf etwas Interessantes hin: Heated Rivalry" wird teilweise wie Porno konsumiert, nur mit besserem Licht, mehr Handlung und sozialer Erlaubnis. Nicht weil der Sex besonders explizit wäre, sondern, weil er zulässig wirkt, glamourös und sicher.

Jahrzehntelang bedeutete queere Sichtbarkeit Konfrontation. Heute bedeutet sie oft Komfortzone. Vielleicht ist das kein Verlust. Aber es ist eine Veränderung.

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