ARD

Liebeskummer, Sexpartys und Rugby: Zweite Staffel der schwulen TV-Serie „All You Need"

21. Apr. 2022 Michael G. Meyer
Bild: ARD Degeto/Andrea Hanson
Arash Marandi und Tom Keune (r.) in der TV-Serie „All You Need"

Ab Freitag, den 22.04., ist die zweite Staffel der in Berlin spielenden schwulen ARD-Serie „All You Need" in der Mediathek zu sehen – kurze Zeit später läuft sie dann auch im TV. Michael G. Meyer hat sich die ersten Folgen vorab angeschaut

Während die Produktion von queeren Serien auch dank der Streamingdienste längst kein Novum mehr ist, ging hierzulande im letzten Jahr mit „All You Need" zum ersten Mal die schwule Serie eines öffentlichen Senders an den Start – erst nur in der ARD-Mediathek, später auch auf dem Sender One und spätabends als Wiederholung dann sogar im Ersten. Kurz darauf legte dann das ZDF mit der lesbischen Serie „Loving Her" nach.

Noch bevor die ersten Folgen von „All You Need" überhaupt ausgestrahlt wurden, war bereits eine zweite Staffel angekündigt worden. Offenbar war sich die ARD sicher, dass die erste deutsche, schwule TV-Serie ein voller Erfolg wird. An die drei Millionen Mal soll sie laut Angaben des Senders in der Mediathek angeschaut worden sein. Christoph Pellander, Redaktionsleiter bei ARD Degeto sagte in mehreren Interviews, er verspreche sich jedenfalls noch viel von der Serie, die von UFA Fiction, der Produktionsfirma von Nico Hofmann realisiert wird. So betonte er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Eine solche Serie war überfällig – vor allem vor dem Hintergrund, dass homosexuelle Beziehungen in vielen Ländern weiter verboten sind." Mittlerweile ist auch eine dritte Staffel angekündigt worden.

Bild: ARD Degeto/Andrea Hanson
Vorne v. l.n.r.: Benito Bause (Vince), Christin Nichols (Sarina), Arash Marandi (Levo), Hinten: Frédéric Brossier (Robbie), Ludwig Brix (Simon)

Zum Inhalt

Auch in Staffel Zwei stehen Medizinstudent Vince (Benito Bause), Webdesigner Levo (Arash Marandi), Familienvater Tom (Mads Hjulmand) und Fitnesscoach Robbie (Frédéric Brossier) wieder im Mittelpunkt. Die Seitensprünge in der ersten Staffel haben emotionale Verletzungen hinterlassen, die so schnell nicht wieder heilen werden. Gerade in den ersten beiden Folgen werden viele Wunden verarztet, Gefühle besprochen, Pläne geschmiedet.

Dem Rhythmus und den klassischen Situationen der ersten Staffel ist man treu geblieben. Vince bekommt einen neuen Mitbewohner: Simon, den smarten Bruder von Sarina. Simon möchte Vince mit einer Nacht im Club von seinem Kummer und vom Prüfungsstress ablenken. Auch Levo will seinen Trennungsschmerz hinter sich lassen. Er hat Andreas, den Trainer einer queeren Rugby-Mannschaft, bei einer Sex-Party kennengelernt und überredet Robbie, mit ihm beim Training vorbeizuschauen. Man ahnt es schon: Auch hieraus wird sich einiges entwickeln. Die Rugby-Mannschaft wurde den Berlin Bruisers nachempfunden, Deutschlands erste schwule Rugby-Mannschaft, die auch an der Produktion beteiligt war.

Bild: ARD Degeto/Andrea Hanson
Robbie (3. v. r.) ist Teil der queeren Rugbymannschaft von Trainer Andreas (2. v. r.)

Andreas wird gespielt von dem in Berlin lebenden Tom Keune – einem schwulen Schauspieler, der sich im Zuge der Actout-Kampagne outete. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur hatte er in dieser Woche öffentlich über seine Regenbogenfamilie gesprochen: Er hat drei Kinder mit einem weiblichen Ehepaar. Obwohl ihm deswegen in Berlin kaum Skepsis begegne, kritiserte er gegenüber der Presse-Agentur, dass Menschen im Bundestag sitzen, „denen meine Familienkonstellation ein deutliches Dorn im Auge ist."

Bild: ARD Degeto/Andrea Hanson
Tom Keune als Andreas (r.)

Holzschnittartige Figuren

Themen wie Rassismus, Homophobie, Diskriminierung, die in der ersten Staffel teils ziemlich plakativ verhandelt wurden, sind in der zweiten Staffel in den Hintergrund gerückt. Leider fehlt der Serie aber noch immer eine zündende Idee, wie queeres Großstadtleben originell dargestellt werden kann. Die emotionalen Abenteuer der fünf Protagonisten sind zwar glaubwürdig inszeniert und geschrieben, doch die Serie leidet etwas unter den holzschnittartig entworfenen Figuren, die verhindern, dass man ihnen wirklich nahekommt. Weder ist die Darstellung besonders schrill oder schräg, noch emotional sonderlich bewegend. Was der Serie ebenfalls fehlt, ist eine gewisse Dynamik – die Handlung plätschert allzuoft ohne wirkliche Höhepunkte dahin.

„All You Need",
Zweite Staffel, 6 Episoden

ab 22.04. in der ARD-Mediathek

TV-Termin:
27.04., 22:50 – 01:40, ARD (alle 6 Episoden werden gezeigt)

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