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ARD-Mediathek ab 7. Mai

Serienstart: „All you need“ zeigt schwules Leben in Berlin

5. Mai 2021 Michael G. Meyer
Szenenfoto „All you need“

Mit „All you need“ geht am Freitag erstmals ein öffentlich-rechtlicher Sender mit einer Serie an den Start, in der es um schwule Männer geht. Sie spielt in Berlin und wurde in bekannten Szeneorten wie dem SchwuZ oder dem Boiler gedreht. Michael G. Meyer hat die Serie vorab gesichtet

„Pose“, „Transparent“, „Sense 8“, „Stadtgeschichten“, „Looking“ ... Queere Serien werden zum Glück immer mehr: vor allem dank der Streamingdienste. Doch hierzulande hat sich bisher noch kein Sender, egal ob kommerziell oder öffentlich-rechtlich, an eine rein schwule Serie getraut.

Das ändert sich ab dem 7. Mai. Dann startet „All you need“ in der ARD-Mediathek. Die fünfteilige Serie dreht sich um vier schwule Männer in Berlin: den Langzeitstudenten Vince (Benito Bause), Robbie (Frédéric Brossier), der sein Leben nicht richtig im Griff hat, den langsam spießig werdenden Webdesigner Levo (Arash Marandi) und den erst spät geouteten Familienvater Tom (Mads Hjulmand). Sie alle suchen in Berlin nach dem Mann fürs Leben, auch wenn sie dafür viele Rückschläge, wie schlechte Grindr-Dates, erdulden müssen. 

„All you need“ ist sowohl visuell als auch inhaltlich auf der Höhe der Zeit. Die Beziehungsdramen, Seitensprünge und Eifersüchteleien lassen hier und da an „Queer as Folk“ aus den Nullerjahren denken. Allerdings war diese Serie, sowohl in der britischen wie in der amerikanischen Version, greller und schriller. „All you need“, in ihrer nüchternen Abgeklärtheit, erinnert dann doch eher an die HBO-Serie „Looking“, in der eine Gruppe junger Männer in San Francisco ebenfalls die Aufs und Abs des Beziehungslebens durchmacht.

„Uns war es sehr wichtig, dass wir nicht gleich verschämt zur Gardine schwenken, sobald zwei Männer anfangen sich zu küssen.“

„Ich habe natürlich ,Queer as Folk‘ und ‚Looking‘ schon damals gesehen – für mich zwei serielle Meilensteine in der queeren Unterhaltung und mit Sicherheit große Vorbilder“, sagt Benjamin Gutsche, der Regisseur der ARD-Serie. „Mit ,All You need‘ wollte ich eine sehr moderne, heutige Serie schaffen und sie ganz klar in der queeren Community Berlins verorten. Denn als Autor und Regisseur war es mir wichtig, unter anderem meine eigenen Erfahrungen in die Serie einfließen zu lassen. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die universelle Themen anspricht – Freundschaft, Liebe, Familie, persönliche Triumphe und Niederlagen – allerdings aus der Sicht von vier schwulen Protagonisten.“ 

Der Regisseur erzählt, dass es in der Zusammenarbeit mit der ARD keine Probleme gegeben habe, im Gegenteil. Das Team sei sehr frei in der Gestaltung gewesen: „Uns war es sehr wichtig, dass wir nicht gleich verschämt zur Gardine schwenken, sobald zwei Männer anfangen sich zu küssen. Außerdem war es uns kein Anliegen, Begriffe wie ‚PrEP‘ oder ‚Tom of Finland‘ zu erklären, damit auch Zuschauer*innen außerhalb der queeren Community alles verstehen. Von daher empfand ich die Zusammenarbeit mit der ARD als sehr angenehm und produktiv.“

„All you need“ kann und soll dabei aber nicht nur eine „Feel-Good-Serie“ sein, es werden auch Themen wie Homophobie oder Rassismus angesprochen, was die Macher*innen bewusst nicht aussparen wollten. Und auch so manches Klischee will die Serie brechen – was ihr durchaus gelungen ist. Die Charaktere sind facettenreich und spannend gezeichnet. 

Fehlender Humor

Die einzelnen Folgen sind recht kurz, nur rund 25 Minuten lang – was aber dem Spannungsbogen eher guttut. Obwohl sich „All you need“ als LGBTIQ*-Serie versteht, werden auch ganz alltägliche Themen verhandelt: eine langjährige Beziehung, die plötzlich vor der Zerreißprobe steht. Der Schuldenberg, der unaufhörlich wächst. Der One-Night-Stand, der nicht lockerlässt. Die große Liebe, die unerwidert bleibt. Was der Serie hier und da allerdings etwas fehlt, ist der Humor. Trotz aller Beziehungskrisen könnte auch mal gelacht werden – das versagt „All you need“ weitgehend seinen Zuschauer*innen. Über allem liegt, auch visuell, ein gewisser Grauschleier der Ernüchterung. Es ist derzeit eben nicht der Moment für Gags, Glitzer und Glamour. Aber vielleicht passt „All you need“ genau aus diesem Grund wunderbar in unsere Zeit.

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