Alternative Dating-App

Meetmarket – das Anti-Grindr

13. Aug. 2026 Interview: Walter Crasshole
Bild: Meetmarket Promo
Rasteransicht der frühen Version der Meetmarket-App

Meetmarket ist die Antwort des Berliners Calum Bowden (aka Influencer Don Jackoghue) auf Big Dating: eine queere, werbefreie Alternative zu Grindr, die mit Blick auf die Community entwickelt wurde. Seit dem Start im März 2026 hat die App über 160.000 Euro per Crowdfunding eingesammelt und bereitet sich auf den vollständigen Launch im Herbst vor. Wir haben mit Bowden über diese community-basierte Alternative gesprochen

Du bist von vielleicht 300 Leuten ausgegangen, die das ausprobieren würden. Innerhalb weniger Wochen hattest du 60.000 weltweit, ohne einen Cent für Werbung auszugeben. Wonach waren die Leute so hungrig? Ich hatte keine Ahnung, wie viele Menschen ähnlich empfinden wie ich, wie erbärmlich die Optionen sind, die wir als queere Menschen bei Apps haben, und ich glaube einfach, dass die Leute total hungrig nach einer Alternative sind. Bei meiner informellen Umfrage kam als größter Kritikpunkt die Werbung zurück. Der zweitgrößte Punkt waren Fakes und Bots, und der dritte war die Bezahlschranke. Grindr hat letztes Jahr 440 Millionen Dollar Umsatz gemacht und drängt die Nutzer*innen zu immer teureren Abos. Das ist der perfekte Moment, um etwas anderes zu versuchen – etwas, das Menschen nicht als Mittel behandelt, um bereits ultrareiche Milliardäre noch reicher zu machen.

„Grindr hat letztes Jahr 440 Millionen Dollar Umsatz gemacht und drängt die Nutzer*innen zu immer teureren Abos. Das ist der perfekte Moment, um etwas anderes zu versuchen.“

Warum, glaubst du, ist das gerade jetzt für queere Menschen so dringend geworden? Ich glaube, es liegt generell an der Krise der Lebenshaltungskosten. Aber ich glaube auch, dass das Bewusstsein für zunehmenden Techno-Faschismus wächst, für die Art, wie digitale Plattformen uns benutzen, um Geld zu verdienen, indem sie unsere Daten an Werbetreibende verkaufen. Es gibt so viele historische Beispiele für queere Solidaritätsinfrastruktur – es überrascht mich, dass wir digitale Technologien nie auf dieselbe solidarische Weise gestaltet haben.

Grindr hat nachweislich sensible Nutzer*innendaten an Analysefirmen weitergegeben, und Standortdaten waren käuflich zu erwerben. Was steht für Nutzer*innen tatsächlich auf dem Spiel? Es gibt ein Beispiel, bei dem eine religiöse Gruppe Daten von einem Broker gekauft hat, die mit Grindr-Aktivität verknüpft waren, um einen katholischen Priester zu outen. Es wird wirklich wichtig, über Datenschutz nachzudenken, wenn man den Behörden nicht mehr zutrauen kann, das Beste für einen im Sinn zu haben.

„Es wird wirklich wichtig, über Datenschutz nachzudenken, wenn man den Behörden nicht mehr zutrauen kann, das Beste für einen im Sinn zu haben.“

Wenn du an die Meetmarket-Community denkst – wer ist da eigentlich dabei? Mein Ausgangspunkt war Grindr – es ist so ein Umfeld mit wenig Vertrauen, das noch dadurch verschlimmert wird, wie ausbeuterisch es als Unternehmen ist. Es wird vor allem von schwulen Männern genutzt, aber auch von trans und bisexuellen Menschen. Meine trans Freund*innen haben das Gefühl, dass es nicht für sie gemacht ist. Lesbische Freundinnen haben mir gesagt: „Wir brauchen diese App wirklich – es gibt nichts Vergleichbares für Lesben.“ Queer ist ist der Anspruch.

Meetmarket verspricht Verifizierung ohne die Überwachung, die bei typischen Identitätsprüfungen üblich ist. Wie funktioniert das konkret? Die Grundidee ist, dass bestehende Mitglieder für neue Mitglieder bürgen, indem sie einen QR-Code scannen – etwas, das WeChat, die größte Messaging-App Chinas, bereits nutzt. Das Ziel ist nicht, die App ohne vollständige Verifizierung unbenutzbar zu machen – sondern nur, diese Vertrauensinformationen sichtbar zu machen.

„Ich strebe an, dass etwa 20 Prozent der Einnahmen von Meetmarket in einen „Scene Fund" fließen.“

Die Idee, dass Geld zurück in die Community fließt – wie sieht das konkret aus? Schwulenbars sind eine Form sozialer Infrastruktur – wenn man dort etwas trinkt, lebt der Besitzer meist in derselben Community, also fließt das Geld dorthin zurück. Bei einer App wird es stattdessen abgezogen. Grindr gehört zu 60 Prozent zwei heterosexuellen Milliardären, die nicht in unserer Community leben. Ich strebe an, dass etwa 20 Prozent der Einnahmen von Meetmarket in einen „Scene Fund" fließen – vielleicht braucht ein Partykollektiv 1.000 Euro für Lautsprecher, oder jemand will ein Fanzine drucken.

Wenn das so läuft, wie du es dir erhoffst – wie sieht eine queere Szene, die von Meetmarket mitgeprägt wurde, in fünf oder zehn Jahren aus? In fünf oder zehn Jahren wäre es so aufregend, wenn es Grindr nicht mehr gäbe. Sniffies hat gerade 100 Millionen Dollar von Match Group bekommen, praktisch dem Dating-App-Monopol. Meetmarket ist als Steward Ownership aufgesetzt – mein Ziel ist, dass es einfach langfristig weiterläuft, immer Feedback von den Nutzer*innen einholt und sich basierend darauf anpasst und weiterentwickelt, was sie brauchen.

Meetmarket:
meetmarket.io

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