Ab 02.11.

Neuer Stand-up-Comedy-Workshop: Lachen gegen Hass

30. Okt. 2026 Amanda Beser/pb
Bild: Nikita Tchernodarov
Cornelia Fleck als Dragking Billy the Clit

Eigene Witze auf der Bühne präsentieren – gegen Sexismus und Queerfeindlichkeit? Das lässt sich im November lernen. An sechs Abenden zeigt Cornelia Fleck aka Dragking Billy the Clit, wie politisch und bezaubernd Humor sein kann. Am siebten Abend wird’s ernst – oder lustig: Dann präsentieren Teilnehmende ihre Nummern in der Kleinen Freiheit

„Reine Comedy oder klassisches Stand-up haben eine hohe Gagdichte und gehen nur auf Lacher“, erklärt Cornelia Fleck im SIEGESSÄULE-Interview. Bei ihr müsse es hingegen nicht immer lustig sein, im Gegenteil: Es dürfe auch mal richtig bitter werden. „Das Lachen darf einem auch im Halse stecken bleiben, auf gute Art. Man darf sich gern denken, oh Gott, das ist ja schrecklich, aber recht hat sie!“

Die Queer-Aktivistin bietet ab Anfang November einen Stand-up-Comedy-Workshop für LGBTIQ* und Friends an. An sechs Abenden wird sie die Teilnehmer*innen dabei unterstützen, ihre eigene Comedy-Nummer zu entwickeln, zu verbessern und zu proben – im Austausch mit der Gruppe. Am 10. Dezember werden die Ergebnisse bei einer Show in der Kleinen Freiheit präsentiert.

„Irgendwann hat mich l’art pour l’art echt gelangweilt, und ich dachte, man kann doch mit Kunst etwas aussagen, sie ist ein wertvolles Werkzeug“, sagt Cornelia zu den Beweggründen hinter der Workshopreihe. Sie ist unter anderem politische Bildnerin, Dragking und Vorstandsmitglied bei der Travestie für Deutschland. Nach ihrem Abschluss in Theaterpädagogik und Schauspiel sowie ersten Erfahrungen an Theaterhäusern merkte sie schnell, dass sie Lust auf eigene Bühnenprojekte hatte. Diese realisierte sie unter anderem mit dem Pop-Theaterensemble Mädchenzimmer und den MIME*sissies, bei denen sie ihre Liebe zum Kabarett entdeckte. Den Begriff findet sie jedoch „altbacken“. „Wer kennt noch die Lach- und Schieß-Gesellschaft oder die Stachelschweine?“ Bei ihrem Programm spricht sie lieber von „politischer Comedy“.

Queer Joy ist gesund

Schwere Themen mit Humor auszudrücken ist eine Kunst – und kann sehr befreiend und empowernd sein. Das ist gerade in angespannten Zeiten ein hilfreiches Tool, um die eigene mentale Gesundheit zu stärken, findet Cornelia. Ganz besonders wichtig ist ihr dabei, Queer Joy zu vermitteln, denn „Lachen hält bei Verstand und baut Spannungen ab“. Das habe auch eine körperliche Komponente: „Man agiert was aus, Adrenalin und Cortisol werden abgebaut.“

Mit ihrem Angebot möchte Cornelia auch die Berliner Comedy-Landschaft diverser machen. Problematisch findet sie es, wenn Comedians so agieren, als wäre ihre Perspektive oder Positionierung in der Gesellschaft „neutral“. „Worüber lachen wir, wenn wir angeblich neutral lachen?“ Die Idee von Kabarett sei immer gewesen: „Wir treten nach oben und machen denen da oben ein bisschen Ärger. Wenn ich das aber nach unten mache, ist es einfach Mobbing. Das finde ich nicht lustig“, sagt Cornelia. So sind beispielsweise sexistische und misogyne Witze auf Comedy-Bühnen immer noch oft zu hören. Auch deshalb hat es sich Cornelia zur Aufgabe gemacht, mehr FLINTA* in politischer Comedy zu schulen. Neben der LGBTIQ*-Edition wird sie im Frühjahr auch eine speziell auf FLINTA* zugeschnittene Version des Comedy-Workshops anbieten. Beide Workshopreihen richten sich ausdrücklich an Anfänger*innen und finden auf Deutsch und Englisch statt.

„Wir treten nach oben und machen denen da oben ein bisschen Ärger. Wenn ich das aber nach unten mache, ist es einfach Mobbing. Das finde ich nicht lustig.“

Doch Cornelia beschäftigt sich nicht nur mit der Comedyszene, sondern auch mit den gesellschaftlichen Verhältnissen insgesamt.Sie hat sich mit der AfD und der Forschung zum Autoritarismus auseinandergesetzt. Eine Erkenntnis daraus: Die politische Rechte habe ein Problem mit Ambiguitätsintoleranz, „deshalb halten die auch Kunst und Kreativität nicht aus“, so Cornelia. „Währenddessen ist das ja unsere Stärke als Queers. Die müssen wir nutzen!“

Mit dem Lachen könne man „diesem Angst-Wut-Gemisch“ entkommen. „Das ist für mich auch Queerfullness“, sagt sie mit Bezug auf ihr gleichnamiges Buch, in dem es darum geht, durch Humor, Kreativität und queere Lebensfreude auch in schwierigen Zeiten handlungsfähig zu bleiben. Denn Humor kann nicht nur Missstände sichtbar machen, sondern auch dabei helfen, sich von ihnen nicht einschüchtern zu lassen.

Queer Stand-up! Comedy-Workshop
Sechs Kurstermine, eine Aufführung,
Termine: 02.11., 09.11., 16.11., 23.11., 30.11., 07.12., 19:00–21:00,
Aufführung: 10.12., Kleine Freiheit
Anmeldung und Infos zum kostenpflichtigen Workshop: cornelia@tfd.camp

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