Alok in Berlin

Spoken-Word-Star Alok auf Tour: Lachen als Form des Widerstands

21. Mai 2026 Elira Halili
Bild: Frances Carter
Alok ist auf internationaler Stand-up-Tour

Alok Vaid-Menon gilt als eine der einflussreichsten Stimmen der internationalen Spoken-Word-Szene. Am 30. Mai kommt der nicht binäre Star nach Berlin. SIEGESSÄULE-Autorin Elira Halili sprach mit Alok über das Zusammenspiel aus Poesie, Humor und Performance

Alok hat nie an die Grenzen zwischen Formen geglaubt: „Poesie, Stand-up, Storytelling, Mode, all das fühlt sich wie verschiedene Dialekte derselben Sprache an, in der Aufmerksamkeit zu Bedeutung geformt wird.“ Die*der Künstler*in bringt einen intersektionalen Blick auf queeres Leben, Identität und Kunst. Im Gespräch über die aktuelle Tour spricht Alok darüber, wie diese unterschiedlichen Formen zusammenkommen. Besonders wichtig sei dabei Humor: Für Alok ist das keine Flucht vor Schmerz, sondern eine Art, ihn zu verarbeiten. „Eine leise Alchemie, die Schwere in Bewegung verwandelt.“ Humor schaffe Raum und ermögliche es, sich politischen Themen zu nähern, ohne von ihnen erdrückt zu werden.

„Jenseits der Geschlechterbinarität zu leben bedeutet heute vor allem, Freude radikal über Scham zu stellen.“

Am 30. Mai ist Alok in Berlin zu erleben und bringt genau das auf die Bühne. Gerade als nicht binäre Person plädiert Alok dafür, sich selbst nicht zu verlieren – also nicht von äußeren Erwartungen oder Normen definieren zu lassen, sondern sich selbst Raum zu geben. „Jenseits der Geschlechterbinarität zu leben bedeutet heute vor allem, Freude radikal über Scham zu stellen. Weg von äußeren Erwartungen darüber, wer man sein oder wie man handeln sollte und hin zu einem intimen Zuhören: Was fühlt sich lebendig an, was wahr?“ So appelliert Alok, die Kraft des Lachens als Form von Widerstand zu begreifen.

Poesie, Humor und Performancekunst

Mit einer Mischung aus Poesie, Humor und Performancekunst verschmilzt Alok diese Kraft zu einem Bühnenprogramm, das ebenso unterhält wie berührt. Die Performance folgt dabei einer Storyline: „Sie beginnt mit Liebe, wie jede gute romantische Komödie.“ Dabei interessiert sich Alok für Liebe als irrationale Kraft, die sich der Logik von Politik entzieht. Darauf folge unweigerlich Herzschmerz, nicht nur als Bruch, sondern als Struktur, die bestimme, wie wir uns verbinden, verlieren und Bedeutung herstellen.

Gerade für queeres und BIPoC-Leben sei dieses Wechselspiel nicht abstrakt, sondern tief im Alltag verankert. Vor diesem Hintergrund empfindet Alok die festgefahrenen Skripte rund um BIPoC- und Trans*-Themen als ermüdend – etwa dann, wenn komplexe Lebensrealitäten auf politische Debatten reduziert werden. Solche Narrative halten Menschen in starren politischen Rollen fest. Stattdessen verschiebt sich der Fokus der Show weg von Gesetzen und politischen Programmen hin zu Empfindung, Gefühlen und der Frage, wie Leben im Alltag erfahren wird. Liebe und Trauer, so Alok, würden oft als universelle Erfahrungen verstanden, jedoch selten in der Weise gezeigt, wie sie von queeren Personen wirklich gelebt werden.

Kunst zur Gegenkraft queerfeindlicher Politik

In einer Zeit, in der queere Menschen in Aloks Heimat, den USA, aber auch international verstärkt Repression ausgesetzt sind, ist das Thema Politik unausweichlich. „Es ist unmöglich, heute zu leben, ohne die Spuren der Weltpolitik in der eigenen Arbeit zu spüren.“ Dabei wird für Alok Kunst zu einem wichtigen Ventil: Sie ermögliche es, diese Schwere in etwas anderes zu verwandeln, bevor sie zu Verzweiflung erstarre. So wird Kunst zur Gegenkraft queerfeindlicher Politik.

„Die Zukunft ist nichts Abstraktes, das auf uns wartet, sondern etwas, das wir bereits im Kleinen verwirklichen können.“

Genau deshalb sind Aloks Shows eng mit der Vorstellung einer gerechteren Zukunft verbunden: „Die Zukunft ist nichts Abstraktes, das auf uns wartet, sondern etwas, das wir bereits im Kleinen verwirklichen können. In der Art, wie wir zusammenkommen und füreinander sorgen. Die Performances werden so zu Momenten des Wiedererkennens, von Verbindung, Lachen, Zärtlichkeit und Widerspruch.”

SIEGESSÄULE präsentiert Alok
30.05., 20:00
Urania Berlin – Humboldt-Saal
urania.de
Instagram: @alokvmenon

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