von Regisseur Bastian Kraft

Neuinszenierung „Die Physiker“: Krimi mit Cross-Gender-Besetzung

22. Apr. 2026 Ilo Toerkell
Bild: Eike Walkenhorst
Die drei Physiker (Anja Schneider, Mareike Beykirch und Carmen Steine)

„Die Physiker: Eine Komödie in zwei Akten“ feiert am 24. April seine Premiere am Deutschen Theater. Die Neuinszenierung von Regisseur Bastian Kraft hinterfragt Wissen und Verantwortung in Zeiten von KI, verpackt in einem gender-crossing Krimi

Am Deutschen Theater inszeniert der Regisseur Bastian Kraft den Klassiker „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt neu. „Die Physiker: Eine Komödie in zwei Akten“ ist in aktualisierter Bühnenfassung ein grotesker Krimi, der mit Tragikomik aufzeigt, wie das Thema des Originals aus 1961 heute noch relevant ist. Dürrenmatt schrieb das Stück während des Kalten Kriegs. Darin findet der Physiker Möbius, bei Kraft besetzt mit Anja Schneider, die Weltformel, die in den falschen Händen zum Untergang der Menschheit führen könnte. Die Formel ist ein Symbol für wissenschaftliche Erkenntnisse, die außer Kontrolle geraten. Im Kontext der 60er-Jahre bezog sich das auf die Entwicklung atomarer Energie und die Bedrohung des Kalten Krieges.

Sind wir der Verantwortung von Wissen gewachsen?

Um seine wissenschaftliche Erkenntnis der Weltformel vor Missbrauch zu schützen, entscheidet sich der Physiker Möbius sowohl bei Dürrenmatt als auch in Krafts Interpretation für inszenierten Wahnsinn und den Rückzug in ein Sanatorium. In diesem von Doktor Mathilde von Zahnd (Ulrich Matthes) geleiteten Sanatorium aber kommt es zu Morden an Krankenschwestern (Alexej Lochmann und Caner Sunar) und bald stellt sich heraus, dass alles anders als erwartet ist.

Bild: Florian Hetz
Regisseur Bastian Kraft inszenierte bereits diverse Romanklassiker neu
„Die Handlung nimmt immer wieder überraschende Wendungen. Die große Frage ist: Was ist unsere Verantwortung im Umgang mit Fortschritt?“

„Die Handlung nimmt immer wieder überraschende Wendungen. Die große Frage ist: Was ist unsere Verantwortung im Umgang mit Fortschritt?“, sagt Bastian Kraft über das Stück. Aktuell stellt er sich diese Frage besonders in Hinsicht auf Künstliche Intelligenz. „Wie können wir die Chancen dieser Entwicklung nutzen, gleichzeitig aber sicherstellen, dass sie nicht zur Gefahr für die Menschheit wird? Wer trägt hier die Verantwortung? Die Forschenden, diejenigen, die Politik machen oder wir alle als Zivilgesellschaft?“

Diese komplexen Themen verarbeitet Bastian Kraft in einem fesselnden Wirtschafts-Thriller, der mit unerwarteten Wendungen zum Perspektivwechsel anregt. „Wir sind es gewohnt, die Fähigkeiten des Menschen zu Erkenntnis und Fortschritt immer als positiv zu bewerten,“ so Bastian Kraft. „Das Stück konfrontiert uns mit Zweifeln: Sollten wir wirklich danach streben, immer mehr zu wissen, zu können, zu erklären? Oder ist es womöglich manchmal besser, etwas nicht zu wissen, weil wir der Verantwortung nicht gewachsen sind, die dieses Wissen mit sich bringt?“

Cross-Gender Besetzung und Rollenklischees

Eine Antwort auf diese Fragen liefert „Die Physiker“ nicht, dafür viel Stoff zum Nachdenken. Bastian Kraft, der bereits diverse Romanklassiker wie etwa Thomas Manns „Buddenbrooks“ (2017) und Dostojewskis „Schuld und Sühne (2016) neu inszeniert hat, spielt in seinen Bühnenwerken bewusst mit Geschlechterrollen. So besetzt er in „Die Physiker“ etwa die Stimmen der Vernunft als weiblich statt männlich, anders als das Original aus den 60er-Jahren. „Wir erzeugen hier durch Cross-Gender Besetzung lustvolle Irritationen und gehen dabei sehr spielerisch mit den Rollenklischees um“, sagt Bastian Kraft über diese Entscheidung.

Die Physiker: Eine Komödie in zwei Akten
24.04., 19:30 (Premiere)
27.04.+18.+19.+28.+31.05., 19:30
04.05., 20:00
Regie: Bastian Kraft
Mit Ulrich Matthes, Alexej Lochmann, Caner Sunar u. a.
Deutsches Theater
deutschestheater.de

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