Fußball-WM der Männer in Katar

Protestaktion: Discover Football gibt FIFA Diversity Award zurück

2. Dez. 2022 jano
Bild: Discover Football e.V.
Das Discover Football-Team im August 2022

Die FIFA tritt Diversity mit Füßen – so die Kritik des Berliner Vereins Discover Football. Aus Protest gibt der Verein nun seinen FIFA Diversity Award inklusive Preisgeld zurück

Der gemeinnützige Verein Discover Football, der sich weltweit für Gleichberechtigung, Frauenrechte und weibliches Empowerment durch Fußball einsetzt, gibt seine 2017 erhaltene Auszeichnung beim FIFA Diversity Award zurück. Dies gab die Organistation am 1. Dezember in einer Pressemitteilung bekannt. Discover Football hatte bei der Preisverleihung im Jahr 2017 den 3. Platz belegt und dafür ein Preisgeld von 10.000 US Dollar erhalten. Diesen Betrag will Discover Football nun zu gleichen Teilen an zehn Frauen* und Initiativen aus der WANA-Region (Westasien und Nordafrika), die sich für Frauen*fußball und Menschenrechte einsetzen, weitergeben.

Als Begründung für diesen Beschluss gab Discover Football vor dem Hintergrund der Männerfußball-WM in Katar an, nicht mehr „für eine reine Symbolpolitik der FIFA herhalten“ zu wollen. Der Verein empfinde es als absurd, „dass die FIFA einerseits seit Jahren Diversity-Awards verleiht, andererseits jedoch Werte, die für uns für Diversity stehen, mit Füßen tritt.“

„Das katarische Nationalteam der Frauen* wurde lediglich für die Bewerbung Katars im Jahr 2010 gegründet und spätestens ab 2014 nicht weiter gefördert“

Seit 2008 gehört die Förderung von Frauen*fußball zu den FIFA-Auflagen, die ein Land bei der Bewerbung um die Austragung der Männer-WM erfüllen muss. Discover Football kritisierte im Hinblick auf Katar, dass diese Auflagen zwar 2010 seitens des diesjährigen Gastgeberlandes erfüllt, jedoch nie auf ihre Nachhaltigkeit überprüft worden seien. „Das katarische Nationalteam der Frauen* wurde lediglich für die Bewerbung Katars im Jahr 2010 gegründet und spätestens ab 2014 nicht weiter gefördert“, heißt es in der Pressemitteilung. 

Zentrale Kritikpunkte

Weitere zentrale Kritikpunkte von Discover Football sind die Menschenrechtsverletzungen im Kontext der WM und die mehr als mangelhafte Klimabilanz des Turniers. Dabei betonte die Organisation allerdings, dass die katastrophale Lage der Arbeitsmigrant*innen – auf den Baustellen für die Fußball-WM mussten Arbeitsmigrant*innen unter menschenunwürdigen Bedingungen schuften und kamen zum Teil zu Tode – aus ihrer Sicht nicht allein in der Verantwortung des Gastgeberlandes liege. Sie liege ebenso im „sogenannten Westen“ und in den „Golfstaaten“. Auch Deutschland profitiere von schlechten Arbeitsbedingungen und niedrigem Lohnniveau in den Ländern des Globalen Südens. „Im medialen Diskurs ist die Tendenz zu beobachten, durch einen Fokus auf Katar als Gastgeberland die grundlegenden und systemischen Probleme an Events wie der FIFA-Männer-WM 2022 zu verwässern“, heißt es in der Pressemitteilung. „Eine Kritik, die sich solidarisch mit den Menschen vor Ort zeigen will, setzt für uns die eben genannten Kontextualisierungen und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der eigenen Verstrickung in diese Kontexte aufbauend auf Kolonialgeschichten voraus.“

Abschließend verband Discover Football die Rückgabe des FIFA-Diversity-Awards mit der Forderung nach einer „Unterstützung von Auseinandersetzungen zu Alternativen zum konsumgetriebenen und tödlichen Männer-Fußball-Business.“

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