Demo am 05. September

Solidarität mit LGBTI* in Polen: Erster Frankfurt-Słubice-Pride

31. Aug. 2020 Amanda Beser
Bild: Instytut równości, Słubice-Frankfurt-Pride
Ein Teil des Pride Orga-Teams mit Regenbogenflagge

Am 05.09. findet zum ersten Mal ein gemeinsamer Pride der Nachbarstädte Frankfurt (Oder) in Brandenburg und dem polnischen Słubice statt. Die Demo soll durch beide Städte ziehen und ein lautstarkes Zeichen für die Rechte von Queers in Deutschland und in Polen setzen

Zwei Städte, eine Idee: das an der polnischen Grenze liegende Frankfurt an der Oder und das polnische Słubice wollen am 05. September den ersten Frankfurt-Słubice-Pride veranstalten. Nicht nur symbolisch sollen dabei Brücken geschlagen und Landesgrenzen überquert werden: „Liebe ohne Grenzen“ – so das Motto des Doppel-CSD – ist auch Programm.

Demo-Route

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war das heutige Słubice ein Stadtteil von Frankfurt (Oder). Nach 1945 wurde die Stadt dem polnischen Staatsgebiet zugeordnet und erhielt den Namen Słubice. Der am ersten Samstag im September stattfindende gemeinsame Pride wird nun die Doppelstadt-Lage ausnutzen: Die Demo startet um 14:00 auf dem Plac Bohaterów in Słubice und führt von dort aus, mit vorraussichtlich Zwischenstopps auf der Stadtbrücke und an der Heilbronner Straße, bis zur abschließenden Kundgebung am Frankfurter Holzmarkt.

Ab 16:30 ist, laut Presseaussendung vom 28.08., noch eine Abschlussveranstaltung auf dem Brückenplatz in der Carl-Philip-Emanuel-Bach-Straße mit Infoständen und Musik geplant.

Abstandsregeln und Treffpunkte

Es gelten Abstandsregeln und Maskenpflicht. Der Teil der Demo, der in Słubice stattfindet, wird wegen der Corona-Bestimmungen in Polen außerdem voraussichtlich auf 150 Teilnehmende begrenzt sein, sagt Ronja Zimmermann vom Orga-Team. Sie empfiehlt, sich am Tag des Pride nochmal auf der Facebook-Seite über die aktuelle Lage zu informieren.

Für alle, die unsicher sind, und für Anreisende mit dem Zug gibt es außerdem einen Treffpunkt, von dem aus gemeinsam zum Startpunkt der Demo gegangen werden kann: um 13:00 am Hauptbahnhof in Frankfurt.

Auch für eine gemeinsame Anreise mit dem Zug von Berlin oder von Potsdam aus wurden bereits Treffpunkte organisiert.

Forderungen des Pride

Das Orga-Team setzt sich aus rund 20 engagierten Einzelpersonen aus Frankfurt, Słubice und der näheren Umgebung zusammen. Während der Demo werden queere Akteur*innen aus beiden Städten sowie aus den jeweils umliegenden Regionen Brandenburgs und der Woiwodschaft Lubuskie ihre politischen Forderungen auf die Straße tragen.

„Die Słubicer*innen und Frankfurter*innen sollen sehen: Leute wie uns gibt es nicht nur in Berlin und Warschau, sondern auch in der Provinz,“ heißt es in der Presseaussendung zum Pride. „Auf beiden Seiten der Oder werden unterschiedlich stark Ängste vor uns geschürt. Aber die Annahmen, auf denen diese Ängste beruhen, entsprechen nicht der Realität. Wir wollen niemanden bekehren, wir wollen nur Respekt einfordern und unsere Anliegen vorbringen.“

„Weitaus politischer als vielleicht der CSD in Berlin“

In beiden Städten gebe es noch kaum queere Infrastruktur, erklärt Ronja Zimmermann. Eine der Forderungen des Pride wird daher ein größeres Angebot für LGBTI* sein, wie z. B. eine deutsch-polnische Beratungsstelle. „Wir wünchen uns in der Doppelstadt mehr Orte, an denen wir mitgedacht werden.“

Einen zweiten thematischen Schwerpunkt bildet die Solidarisierung mit der queeren Community Polens. Angeheizt von Regierung und Kirche hat die LGBTI*-Feindlichkeit in Polen in den letzten Jahren weiter zugenommen. Zahlreiche Gemeinden, Städte und Landkreise labeln sich selbst als „LGBT-Ideologie-freie Zonen“, während die rechtskonservative Regierungspartei PiS LGBTI*-feindliche Kampagnen betreibt.

Zum Pride eingeladen wurden sowohl der Frankfurter Oberbürgermeister René Wilke als auch der Bürgermeister von Słubice, Mariusz Olejniczak. Ersterer hat zugesagt, Letzterer nicht – offiziell wegen eines anderen Termins. In einem öffentlichen Statement äußerte er aber durchaus Verständnis für die Anliegen des Pride: „Ich verstehe die Aggression nicht, mit der Menschen aus der LGBT-Community konfrontiert sind. Wer durch diese Art von Marsch auf die Probleme der LGBT-Gemeinschaft aufmerksam machen möchte, hat das Recht dazu.“

Auch wenn Słubice von der politischen Einstellung her nicht mit dem Osten Polens zu vergleichen sei, müsse die Situation im ganzen Land aber mitgedacht werden, berichtet Ronja. „Zum Beispiel schließen wir Gegendemonstrationen nicht aus. Deswegen sind wir bemüht, ein gutes Awareness-Team aufzustellen, damit sich alle sicher fühlen können.“ Die Info, dass der Pride stattfindet, wurde aus Sicherheitsgründen auch erst relativ spät verbreitet. Damit wollte man vermeiden, dass rechte Gruppierungen Gegenaktionen auf der Pride-Route anmelden.

Insgesamt werde, wie Ronja findet, der Frankfurt-Słubice-Pride „weitaus politischer sein als vielleicht der CSD in Berlin“.

Frankfurt-Słubice-Pride, 05.09.
Start: 14:00, Plac Bohaterów/Słubice

Facebook

Instagram: @slubice.frankfurt.PRIDE

pride.frankfurt.slubice@gmail.com

Gemeinsame Anreise von Berlin

Gemeinsame Anreise von Potsdam

Hinweis der SIEGESSÄULE Redaktion in eigener Sache:
Unsere Spendenkampagne bei Startnext.com ( hier fand auch die Kunstaktion 2020 Solidarity statt) endete am 20. Mai. Die Corona-Krise ist für uns aber noch nicht vorbei. Deshalb freuen wir uns weiterhin über einmalige oder monatliche Unterstützung direkt auf unser Konto oder über Paypal!

JETZT MIT PAYPAL SPENDEN!

Überweisung auf unser Konto Special Media SDL GmbH, Betreff „Support SIEGESSÄULE”, unter der IBAN Nummer:

DE22 1005 0000 0190 0947 29

Vielen Dank!

#LGBTI*-Feindlichkeit#Brandenburg#CSD2020#Solidarität#Polen#Pride#CSD#Slubice#FrankfurtOder