Nightlife

Techno bedeutet Freiheit – Veselka, das erste ukrainische LGBTIQ*-Kollektiv wieder in Berlin

13. Mai 2024 Yara Weiss
Bild: Oktavian Adhiek Putra
Vani Vachi vom Partykollektiv Veselka

Vor dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022, gab es vor allem in Kyiv eine pulsierende Techno-Szene, die DJs und Fans elektronischer Musik aus aller Welt anzog. Veselka, das erste ukrainische LGBTIQ*-Partykollektiv, belebt die vom Krieg zerrissene Clubkultur neu in ganz Europa und darüber hinaus – und kreiert Partys, die für Hoffnung, Frieden und queere Freiräume stehen. Am 17. Mai steigt im Berliner Club RSO ihr Rave „Veselka X Dissident“

Das queere Kollektiv Veselka vereint mit ihren Partys kreative Performances und Experimentierfreude. Sie spielen harten Techno mit Augenzwinkern und Trance-Einflüssen und bringen die Mentalität einer jungen ukrainischen Szene nach Berlin. Gründer Stas Tweeman und langjährige Residentin Anita aka Vani Vachi erzählen im Interview für SIEGESSÄULE von den Anfängen ihrer Partyreihe 2018 in Kyiv und dem Rave-Boom vor Kriegsbeginn. Jetzt möchte das Kollektiv in ganz Europa und in der ukrainischen Diaspora mit ihren Partys Freiräume schaffen, insbesondere für geflüchtete Menschen.

Deshalb organisieren sie queere Partys in unterschiedlichen kosmopolitischen Städten und kommen immer wieder nach Berlin. Am 17.05. steigt im Club RSO ihr Rave „Veselka X Dissident“ mit Performances und einem ausgesprochen internationalen Line-up, darunter Audrey Danza, Kasper Marrot, Newa, SITA u. a. Im Rahmen ihrer RSO-Residency sind noch drei weitere Veranstaltungen für 2024 in Berlin geplant. Außerdem sind Veselka auch beim diesjährigen Whole Festival dabei, dem größten queeren Musikfestival Europas.

Mit ihren Veranstaltungen sammeln sie Spenden für ukrainische Organisationen wie Ukraine Pride und LGBTIQ+ Military. Event für Event möchten sie die Raver*innen daran erinnern, dass der Krieg in der Ukraine nicht vorbei ist. Dabei bauen sie eine Welt, in der alle Menschen einfach sein können wie sie sind. Partys in Zeiten von Krieg und Zerstörung sind für Veselka nicht nur wichtig, sondern auch notwendig: Eskapismus kann Menschen in schwierigen Zeiten zusammenbringen.

2018 hat Tweeman als Schlüsselfigur der ukrainischen Szene Veselka und damit das „vielleicht erste“ queere ukrainische Kollektiv gegründet. Während dieser Zeit ist die Rave-Szene in der Ukraine explodiert und von da an entwickelte sich „alles total organisch.“ Veselka, das sind unter anderem S.A. Tweeman, Vani Vachi, Ruslan Mays und Nastya Muravyova. Das Kollektiv arbeitet aber mit noch zahlreichen weiteren DJs, Künstler*innen und Performer*innen zusammen. „Wir hatten keine Open Calls oder haben niemanden explizit gefragt, Teil des Kollektivs zu werden,“ so Tweemann. Veselka ist entstanden, weil sich gleichgesinnte, kreative Köpfe auf Partys getroffen und Ideen ausgetauscht haben – und dann „einfach zusammen geblieben“ sind.

„Ich liebe es, wenn Partys theatralische Elemente haben,“ sagt DJ und Producer Vani Vachi und lächelt. „Als ich nach Berlin gekommen bin, habe ich realisiert, dass in Kyiv alles einen artsy DIY-Approach hatte.“ In Berlin nimmt sie Techno hingegen als sehr ernst wahr: „Es kommt ein bisschen so rüber als würden die Leute hier in Banken arbeiten und diese Attitüde mit in den Club nehmen. Es gibt kaum Kunst oder Dekorationen, nur ein rotes Licht und wir müssen uns im schwarzen T-Shirt hinter den Decks verstecken.“ Die Beschreibung erinnert an manche Nächte im Berghain. Solche Partys hätten auch ihren Platz, findet Vani Vachi, aber Veselka sei eben experimenteller: Es geht darum, frei zu sein und sich ausdrücken zu können.

Kein Regenbogen ohne gelb und blau

„Queere Menschen kommen zu unseren Partys, um ihre Queerness auszudrücken und heterosexuelle Menschen kommen zu unseren Partys, um ihre Queerness auszudrücken,“ fasst Vani Vachi zusammen. Was sie damit meint? Techno bedeutet Freiheit – auch sexuelle Freiheit. Deshalb tragen Raves dazu bei, dass heterosexuelle Besucher*innen ihre Heteronormativität hinterfragen. „Menschen brauchen Orte, an denen sie sich miteinander verbunden fühlen,“ betont sie. Im Angesicht des Krieges sei das wichtiger denn.

„Die Partys von Veselka stehen für Hoffnung einer jungen Generation auf eine friedliche Welt.“

Auch Soldat*innen sind zu den Partys gekommen, die Tweemann und Vani Vachi in der Ukraine veranstaltet haben. „Wenn wir an Soldat*innen denken, haben wir oft ein Bild im Kopf, dass der ukrainischen Realität nicht entspricht,“ meint Vani Vachi. „Einige Soldat*innen sind so alt wie wir, chillen in Clubs und kommen zu unseren Partys. Sie möchten nicht von der Front in die Stadt zurückkommen, die sie verteidigen, um sich dort wie an der Front zu fühlen.“ Die Raves von Veselka waren daher auch Räume für Soldat*innen, in denen sie zumindest für eine Nacht an den Frieden und die Zukunft denken konnten.

Um queere Soldat*innen weiterhin zu unterstützen, sammelt Veselka auch Spenden für Organisationen wie LGBTIQ+ Military. Tweeman hofft, dass die Akzeptanz für die queere Community in der Ukraine weiter zunehmen wird. „There's no Rainbow without Yellow and Blue“ ist passenderweise ein wiederkehrendes Motto von Veselka.

Neben den vier Veranstaltungen in Berlin sind dieses Jahr auch Events in Prag, München und sogar in New York geplant. Veselkas Partys sind viel mehr als lustige Clubnächte. Sie stehen für Freiheit, Solidarität, Community und die Hoffnung einer jungen Generation auf eine friedliche Welt.

Veselka X Dissident
Line-up: Audrey Danza, Kasper Marrot, Newa, SITA u. a.
Freitag, 17.05.2024, 23:00
Club RSO
rso.berlin

Whole Festival
Ferropolis/Gräfenhainichen
2. bis 5. August 2024
wholefestival.com

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