Kommentar

Transfeindlichkeit in der „Emma“: Sturm im Wasserglas

25. Jan. 2022 Andreas Scholz
Bild: Manfred Werner (Tsui) CC BY-SA 3.0 Quelle
Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer

Die Zeitschrift Emma hat sich zunehmend darauf eingeschossen, gegen trans Rechte und trans* Personen Stimmung zu machen. Damit schadet sie, natürlich, den Betroffenen. Doch vor allem zerstört sie sich selbst, findet SIEGESSÄULE-Redakteur Andreas Scholz

Die Emma hat es also schon wieder getan – und mit der Publikation transfeindlicher Positionen Stimmung gemacht. Die Zeitschrift hat offenbar ein Thema gefunden, das sich gut zur Polarisierung eignet und Aufmerksamkeit generiert. So werden die einen abermals in ihrer Meinung bekräftigt, dass die Emma ein erzreaktionäres Blatt ist, während die anderen sie als eine gefühlte Bastion gegen den „Genderwahn“ im modernen Feminismus feiern.

In einem letzte Woche veröffentlichten Artikel der Zeitschrift wird die Tatsache, dass mit Tessa Ganserer und Nyke Slawik (Grüne) zum ersten Mal zwei trans Frauen im Bundestag sitzen, benutzt, um die in den letzten Jahren kontinuierlich befeuerten transfeindlichen Narrative erneut aufzuwärmen. Tessa Ganserer wird in dem Artikel als Person beschrieben, die „physisch und rechtlich ein Mann“ sei, verbunden mit dem Vorwurf, dass sie für die Grünen im Bundestag unrechtmäßig auf einem Frauenquotenplatz sitze. Dagegen rege sich laut Emma breiter Widerstand von feministischer Seite. Gemeint ist allerdings lediglich eine kleine Initiative namens „Geschlecht zählt“, die in Ganserers Kandidatur einen „Missbrauch der Frauenquote“ sieht.

Menschenverachtende Profilierung

Der Zeitpunkt für die Veröffentlichung ist günstig – erscheint doch im März der von Emma-Herausgeberin Alice Schwarzer und Emma-Redakteurin Chantal Louis herausgegebene Band „Transsexualität: Was ist eine Frau? Was ist ein Mann? – Eine Streitschrift“. Diese „Streitschrift“, deren Inhalte wohl wenig überraschen dürften, wird in dem Artikel schon mal beworben.

Wieder einmal werden hier trans Frauen ihre weibliche Identität und ihr Recht, ihr Geschlecht selbst bestimmen zu können, abgesprochen. Dabei setzt man auf den Applaus jener, die trans Frauen als „verkleidete Männer“ diffamieren und ihnen pauschal vorwerfen, sie würden Frauenräume besetzen und bedrohen. Damit betreibt die Emma eine menschenverachtende Profilierung auf dem Rücken von trans* Personen. Problematisch ist das natürlich zuerst für die Betroffenen selbst: für die im Artikel beschriebene Politikerin Tessa Ganserer oder auch für Nyke Slawik. Sie sind als Politikerinnen und Personen des öffentlichen Lebens immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.

Ein Kampf gegen Windmühlen

Angriffe auf trans Frauen kommen regelmäßig nicht nur von Parteien wie der AfD oder von Medien wie der Emma, sondern auch aus der queeren Community. Das hatte unter anderem die Debatte um transfeindliche Positionen beim letztjährigen Lesbenfrühlingstreffen gezeigt. Selbst bekannte Namen aus der Szene hatten Respekt für Meinungen eingefordert, die trans Personen ihre Identität absprechen. Es schien, als würde die Community bei diesem Thema noch ganz am Anfang stehen.

Diese Bilanz mag niederschmetternd sein, aber sie ist nur die halbe Wahrheit. Aus politischer Sicht sind diese Positionen im Moment kaum mehrheitsfähig. Die aktuelle Bundesregierung hat den wohl bisher queerfreundlichsten Koalitionsvertrag vorgelegt. Die längst überfällige Umsetzung eines Selbstbestimmungsgesetzes für trans Personen ist darin ein zentrales Anliegen. Würde dieses Versprechen der Ampel-Koalition nicht eingehalten, wäre das nicht nur eine Katastrophe für trans* Personen, sondern auch ein enormer Gesichtverlust und eine massive Selbstschädigung für die an der Regierung beteiligten Parteien.

Was Emma da an transfeindlicher Hetze veranstaltet, mag verstörend sein, Spaltungen und Gräben vertiefen und Menschen auf widerliche Weise demütigen. Aber es bleibt ein Kampf gegen Windmühlen. Die Emma mag sich noch so in Stellung bringen, ein Selbstbestimmungsgesetz wird sie nicht verhindern können. Anstatt die Entwicklung hin zu einer transfreundlicheren Politik aufzuhalten, führt ihre diffamierende Kampagne der Zivilgesellschaft die Notwendigkeit einer anderen Politik nur umso mehr vor Augen... und auch die Notwendigkeit, für trans* Personen einzustehen.

Lob von rechts

Die Emma mag kurzfristig einige Leute hinter sich versammeln und im Netz einen Sturm im Wasserglas veranstalten. Eine flächendeckende, wirklich einflussreiche Unterstützung wird ihre Position nicht erhalten. Vielmehr schadet sie sich selbst, wenn sie sich als eine Art Querdenkerfront inszeniert. Zumal das Magazin ebenfalls mit Verschwörungstheorien arbeitet, in der Vergangenheit zum Beispiel bereits vor einem „Transtrend“ bzw. „Transwahn“ warnte und irgendeine „Transpropaganda“ heraufbeschwor.

Das wirkt plump, polemisch, realitätsfern und unseriös – wer abseits geifernder Wutbürger*innen ernstgenommen werden will, wird sich kaum auf die Emma als Referenz berufen können. Das Image der Zeitschrift ist bereits ruiniert – und jedes Lob, dass die Emma für ihre Berichterstattung seitens der AfD oder anderer rechtsradikaler Kräfte bekommt, lässt den Trümmerhaufen nur noch anwachsen. Auch wenn die Schäden, die Emma anrichtet, bitter sein mögen – die einst bedeutende feministische Stimme zerstört sich vor allem selbst.

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