Kino

„Uns gehört die Welt“: Queerfilmfestival 2020

27. Aug. 2020 Axel Schock
Bild: Salzgeber
Aus der New Yorker Komödie „Adam“ vom „Transparent“-Regisseur Rhys Ernst

Das Queerfilmfestival findet dieses Jahr ganz klassisch im Kino, aber auch online statt – und präsentiert vom 02.-06.09. Brandneues und Wiederentdecktes

Selbst wenn Corona-bedingt mancher Sitzplatz im Saal freibleiben muss und Tickets nur online gebucht werden können – dass das Queerfilmfestival, trotz allem, auch als Liveevent stattfinden wird, ist ein gutes und wichtiges Zeichen.

Im Hauptprogramm werden ab dem 2. 9. zwölf queere Filme parallel in zwölf Städten exklusiv im Kino gezeigt – in Berlin im Delphi Lux Kino. Darüber hinaus werden sechs weitere Filme sowie ein in Zusammenarbeit mit dem Xposed International Queer Film Festival kuratiertes Kurzfilmprogramm online abrufbar sein.

Das Programm im Überblick

Eröffnet wird mit Faraz Shariats „Futur drei“. Dessen Hauptfigur Banafshe hat auch das Festivalmotto – „Uns gehört die Welt!“ – geliefert. „Wir verbinden damit Lebenslust, Lebenshunger und einen hohen Anspruch an unser Selbstverständnis und unsere Selbstverantwortung“, erklärt das Team des vom Salzgeber Filmverleih veranstalteten Festivals und formuliert die Leitlinien des diesjährigen Programms entsprechend ermutigend und optimistisch: „Nichts ist perfekt, vieles bleibt zu tun, aber es liegt an uns, neugierig und offen zu sein und unsere Welt zu gestalten.“

Das Hautprogramm – fast ausschließlich deutsche Erstaufführungen, darunter viele Highlights der Berlinale und der Festivals von Sundance, Venedig und Cannes – ermöglicht gleichermaßen eine Zeit- wie Weltreise. Das russische Drama „Die Bohnenstange“ erzählt von einer ungewöhnlichen Beziehung zweier Soldatinnen während der Belagerung Leningrads 1945, „Moffie“ von einer schwulen Liebe unter Soldaten im Südafrika zur Zeit der Apartheid. Sebastián Muñozs mit dem „Queer Lion Award“ der Filmfestspiele Venedig ausgezeichneten Spielfilmdebüt „Der Prinz“ wiederum handelt von Sex und Gewalt in einem chilenischen Gefängnis kurz vor dem Amtsantritt Salvador Allendes.

Zwei weitere Produktionen lenken den Blick wieder auf die Gegenwart und nähern sich räumlich Berlin. Therese Koppe proträtiert ihrer Dokumentation „Im Stillen laut“ das betagte Künstlerinnenpaar Erika Stürmer-Alex und Christine Müller-Stosch auf ihrem Hof in Lietzen im Märkisch-Oderland, das aufgrund seiner unkonventionellen Lebensweise und Kunst zu DDR-Zeiten für die Stasi äußerst verdächtig waren. In der uckermärkischen Provinz wiederum sieht sich ein junger queerer Mann zerrissen zwischen der Sehnsucht nach einem freien Leben in Berlin und seinen familiären Verpflichtungen im Dorf. Johannes M. Schmit wurde für sein leises Spielfilmdebüt „Neubau“ mit Tucké Royal in der Hauptrolle beim Filmfest Saarbrücken mit dem Max Ophüls Preis ausgezeichnet.

Die Heimatstadt zu verlassen, um an einem neuen Ort zu sich selbst zu finden: darum geht es immer wieder auch im Festivalschwerpunkt mit Filmen aus und über New York. Eine Stadt, die – wie das Festivalteam gegenüber SIEGESSÄULE erklärt, „schon immer Fluchtpunkt für queere Sehnsüchte, Befreiungen und Selbstfindungen war und vielleicht noch immer ist.“ In der Queerfilmfestival-Retrospektive wolle man daher 35 Jahre New Yorker Filmgeschichte mit zwölf queeren Filmen feiern. So spielen allein drei Filme des Hauptprogramms zwischen Brooklyn und Manhattan: die Transgender-Komödie „Adam“, das Coming-of-Age Drama „Minjan“ über einen Teenager aus einer jüdisch-russischen Einwandererfamilie und die in der Ballroom-Szene angesiedelte Liebesgeschichte „Port Authority“.

Im Netz mitdiskutieren

Auch wenn das Festivalprogramm so abwechslungsreich und spannend zu werden verspricht wie in den Vorjahren: persönliche Einführungen in die Filme und Gespräche mit den Filmschaffenden in den Kinos wird es diesmal nicht geben können. Als neuen Ort für den Austausch und vertiefenden Diskurs über die Filme hat sich das Festivalteam deshalb einen neuen Ort ausgedacht: die „Wolke“ auf der Queerfilm-Internetseite. Dort werden über die Festivalzeit hinweg immer wieder neue zusätzliche Inhalte bereitgestellt werden, u. a. Videobotschaften, Interviews und Panels mit Regisseur*innen.

queerfilmfestival, 02.-06.09.

online und in Berlin im Kino Delphi Lux

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