Prostituiertenschutzgesetz, Nordisches Modell und Arbeitsbedingungen

Zum Internationalen Hurentag: Im Gespräch mit einer sexarbeitenden Person

2. Juni 2026 Selina Hellfritsch
Bild: Privat
Alex Fae bietet u.a. Sexualassistenz und BDSM-Coaching an

Am 2. Juni ist Welthurentag. Warum geplante Sexkaufverbote die Falschen treffen und wie wichtig Sexualassistenz insbesondere für marginalisierte Menschen sein kann, erklärt Alex Fae im Gespräch mit SIEGESSÄULE-Redakteurin Selina Hellfritsch

Anlässlich des Welthurentags, der sich gegen ausbeuterische Lebens- und Arbeitsbedingungen von Sexarbeiter*innen und für mehr Selbstbestimmung und Akzeptanz einsetzt, veranstaltet der Berufsverband für Sexarbeit (BeSD e. V.) eine ganze Aktionswoche, die Sexarbeit sichtbar und verstehbar machen soll. Denn „die Diskussionen um Regelungen zum Thema Prostitution werden oft einseitig oder emotional geführt“, schreibt der Verein. Besonders seit die Bundestagspräsidentin Julia Klöckner Deutschland als „Puff Europas“ bezeichnete und sich für das „Nordische Modell“ stark macht, ist das Thema wieder heiß diskutiert.

Ein Beispiel, das sich in diesen Diskurs einordnet, ist die politische ZDF Satire-Sendung „Die Anstalt“, die erst kürzlich einen Beitrag zum Thema veröffentlichte. Dabei wurde kaum zwischen Sexarbeit und Zwangsprostitution differenziert. Alex Fae, Teil des BeSD e. V. und in der Sexarbeit tätig, ist sauer: „Gegner*innen argumentieren oft, dass es keine selbstbestimmte Sexarbeit gebe. Das ist Quatsch, denn es ist ein riesiges Feld.“ Alex Fae bietet seit einigen Jahren Sexualberatung, klassische Dominanz, Fetischmedizin, sexuelle Bildung für Erwachsene und Sexualassistenz an. „Ich merke, dass es durch die Art und Weise, wie aktuell die Debatte geführt wird, Sexarbeitende wieder mehr diskriminiert werden“, so Alex Fae gegenüber SIEGESSÄULE.

Realitätscheck Prostituiertenschutzgesetz

Seit 2002 ist Sexarbeit in Deutschland legal, solange sie freiwillig und von Volljährigen ausgeübt wird. Vor gut zehn Jahren ergänzte das Prostituiertenschutzgesetz die Regelungen, um die rechtliche und soziale Situation von Sexarbeiter*innen zu verbessern. „Das Gesetz hatte gute Ansätze, aber bis jetzt wurde vergessen einen Realitätscheck mit denen zu machen, die es wirklich betrifft“, sagt Alex Fae. Im letzten Jahr wurde ein Evaluationsbericht vorgelegt, der mitunter 2.300 Sexarbeitende befragte und weitere Handlungsempfehlungen gibt.

Julia Klöckner und die CDU wiederum sehen das Gesetz als gescheitert und wollen das „Nordische Modell“ einführen, das den Sexkauf kriminalisiert, aber nicht Sexarbeiter*innen. Berufsverbände, Arbeitende in dem Bereich und Aktivist*innen sind sich aber einig, dass das Modell die Situation für viele nur verschlimmern würde. „Sexarbeit wird weiterhin stattfinden, nur mit weniger Sicherheit, mehr Kriminalität, Gesundheitsrisiken und weniger Möglichkeiten, sich auszutauschen“, so Alex Fae.

„Nur eine sexuell gebildete Gesellschaft hat die Chance, auch eine sichere Gesellschaft zu sein.“

Deshalb setzten sich Sexarbeitende seit Jahrzehnten für Aufklärung und Entstigmatisierung ein. „Nur eine sexuell gebildete Gesellschaft hat die Chance, auch eine sichere Gesellschaft zu sein“, so Alex Fae. Beispielsweise hilft Sexualassistenz Menschen mit Behinderung oder Assistenzbedarf dabei, die eigene Sexualität und Lust auszuleben. „Ich arbeite viel mit Menschen, die Körperbehinderungen haben, chronische Erkrankungen, neurodivers sind oder trans Personen, die gerade erst eine geschlechtsangleichende Operation hatten“, so Alex Fae. Die Bandbreite sei genauso divers wie die Wünsche und sexuellen Fantasien selbst. Eine Person, die im Rollstuhl sitze, erfahre durch Bondage Entspannung – sowohl im Kopf als auch im Körper, der sonst durch Spastiken verkrampft.

Zu oft werde Sexarbeit mit Zwangsprostitution und Menschenhandel gleichgesetzt. Letzteres gelte es natürlich zu bekämpfen, aber nicht auf Kosten von Sexarbeiter*innen.

Arbeitsbereiche wie diese würden auch dem „Nordischen Modell“ zum Opfer fallen und kriminalisiert werden, sollte es durchgesetzt werden. Zu oft werde Sexarbeit mit Zwangsprostitution und Menschenhandel gleichgesetzt, so Alex Fae. Letzteres gelte es natürlich zu bekämpfen, aber nicht auf Kosten von Sexarbeiter*innen, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen würden und anderen Menschen dabei helfen, ihren Körper besser kennenzulernen. „In meinem Arbeitsfeld trifft das Stigma der schmutzigen Sexarbeit auf die Vorurteile, dass Menschen mit Behinderungen oder alte Menschen keinen Sex haben – und das stimmt natürlich nicht“, sagt Alex Fae, „Für mich ist es so schön, Menschen dabei zu unterstützen, sich ihr eigenes, selbstbestimmtes und glückliches Sexleben zu ermöglichen.“

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