Eine der größten queeren Hilfsorganisationen

45. Jubiläum: Die Schwulenberatung blickt auf eine bewegte Geschichte

4. Juni 2026 Klaus Sator
Bild: Schwulenberatung
Geschäftsführer der Schwulenberatung Marcel de Groot

Von der kleinen Kreuzberger Selbsthilfe zur größten queeren Hilfsorganisation Europas: Die Schwulenberatung Berlin blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Inzwischen ist sie unverzichtbare Support-Säule der Community – und schmiedet schon Pläne für die Zukunft

Die Berliner Schwulenberatung feiert ihr 45. Jubiläum und damit fast ein halbes Jahrhundert Care-Arbeit für die queere Community. Was 1981 als Selbsthilfeprojekt von Lesben und Schwulen in Kreuzberg begann – damals noch unter dem Namen „Beratungszentrum homosexueller Frauen und Männer e. V.“ –, avancierte zu einer zentralen Anlaufstelle für Beratung, Unterstützung und Aufklärung. Mit der zunehmenden Professionalisierung folgte 2007 die Umwandlung in eine gemeinnützige Gesellschaft, getragen vom „Psychosozialen Zentrum für Schwule e. V.“ und „kursiv e. V.“

Die Aids-Krise traf die Einrichtung hart: Mehrere Mitarbeitende verstarben, gleichzeitig stieg der Bedarf an Aufklärung und Versorgung.

Die frühen Jahre waren geprägt von gesellschaftlicher Tabuisierung und offener Diskriminierung. Entsprechend groß war der Bedarf an psychosozialer Beratung vor allem für schwule Männer. Die Aids-Krise der 90er-Jahre traf die Einrichtung hart: Mehrere Mitarbeitende verstarben, gleichzeitig stieg der Bedarf an Aufklärung und Versorgung. 1998 eröffnete die Schwulenberatung die bundesweit erste therapeutische Wohngemeinschaft speziell für schwule Männer mit psychischen Beeinträchtigungen – ein Meilenstein mit Signalwirkung weit über Berlin hinaus.

Heute richtet sich die Arbeit der Schwulenberatung an die gesamte queere Community, unabhängig von Identität, Herkunft oder Lebenssituation. Das war nicht immer so: Nach heftigen institutionellen Kontroversen belasteten tiefe Gräben zwischen Schwulen und Lesben lange das Verhältnis. Inzwischen hat sich die Lage weitestgehend entspannt. Geschäftsführer Marcel de Groot beschreibt die Entwicklung im SIEGESSÄULE-Gespräch so: „Unterschiedliche Perspektiven gab es immer. Heute steht das Gemeinsame im Fokus: der Einsatz für Gleichberechtigung und Sichtbarkeit. Das Bewusstsein für Vielfalt und solidarisches Handeln ist gewachsen.“

Herausforderungen werden vielfältiger

Die Nachfrage nach Beratung ist kontinuierlich gestiegen. Rund 26.000 Beratungskontakte verzeichnet die Schwulenberatung inzwischen pro Jahr, etwa 450 Menschen werden langfristig begleitet. „Wir haben uns stark für die Verbesserung der psychosozialen Versorgung aller LGBTIQ* eingesetzt“, sagt de Groot. „Inzwischen sind wir die größte Hilfsorganisation für queere Menschen in Europa.“

„Wir haben uns stark für die Verbesserung der psychosozialen Versorgung aller LGBTIQ* eingesetzt.“

Die Aufgabengebiete sind somit auch vielfältiger geworden: Migration und Flucht, psychische Beeinträchtigungen, Alter und Pflege gehören heute ebenso dazu wie Testberatung zu sexuell übertragbaren Krankheiten (STI) und Drogen, Beratung von queeren Geflüchteten, Housing-First-Angebote für obdachlose queere Menschen, der Betrieb zweier Kitas, therapeutische Wohngemeinschaften für Jugendliche und Erwachsene sowie mehrere Wohnprojekte im Lebensort Vielfalt. Jüngster Erfolg ist die Eröffnung einer Gedenkstätte auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Schöneberg – ein Ort des Erinnerns an queere Lebensgeschichten und ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Vergessen.

Mit den Aufgaben ist auch das Team gewachsen: Über 270 Mitarbeitende aus 36 Nationen arbeiten heute hauptberuflich für die Schwulenberatung, unterstützt von zahlreichen Ehrenamtlichen. Finanziert wird die Arbeit durch das Land Berlin und den Bund, durch Entgelte nach dem Sozialgesetzbuch, Mieteinnahmen und Spenden.

Für die nächsten fünf Jahre hat de Groot klare Vorstellungen: „Wir wollen unsere Rolle als zentrale LGBTIQ*-Organisation weiter stärken, Angebote ausbauen und sichere Räume schaffen.“ Sogar eine Schule, von der ersten bis zur zehnten Klasse, sei in Planung. Erst mal wird aber das 45. Jubiläum gebührend gefeiert. Unter dem Motto „Ein Abend zwischen Rückblick und Zukunft“ gibt es am 5. Juni im Metropol zunächst einen Empfang für geladene Gäste. Ab 21 Uhr steigt dann die gemeinsam mit dem SchwuZ veranstaltete große Party für alle.

45. Jubiläumsfeier der Schwulenberatung
05.06., 21:00
Metropol
schwulenberatungberlin.de

Folge uns auf Instagram

#Community#Geschichte#Hilfsorganisation#Jubiläum#Schwulenberatung

Das Siegessäule Logo
Das Branchenbuch mit Haltung
Queer. Divers. Überzeugend.