Berlin-Trilogie der lesbischen Filmemacherin Ulrike Ottinger
Die Ausstellung „Inventing Queer Cinema“, die derzeit in der Deutschen Kinemathek läuft, ist der perfekte Moment, um die legendäre Ulrike Ottinger wiederzuentdecken. Die lesbische Filmemacherin dreht seit 1972 queere Filme und glänzte zuletzt auf der diesjährigen Berlinale mit „Die Blutgräfin“. Doch es ist die Berlin-Trilogie, die ihren Ruf als transgressive Filmemacherin begründet haben. Glücklicherweise sind alle drei Filme auf Mubi verfügbar –auch mit englischen Untertiteln – also ruhig den internationalen Freund*innen Bescheid geben
Bildnis einer Trinkerin (1979)
Mit Abstand Ottingers bekanntester Film ist „Bildnis einer Trinkerin“ von 1979. Eine gepflegte, elegante Frau kauft ein Einzelticket nach (West-)Berlin – was dem Film seinen wörtlicheren englischen Titel „Ticket of No Return“ verleiht – mit dem einzigen Vorsatz, sich zu Tode zu trinken. Dabei verbündet sich mit einer obdachlosen Frau. Die namenlose elegante Naturgewalt, gespielt von der unvergleichlichen Tabea Blumenschein (die auch ihre Kostüme selbst entwarf), führt die Zuschauer*innen durch das dissolute West-Berlin der späten 1970er-Jahre, von Lokal zu Lokal auf der Suche nach dem nächsten Drink – darunter auch ein unvergesslicher Cameo-Auftritt von Nina Hagen. Der Film missachtet dabei schamlos jegliche Vorstellungen von Weiblichkeit und Trunkenheit.
Freak Orlando (1981)
Der formal kühnste der drei Filme nutzt Berlin als surreale Kulisse für Ottingers traumhaften Blick auf Virginia Woolfs geschlechtswechselnde, zeitlose Figur. Eine Abfolge von Vignetten begleitet die wunderbare Magdalena Montezuma als Orlando, die durch die Epochen wandelt und dabei jede Phase ihres Lebens heraufbeschwört. Orlandos Universum kennt nichts als flatternde Freak-Flaggen – darunter eine Götzen verehrende Truppe auf dem Gelände des Schlosses Charlottenburg. Die Handlung ist zweitrangig in einem Film, der in seiner Phantasmagorie so visuell fesselnd is. Dabei vergisst man fast, dass das Ausgangsmaterial ein englischer Roman ist – gekrönt von einem wunderbar subversiven „Festival der Hässlichen“.
Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse (1984)
Drei Jahre später vollzieht Ottinger den literarischen Schwenk von Woolf zu Oscar Wilde. Die exquisite Delphine Seyrig („Daughters of Darkness“) führt ein rein weiblich besetztes Ensemble als Frau Dr. Mabuse an – Chefin eines Medienkonzerns, zu gleichen Teilen Anna Wintour und Klaus Nomi. In einer beißenden Satire der damaligen Medienlandschaft erschafft Mabuse die öffentliche Figur Dorian Gray, um ihn dann zum Ruin zu führen und Schlagzeilen zu machen. Dorian ist ebenfalls gegendert und wird von Veruschka gespielt, dem ersten deutschen Supermodel. Die Handlung ist vielschichtiger als in Ottingers früheren Filmen der Berlin-Trilogie, doch visuell bleibt sie so exzentrisch wie eh und je und entwirft hyperreale Bilder, die der Zeit und dem Ort entsprechen: West-Berlin der 1980er Jahre.
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