Interview mit Veranstalterin Gigi Spelsberg

Berliner Barabend für Trans, Inter und Non-Binarys: „In Transit"

9. Juni 2022 Muri Darida

Mit „In Transit" in der Möbel Olfe hat Berlin auch einen Barabend, der sich ausdrücklich an trans, inter und nichtbinäre Personen richtet. Realisiert wird das immer freitags stattfindende Event von Schauspielerin und Veranstalterin Gigi Spelsberg. SIEGESSÄULE sprach mit ihr über das Konzept von „In Transit"

Gigi, was war der Auslöser für dich, „In Transit” ins Leben zu rufen? Die Idee war simpel: Ich hatte das Gefühl, dass es hier in Berlin in der Barkultur keine richtig präsente trans Community gibt. Deshalb ist der Freitagabend in der Möbel Olfe Personen gewidmet, die trans, intergeschlechtlich geboren oder nicht-binär sind. „In Transit” steht für connecten, aber auch Bewegung, wie der Transit am Flughafen. Es soll eine Plattform für trans, inter und nicht-binäre Personen sein, wo wir uns wohl und gesehen fühlen. 

Heißt das, cis Personen müssen leider draußen bleiben? Ganz und gar nicht. Das haben viele am Anfang nicht verstanden. Sie dachten, du kommst nur rein, wenn du trans, inter oder nicht-binär bist. Du kommst aber auch rein, wenn du Freund*in, Lover oder Ally bist!

Wie stellt ihr sicher, dass der Ort trotzdem ein Safe Space bleibt? Ich mag das Wort Safe Space nicht besonders. Das klingt für mich, als herrsche außerhalb dieses Raumes Krieg. Grundsätzlich sind erstmal alle willkommen, die uns genauso als einen Teil der Gesellschaft ansehen wie sich selbst. Es ist aber schon vorgekommen, dass ich Menschen an der Tür erklärt habe, was für ein Abend das ist und die gesagt haben: „Oh kein Problem, das toleriere ich.” Das kommt auch manchmal von schwulen Männern. In so einem Fall sage ich: „Dann wird das hier heute nichts für dich. Das ist aber nicht schlimm, weil es sehr viele andere Bars gibt, die dir gewidmet sind.” Ich möchte auch innerhalb der LGBTQIA+ Community ein Bewusstsein schaffen. Bloß toleriert werden, will ich nicht.

„Ich freue mich über alle, die dazu stehen, trans zu sein und dazu stehen, eine trans Person lieben und oder begehren zu können."

Bisher war der Freitagabend in der Olfe sehr cis und touristisch – ist es nicht schwierig, ständig Laufkundschaft abzuwimmeln? Je länger der Abend existiert, desto mehr wird er in der Community auch zu einer festen Institution. Wir buchen auch fast ausschließlich DJ’s, die trans, inter oder nicht-binär sind und die bringen wiederum ihre Freund*innen mit. Am nächsten Freitag, den 10. Juni spielt zum Beispiel badpuppy4ever. Ich finde es wichtig, dass der Abend an einem zentralen Ort und Tag wie Freitagabend am Kotti stattfindet. Wir sind der Einstieg ins Wochenende. Das ändert auch die Wahrnehmung der Menschen, wenn wir ihnen sagen: „Hi, heute ist trans, inter und non-binary Abend.” Viele von den Touris, die am Freitagabend da vorbeirennen, haben sowas noch nie gehört!

Woher kommt die Idee, trotzdem alle Geschlechter und Orientierungen an diesem Abend willkommen zu heißen? Viele trans Personen können sich nicht angstfrei outen. Da können wir an der Tür nicht selektieren. Außerdem ist es auch für trans Personen toll, am Freitagabend zu trinken und zu flirten. Das kann ich zum Beispiel nicht an traditionell lesbischen Orten, weil ich auf Männer stehe. Und in schwulen Kontexten fühle ich mich ebenfalls fehl am Platz. Zudem gibt es ja auch immer noch das Stigma für Personen, die nicht trans sind oder aus der queeren Community kommen, aber auf eine trans Person stehen. Sie haben oft auch eine Art von Coming Out. Ich freue mich über alle, die dazu stehen, trans zu sein und dazu stehen, eine trans Person lieben und oder begehren zu können. Und gleichzeitig wünsche ich mir, dass wir aus diesen Phantasien und Klischees heraustreten und den Exotismus beenden. Ich bin schließlich keine Ananas. 

In Transit,
jeden Freitag, 19:00, Möbel Olfe

Gigi Spelsberg

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