Neu Orga hinter der Demo für lesbische Sichtbarkeit

Dyke* March Berlin 2026: The Dykes will march!

29. Juni 2026 Selina Hellfritsch
Bild: Agnieszka Budek
Community Dyke* March 2025 in Berlin

Nach zwei turbulenten Jahren findet der Dyke* March Berlin in diesem Jahr unter dem Motto „Dykes* auf die Straße gegen den Faschismus!“ statt, mit der Aussicht, die Strukturen zu stabilisieren. Für Konflikte sorgt dabei in diesem Jahr der CSD e. V. SIEGESSÄULE sprach mit Sophia und Anne aus dem Orga-Team

Die letzten zwei Jahre des Dyke* March Berlin waren von Konflikten geprägt: 2024 wurde die Demo für lesbische Sichtbarkeit von einer hitzigen politischen Debatte überschattet. Ein Palästina-solidarischer Instagram-Post wurde stark aufgebauscht, später eskalierte ein Streit beim Soli-Abend in der Möbel Olfe und schließlich kam es innerhalb der Community zu Vorwürfen und Forderungen aus unterschiedlichen Lagern nach einer klaren, fehlenden Positionierung. Trotz der Spannungen fand der Dyke* March statt, wurde aber der erste in der Berliner Geschichte, bei dem es zu zahlreichen Festnahmen und Polizeigewalt kam.

2025 zog sich das damalige Orga-Team schließlich kurz vor dem geplanten Termin aus gesundheitlichen Gründen zurück. Kurzerhand formierte sich das Bündnis des Community* Dyke March. Das neue Orga-Team schien jedoch wenig Demo-Erfahrung zu haben. Viele Abläufe wirkten chaotisch, der Protest selbst teils leise und zurückhaltend. Dennoch blieb die wichtige Nachricht: The dykes did march! Und seit letztem Sommer steht die Frage im Raum: Wie geht es weiter?

Organisation hinter dem Dyke* March

„Wir hatten gehofft, dass der Prozess schneller geht, aber wir stellen uns immer noch auf. Fest steht: Wir organisieren den Dyke* March“, erklärt Sophia, die seit letztem Jahr Teil des Community Dyke* March ist. Die Route stehe, zwei Lautsprecherwagen seien fix, und mögliche Sprecher*innen seien bereits auf sie zugekommen, so Anne im Gespräch mit SIEGESSÄULE. Die beiden gehören zu den wenigen Verbliebenen des 30-köpfigen Orga-Teams vom vergangenen Jahr. Die meisten Mitorganisator*innen hätten keine Kapazitäten mehr. „Wir sind erst später dazugestoßen, aber für uns war klar: Wir wollen auf jeden Fall weitermachen!“, sagt Anne.

„Der Wunsch nach Austausch war riesig.“

Am 12. April lud der Community Dyke* March zu einem Evaluationstreffen ein, um Kritik und Forderungen aus der Szene zu hören. Rund 40 Leute aus allen Generationen seien gekommen. „Der Wunsch nach Austausch war riesig“, sagt Anne. Dabei sei es um die Dyke* Marches 2024 und 2025 gegangen, um Erfolge, Probleme und Frustrationen. Anfang des Jahres trafen sich die Organisator*innen zudem mit dem ehemaligen Dyke* March Team. „Wir sind im guten Austausch und schätzen das sehr“, so Sophia. Klar sei nun, dass das alte Team nicht zurückkehren werde, und der Name werde vereinheitlicht: der Dyke* March Berlin. So ist die Demo angemeldet. Auf Anfrage von SIEGESSÄULE wollte sich das ehemalige Team nicht äußern und verwies auf die neuen Organisator*innen.

„Noch sind wir einfach ein offenes Orga-Team, das alle mitgestalten können. Unser Wunsch wäre, dass sich daraus ein neues Kollektiv formt, das den Dyke* March nachhaltig organisiert“, verrät Sophia. So ließen sich auch Verzögerungen vermeiden. Die späte Übergabe durch das Orga-Team des Vorjahres nennen sie als Grund, weshalb die Auswertung und Vergabe der Spenden so lange gedauert habe.

CSD e. V. sorgt für Irritation

Für Irritationen sorgt in diesem Jahr der CSD e. V.: Er organisiert erstmals bereits am Freitagabend ein Programm und fällt damit auf den traditionellen Termin. „Wir haben das als Angriff auf den Dyke* March und auf lesbische Sichtbarkeit gesehen“, sagt Sophia. Gegenüber der SIEGESSÄULE beteuerte CSD-Vorstand Thomas Hoffmann, man sei im Austausch. „Bis jetzt hat sich niemand bei uns gemeldet“, entgegnet Anne.

„Wir haben das als Angriff auf den Dyke* March und auf lesbische Sichtbarkeit gesehen.“

Trotzdem rechnet das Team auch in diesem Jahr mit vielen Teilnehmer*innen. „Wir wollen einen politischen Dyke* March“, so Anne. Unter dem Motto „Dykes* auf die Straße gegen den Faschismus!“ möchten sie sich als derzeit überwiegend weißer, able-bodied und privilegierter Raum ihrer Rolle bewusst machen und dazu aufrufen, auf die Straße zu gehen und auch die Kämpfe anderer Dykes* mitzutragen.

Dyke* March Berlin
24.07., 17:00–22:00
Start: vor dem Roten Rathaus, Ende: Oranienplatz/ Leuschnerdamm
Instagram: @community.dykemarch

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