Sonntags im Bundesplatz-Kino

„Herrlich kiezig und berlinerisch“ – Lothar-Lambert-Filmreihe im August

4. Aug. 2026 Frank Hermann
Bild: Toni Karat
Lothar Lambert (re.) und Frank Schoppmeier im Kinomuseum zur Retrospektive „LoLa DaBei“, Juli 2024

Der Berliner Underground-Filmemacher Lothar Lambert ist wieder da! Vor zwei Jahren gab es zum 80. Geburtstag eine umfangreiche Retrospektive in fünf verschiedenen Kinos. Diesen August zeigt er zum 82. eine kleine Werkschau mit drei alten und einem neuen Film im Bundesplatz-Kino

Lothar Lamberts beachtliches Werk umfasst mehr als 40 Filme. Mal ist er Regisseur, Drehbuchautor und nicht zuletzt Darsteller, oft in Drag wie bei „In Hassliebe Lola“. Im Februar 2025 hatte er den Ehren-Teddy-Award für sein beachtliches Oeuvre bekommen. Kein anderer Regisseur war so oft – ganze 17 mal! - bei der Berlinale dabei wie er. In Lamberts Berliner Kosmos gibt es alle Schattierungen. Sogenannte Randexistenzen sind für den Menschenkenner gar keine. Er hat schlicht den Blick und eine große Liebe für Nonkonformisten.

Sogenannte Randexistenzen sind für den Menschenkenner gar keine. Er hat schlicht den Blick und eine große Liebe für Nonkonformisten.

Und auch wenn bei seinen Geschichten immer mal was nicht rundläuft: Stets siegt die (Berliner) Seele. Titel wie „Blond bis aufs Blut“ und „Gut drauf, schlecht dran“ weisen auf die Art von Humor hin, die den Lambert-Touch ausmacht. Nacktheit, Sex und andere Katastrophen gehören selbstverständlich dazu. Und er besetzte multikuturell und queer, als sich darüber noch niemand Gedanken machte. Das brachte ihm das Prädikat „Underground-Regisseur“ ein.

Im August gibt es immer sonntags Gelegenheit, drei ältere Werke wiederzusehen, und mit Sicherheit einige der Mitwirkenden im Publikum. Los geht es mit „Zurück im tiefen Tal der Therapierten“ (2011) u.a. mit René Koch und Dieter Rita Scholl, übrigens das einzige Sequel, das Lambert jemals gedreht hat, es folgen „Qualverwandt oder Wenn der Pfleger zweimal klingelt“ (2001) mit u.a. Ulrike S. Und Erika Rabau und „Aus dem Tagebuch eines Sexmoppels“ (2004) mit Michael Sittner. So viel zu den Spielfilmen.

Mit „Rundherum andersrum“ ist eine neue dokumentarische Kompilation, „Lamberts gesammelte Einakter Volume 3“, am Start. „Oben rum, unten rum“ und „Vorne rum, hinten rum“ hießen die launigen Vorgänger. Wie immer herrlich kiezig und sehr berlinerisch. Darin sind nicht nur Menschen aus Lamberts nahem oder weiteren Umfeld in Kurzporträts zu sehen.

Hommage an Dagmar Beiersdorf

Am Anfang steht eine Hommage an die langjährige Mitstreiterin, Freundin und Kollegin Dagmar Beiersdorf. An vielen Filmen war sie beteiligt, sei es als Autorin, Koregisseurin oder Darstellerin. In einigen ihrer Filme wiederum hat Lambert mitgespielt. Hier kommt die 2005 Verstorbene noch einmal zu Wort.

Sozusagen in ganz eigener Sache gibt es ein Schlaglicht auf Lamberts Romanze mit dem italienischen Regisseur Mario Ponzi, die anno 1971 „in Cannes begann“. Darin kommt auch Alida Valli vor, Star aus „Der dritte Mann“ und „The Parradine Case“, die mit Ponzi in Berlin gedreht hat, leider nicht mit Lothar. Und die Romanze? Seht selbst!

Die restlichen Porträts zeigen in Berlin lebende Künstler*innen und Unikümer. Unter ihnen sind auch René Koch, Herr des einzigen Lippenstiftmuseums der Welt und die wortgewandte Schauspielerin und Autorin Ilse Biberti, deren Adoptivvater kein Geringerer war als Robert Biberti von den Comdedian Harmonists. Eine skurril-tolle Entdeckung ist die Sängerin Ellen Esser, die mit 80+ Jahren Berliner Bühnen rockt. Sie ist die Tochter des DEFA- und Theaterschauspielers Paul Esser, schreibt, spielt und singt selbst. Ein sympathisches Energiebündel.

Daniel Celento wiederum ist ein Staraddict von Kindesbeinen an, großer Marlene-Dietrich-Fan und -Sammler. Eine andere Episode rankt sich um ein geheimnisvolles Polaroid, das angeblich Udo Lindenberg in Drag zeigt. Was allerdings nie bewiesen wurde. Martin Doeringer wiederum ist eine Art Paradiesvogel. Musiker („Marlonski“ „Kendelight“), Selbstdarsteller ... Ein schöner Strauß an Originalen. Der Lambertkosmos lebt!

Lambert am Nachmittag,
sonntags ab 15:30,

09.08., Qualverwandt oder Wenn der Pfleger zweimal klingelt (2001),
16.08., Aus dem Tagebuch eines Sex-Moppels (2004),
23.08., Rundherum, andersrum – Lamberts gesammelte Einakter Vol. 3,

Bundesplatz-Kino
Bundesplatz 14, Charlottenburg-Wilmersdorf

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