Interview

It-Girl Ivana Vladislava: „Ich schaffe Awareness für trans* Körper“

13. Dez. 2022 Kaey
Bild: Chloe Waldorf

Ivana Vladislava ist ein lebendes Kunstwerk. Mit über 200.000 Instagram-Followern ist die in Berlin lebende gebürtige Polin zudem eines der angesagtesten, deutschen trans It-Girls. SIEGESSÄULE-Style-Expertin Kaey bat sie zum Interview

Ivana, du hast über 200.000 Follower auf Instagram und bist als Artist sehr erfolgreich in sozialen Medien. Was steckt hinter deiner Kunst? Was genau macht Ivana Vladislava?

Ich bin ein lebendes Kunstobjekt und werde von Modemarken, Brands, Künstler*innen und Fotograf*innen gebucht. Man kann mich für Events engagieren, als eine Art Dekoration. Ich werte dann mit meiner Persönlichkeit das Event auf und auch das Image von diversen Marken. Manchmal schicken mir Labels Klamotten zu oder ich werde direkt zu ihnen eingeladen und kann mir etwas aus ihren aktuellen Kollektionen oder auch aus dem Fashion-Archiv aussuchen. Diese Outfits style ich dann für mich, und die Bilder, die entstehen, sind dann eigene Kunstwerke. Doch im Grunde bin ich so etwas wie die deutsche Variante von Amanda Lepore, ein It-Girl, das bezahlt wird, um anwesend zu sein.

Wie wird man ein It-Girl?

Ich weiß selber nicht genau, wie das passiert ist. Ich war schon immer ich selbst und habe gemacht, worauf ich Lust hatte. Mich frech geschminkt und gestylt. Irgendwann ist dann die Modeindustrie auf mich aufmerksam geworden. Vor allem am Beginn der Corona-Pandemie, wo während des Lockdowns das ganze Leben digital stattfand, habe ich viele Anfragen bekommen.

„Die Stärke und Kompromisslosigkeit, die Transaktivist*innen haben, habe ich nicht."

Woher kommt dein Gespür für Stil?

Ich habe mich nie an Trends orientiert, sondern schon immer angezogen, worauf ich Lust hatte. Dabei glaube ich, dass ich eigentlich gar nicht wirklich so viel Stil gehabt habe. Ich war immer etwas tacky und geschmacklos. Mein Stil ist eher selbstironisch. Wenn ich Haute Couture trage, mit meinem Körper, dann wirkt das immer etwas bizarr und ist dadurch auch eine künstlerische Karikatur von Mode und Weiblichkeit.

Du machst kein Geheimnis daraus, dass du eine trans Frau bist. Würdest du dich als Transaktivistin betrachten?

Für mich sind Transaktivist*innen Menschen, die laut sind und sich auf der Straße, bei Demonstrationen, dafür einsetzen, etwas politisch zu verändern. Ich gehe nicht auf die Straße und demonstriere. Ich traue mir das auch gar nicht wirklich zu. Ich habe ein wenig Angst davor, angegriffen, geschubst zu werden, dass man mich mit Eiern bewirft oder Ähnliches. Die Stärke und Kompromisslosigkeit, die Transaktivist*innen haben, habe ich nicht. Mir fehlen sozusagen die Eier dafür.

„Im Mainstream sind ja meist die trans Frauen akzeptiert, die sich auch anpassen."

Doch du hast sehr viele Follower und bist dadurch sehr sichtbar. Sichtbarkeit kann ja auch eine Art von Aktivismus sein. Und ganz ehrlich, wenn du aufgestylt mit deinem Look auf die Straße gehst, ist das dann nicht irgendwie eine Art von Demonstration?

(lacht) Ja, das mag sein. Vielleicht unterscheidet sich da meine eigene Wahrnehmung von der Außenwahrnehmung. Ich versuche schon einen Teil auf meine Art und Weise zu leisten. Ich glaube, ich schaffe so ein bisschen Awareness für trans* Körper. Im Mainstream sind ja meist die trans Frauen akzeptiert, die sich auch anpassen, die eventuell gar nicht als trans Frauen auffallen. Mir ist es aber wichtig zu zeigen, dass es auch Menschen gibt wie mich. Und wenn ich damit helfen kann und etwas verändere, dann freut mich das auch.

In den letzten Jahren hört man immer wieder von Übergriffen gegenüber trans Frauen in Berlin. Fühlst du dich hier sicher?

Angst habe ich nicht. Ich fühle mich sehr sicher in Berlin. Und ich habe den direkten Vergleich. Ich komme aus einem konservativen polnischen Dorf. Polen ist wirklich sehr homophob. Auch wenn es in Berlin Übergriffe gibt und es nicht immer zu 100 Prozent sicher ist, bin ich doch sehr dankbar, dass ich hier lebe. Wir haben in Deutschland mehr Privilegien als in Ländern, in denen Transidentität verboten und strafbar ist.

„Eine trans Frau, die offen zu ihrer Queerness steht, ist immer noch ein Glitch in der Matrix."

Also stört es dich nicht, wenn man dich auf der Straße blöd anstarrt?

Ich bin da sehr realistisch. Wenn ich mich zu einem bunten Paradiesvogel operieren lasse und dementsprechend aussehe, muss ich auch damit rechnen, dass ich Reaktionen hervorrufe. Positive oder negative. Das gehört dazu. Ich glaube, jede Reaktion ist eine gute Reaktion, weil sie in den Menschen etwas verursacht. Ich verursache Emotionen. Das führt dazu, dass die Leute nachdenken und wach werden. Eine trans Frau, die offen zu ihrer Queerness steht, ist immer noch ein Glitch in der Matrix. Jeder Mensch hat das Recht darauf, eine freie Interpretation seines Geschlechtes darzustellen, so, wie er oder sie das möchte.

Ivana auf Instagram: instagram.com/ivanavladislava

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#Mode#It-Girl#Fashion#trans*