Kahlschlag bei der Jugend: Lambda vor dem Aus
Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat dem Jugendnetzwerk Lambda e. V. zum Jahresende überraschend die Mittel gestrichen. Dem langjährigen Hilfsprojekt droht nun das Aus. Was die Community dagegen tun kann
In einer heteronormativen Gesellschaft sind queere Räume überlebenswichtig für LGBTIQ* und die Grundlage für politisches Organisieren. Das 1990 gegründete Jugendnetzwerk Lambda e. V. ist einer dieser Orte. Die Anlaufstelle von und für die Community bietet online wie offline Beratung bei Coming-outs, queerfeindlicher Gewalt und Diskriminierung. Mit der geplanten Kürzung bricht dem Verein nun kurzfristig seine finanzielle Basis weg.
Nick Hampel von Lambda e. V. warnt im SIEGESSÄULE-Interview: „Unsere Arbeit gibt jungen Menschen Halt und kann im Ernstfall Leben retten. Studien zeigen, dass 25 bis 30 Prozent der queeren Jugendlichen keinen Zugang zu entsprechenden Angeboten in ihrer Nähe haben.“ Für viele seien deshalb digitale Strukturen wie das digitale Jugendzentrum lambda space kein Bonus, „sondern überhaupt erst der Zugang zu Community, Unterstützung und Austausch, der wegfällt, wenn wir unsere Arbeit einstellen müssen.“
Bittere Realität
Gleichzeitig ist das Suizidrisiko unter queeren Jugendlichen vier- bis fünfmal so hoch wie bei Gleichaltrigen. Denn queerfeindliche Gewalt bleibt bittere Realität, die mehrfach marginalisierte Personen – wie TIN*, rassifizierte, behinderte oder von Armut betroffene Queers – besonders hart trifft. Dass sich Politiker*innen nach dem Anschlag auf den Berliner CSD für den Schutz der Community aussprachen, wirkt zynisch, wenn dieselben Akteur*innen queere Geflüchtete abschieben und soziale Projekte kaputtkürzen.
„Wenn über den Schutz queerer Menschen gesprochen wird, gehören die Strukturen dazu, die jeden Tag dafür sorgen, dass sie Unterstützung, Beratung, Gemeinschaft und politische Vertretung haben“, betont Nick. Lambda e. V. fordert deswegen, die Streichung zurückzunehmen und die queere Jugendverbandsarbeit langfristig abzusichern. Gespräche mit dem Ministerium blieben bisher jedoch ohne Ergebnis. Dafür ist die gesellschaftliche Resonanz groß: „Über 200 Organisationen haben unseren offenen Brief unterzeichnet. Unsere Mitgliederzahlen sind in kurzer Zeit stark gestiegen. Das gibt uns Rückenwind“, so Nick.
Aufrüstung statt Sozialprojekte
Ein privater Hebel zur Rettung sind Patenschaften für den lambda space: Fünf Euro im Monat finanzieren den digitalen Zugang für eine junge Person. Das dürfe, so Nick, aber nicht bedeuten, dass sich queere Jugendverbandsarbeit – die als Teil der demokratischen Kinder- und Jugendhilfe eine öffentliche Aufgabe erfüllt – dauerhaft privat finanzieren muss. Keine Frage: Die Streichung bei Lambda bleibt ein Schock, ist aber keine Überraschung. Sie reiht sich ein in die Beschlüsse einer Regierung, die auf Überwachung und Aufrüstung setzt, statt in soziale, bildungspolitische und gesundheitliche Projekte zu investieren.
Eine monatliche Spende an Lambda e. V. ist ein guter Anfang. Also: Allys und privilegierte Queers, zückt die Geldbeutel! Dabei darf es aber, wie gesagt, nicht bleiben. Queere Räume werden nicht allein durch privates Geld gerettet, sondern durch gemeinschaftliche Mobilisierung gegen eine Politik, die sich nicht um marginalisierte Menschen schert.
Lambda Bundesverband
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