Kommentar zu Politikmüdigkeit

Zu schlapp für Politik? Warum junge Queers sich zurückziehen

2. Sept. 2026 Lisa Jasmin Schiers
Bild: Julia Bernhard
Batterie leer: Die Weltlage erschöpft viele junge Queers

Keine 18 und schon Aktivismus-Burn-out? Viele junge Menschen waren engagiert – etwa bei Fridays for Future –, und zogen sich wieder zurück: aus Mangel an Perspektiven, ohne Hoffnung auf Veränderung. Die Nachrichtenlage stimmt ebenfalls nicht optimistisch. Abiturientin Lisa Jasmin Schiers aus Potsdam über Politikmüdigkeit – und was dagegen helfen kann

Russland greift die Ukraine an, die USA den Iran, ein Islamist den CSD. Die einzig gute Nachricht, die jemals ausgestrahlt zu werden scheint – schönes Wetter am Wochenende –, ist übertönt von Umweltkatastrophen und Hitzerekorden durch den Klimawandel. Bei einer Spanne von sehr schlechten bis hin zu noch viel schlechteren Nachrichten ist es kein Wunder, dass viele junge Leute sich nicht mehr für Politik interessieren.

Diejenigen, die versuchen sich über den Schulunterricht hinaus mit Politik zu beschäftigen, wenden sich an Nachrichtensender, um sich zu informieren. Wenn eben genau diese augenscheinlich nur schlechte Nachrichten verbreiten und einen runterziehen, kann es sich schnell zu hoffnungslos anfühlen, um dranzubleiben.

Diese „Politikmüdigkeit“ beschreibt jedoch viel mehr als nur die Überforderung durch schlechte Nachrichten. Oftmals fängt sie mit einem Vertrauensverlust in die regierenden Parteien an. Das Gefühl übergangen zu werden und machtlos zu sein, ganz egal, was man macht, wird dadurch stärker als die Hoffnung, etwas verändern zu können.

„Warum muss man konkrete Lösungsvorschläge haben, um gehört zu werden?"

Vor allem für mich als junge Person kann es sehr frustrierend sein, wenn man beispielsweise ab der Grundschule über die Folgen und Ursachen des Klimawandels lernt und einem vermittelt wird, es sei unsere Verantwortung zu stoppen, was Generationen vor uns ausgelöst haben. Dann kommt es so weit, dass Millionen von Jugendlichen auf die Straße gehen, um die Dringlichkeit des Themas an die Regierung heranzutragen, und das Feedback lautet, dass Demonstrationen wie „Fridays for Future“ nur Ausreden wären, nicht zur Schule zu gehen, dass wir nicht wüssten, worüber wir überhaupt reden, und dass das Demonstrieren an sich zwar schön und gut sei, aber an dem Problem auch nichts ändern könne.

Aber warum muss man denn konkrete Lösungsvorschläge haben, um gehört zu werden? Ist es nicht genug, sich für etwas einzusetzen, was einem wichtig ist – und diese Probleme den Leuten zu überlassen, die sich damit auskennen und deren Beruf es ist, Lösungen zu finden?

Genau diese Narrative sind es, die bei jungen Leuten den Anschein erwecken, nicht ernst genommen zu werden, und die sie von der Politik abbringen. Als weitere Veranschaulichung könnte man noch Diskurse rund um Jugendliche heranziehen, in die die Jugendlichen selbst gar nicht einbezogen werden: Altersbeschränkungen für den Führerschein sollen gesenkt, das Alter für Social Media erhöht und die Wehrpflicht wieder eingeführt werden. Wirkliche Teilhabe am Diskurs haben wir jedoch nicht.

„Man muss keinen Masterabschluss haben, um seine Gefühle zu äußern"

Trotz oder vielmehr vor allem durch die immer stärker werdende Polarisierung ist es wichtig, politisch aktiv zu bleiben und sich nicht unterkriegen zu lassen. Man muss keinen Masterabschluss haben, um seine Gefühle zu äußern. Zum Glück gehen die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung mittlerweile weit über Nachrichtensender hinaus, und auch wenn Social Media immer Gefahren wie Fake News und Filterblasen mit sich bringen, können sie für viele ein besserer Anlaufpunkt sein. Man muss sich nicht für die ganze Bandbreite von politischen Themen interessieren, um sich politisch interessiert zu nennen. Von Bündnispolitik und Gesetzesentwürfen bis hin zu Klimaschutz und Menschenrechten ist Politik sehr vielfältig. Sich anfangs ein paar spannende Themen rauszusuchen und auf Social Media zu verfolgen, kann oftmals der erste Schritt gegen die sogenannte Politikmüdigkeit sein.  

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