Leuchtende Gemälde, bebende Installationen: Ausstellung von Koo Jeong A
Das KW Institute for Contemporary Art widmet dem*der südkoreanischen Künstler*in Koo Jeong A eine umfassende Werkschau. Mit der nötigen Aufmerksamkeit können Besucher*innen dort eine ganz eigene Welt entdecken: die eigene Wahrnehmung
Heutzutage assoziiert man südkoreanische Kultur mit poppig-bunten, lauten oder schockierenden Stilmitteln, seien es die der K-Pop-Bands oder der erfolgreichen südkoreanischen Serien und Filme. Diametral entgegengesetzte Erfahrungen macht man nun aber in den Kunst-Werken (KW) mit den subtilen Kunstinstallationen des*der Künstler*in Koo Jeong A. Die multisensorischen Umgebungen loten gerade das aus, was jenseits des Sichtbaren oder Bekannten liegt. „Mich interessiert, wie zugrundeliegende Strukturen, subatomare Welten und immaterielle Kräfte wie Magnetfelder, Temperatur und Lebensenergie wie Qi unsere physische Umgebung und unbewusste Wahrnehmung prägen und uns mit Kräften jenseits des Sichtbaren verbinden“, erzählt Koo der SIEGESSÄULE.
„Der Kernfokus ist stets derselbe: die Erforschung der menschlichen Kognition und die Auslotung der Grenzen der Wahrnehmung.“ Da es um Wahrnehmung geht, entsteht Koos Kunst eigentlich erst im Kontakt mit dem Publikum. Sie lebt von der Aufmerksamkeit und Offenheit der Besucher*innen. Für die Ausstellung sollte man also nicht nur eine Menge Zeit, sondern auch die nötige Sensibilität mitbringen, um wirklich tief in die Erfahrungswelten Koos eintauchen zu können.
„Die Installation lädt die Betrachter*innen ein, subtile, sichtbare Kräfte wahrzunehmen und darüber nachzudenken, wie unsere Umgebung uns ständig beeinflusst.“
Der Titel der Ausstellung „Ousssean“ bezieht sich auf ein von Koo imaginiertes Fantasieland: „Es repräsentiert eine Sphäre, die der Geist erfassen, die das Auge aber nicht auf den ersten Blick wahrnehmen kann“, so Koo. „Sie erfordert Präsenz und geduldige Aufmerksamkeit von den Betrachter*innen, um unsichtbare Phänomene durch Licht, Farbe, Vibration und Geruch zu erfahren.“ So können Besucher*innen in den Kunst-Werken die Installation „It‘s Soul“ begehen. Sie besteht aus zwei scheinbar gewöhnlichen weißen, temporären Galeriewänden, die vibrieren und beben. „Sie lädt die Betrachter*innen ein, subtile, sichtbare Kräfte wahrzunehmen und darüber nachzudenken, wie unsere Umgebung uns ständig beeinflusst.“
Qi, Licht und Berliner Luft
Koos künstlerische Praxis begann in den 90er-Jahren mit dem Sammeln von einfachen Industriematerialien – Staub, Duftstoffe, Zuckerwürfel oder kleine Spielzeuge –, um die Vergänglichkeit der Materie zu erforschen. Als Beispiel für diesen sparsamen Umgang mit Mitteln ist in den KW die Arbeit „Abstract House #10“ von 1999 zu sehen: „Diese Arbeit besteht aus einer Sammlung kleiner Spielzeuge, die ich auf meinen Reisen zusammengetragen habe. Sie reflektiert, was wir in unseren Taschen mit uns tragen und was in unserer flüchtigen Existenz Bedeutung besitzt.“
Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich Koos eher bescheidene Erkundungen zu großen, ortsspezifischen Installationen, Farbstudien, vibrierenden Strukturen und Magnettürmen. Große Aufmerksamkeit bekam Koo für die im Dunkeln leuchtenden Skateparks, etwa der am Münchner Haus der Kunst. Zusammen mit der lokalen Skater-Community entwickelt, soll die nutzbare Installation die taoistische Lebensenergie Qi durch Bewegung und Licht spürbar machen.
Auch in „Seven Stars“ verwendet Koo phosphoreszierende Pigmente. In dieser Installation im Dachgeschoss der KW kann man sich auf einem großen, flauschigen Teppich niederlassen und in eine Klanglandschaft abtauchen. „Die phosphoreszierenden Gemälde wirken im Hellen gedämpft und minimalistisch, aber im Dunkeln leuchten sie auf und enthüllen Sternkonstellationen, die den leeren Raum zwischen Wachen und Schwingen evozieren.“
Dass die erste große Einzelausstellung in Deutschland ausgerechnet in Berlin gezeigt wird, freut Koo sehr: Er*sie hat hier in den 90er- und 2000er-Jahren gelebt. Speziell für die Ausstellung hat Koo eine Duftarbeit auf der Basis von Braunkohlebriketts geschaffen, „einem prägenden Geruch in Berlin-Mitte, Anfang der 90er-Jahre, als Kohle noch zum Heizen der Kachelöfen verwendet wurde und die Straßen der Stadt erfüllte“, erinnert sich Koo. Für alle, die Berlin aus dieser Zeit kennen, die Chance auf eine subtile, aber emotionsgeladene Zeitreise.
Koo Jeong A: Ousssean,
17.10.–10.01.,
Mi – Mo, 11:00–19:00,
KW Institute for Contemporary Art,
Auguststr. 69, Mitte
Vernissage: 16.10., 19:00
Free Thursday: 12.11. & 10.12., 16:00
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