Porno auf der großen Leinwand

Queere Highlights des Pornfilmfestival 2021

22. Okt. 2021 Amanda Beser
Bild: Pornfilmfestival 2021
„Vento Seco“

Das „Pornfilmfestival Berlin“ geht vom 26. bis zum 31. Oktober in die 16. Runde. Neben vielen queeren Filmen im Programm gibt es dieses Jahr gleich vier neue Preise und eine Sexarbeiter*innen-Jury, die eine Auswahl von 25 Dokus beurteilen wird, ganz nach dem Motto: „Nichts über uns ohne uns“

Der Oktober wird heiß, denn das „Pornfilmfestival Berlin“ (PFFB) feiert Sweet Sixteen! Als alternatives, unabhängiges Filmfestival rund um die Themen Sexualität, Politik, Feminismus- und Genderfragen hat es Kultstatus weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Auch in der diesjährigen Corona-Saison soll das Festival ausdrücklich im Kino stattfinden. Eine Herausforderung: Da zum Beispiel wegen der Pandemie die Sitzplatzauslastung der beiden Festivalkinos Moviemento und Babylon Kreuzberg lange Zeit nicht einschätzbar war. Mittlerweile steht allerdings fest, dass die Kinosäle in voller Auslastung genutzt werden können. Im Moviemento gilt die 2G-Regel, also Zugang nur für nachweislich Geimpfte und Genesene, im Babylon Kreuzberg gilt 3G! Hier haben auch Personen mit einem tagesaktuellen Negativ-Test Zutritt. Besonders erfreulich: Die beliebte Lounge des Moviemento ist wieder geöffnet.

Das „PFFB“ wird mit vielen neuen Highlights auftrumpfen. So ist mit „Rebel Dykes“ von Harri Shanahan und Siân A. Williams eine wunderbare Dokumentation über Punklesben im Londoner Underground der 80er-Jahre vertreten und damit auch ein Film im Programm, den SIEGESSÄULE präsentiert. Nach dem Screening am 30.10. im Babylon Kreuzberg gibt es ein Q&A mit den Regisseurinnen Harri Shanahan und Siân A. Williams.

Mit „P.S. Burn This Letter Please“ von Jennifer Tiexiera und Michael Seligman gibt es auch einen berührenden Film über die New Yorker Dragszene der 50er-Jahre zu entdecken. Außerdem sind dieses Jahr gleich zwei lesbische Kurzfilmprogramme dabei, „Lesbian Journey Shorts“ und „Lesbian Encounters Porn Shorts“. Viele tolle internationale schwule Filme von heute und damals, wie „Sequin in a Blue Room“, „Vento Seco“, „Raw! Uncut! Video!”, „Équation à un inconnu” und „Sexo y Revolution” sind auch mit von der Partie. Aufregend klingt ebenso das vom brasilianischen Filmfest „PopPorn Brazil“ kuratierte Kurzfilmprogramm.

Die traditionelle Retrospektive setzt sich diesmal mit der Aids-Krise auseinander. Diese war eigentlich Teil des 2020er-Programms, musste aber wegen der Pandemie verschoben werden. Los geht’s mit dem Spielfilm „Buddies“, der schwuler Solidarität ein zeitloses Denkmal setzt, und Rosa von Praunheims „Ein Virus kennt keine Moral“.

Zu den Schwerpunkten der 16. Ausgabe gehört eindeutig der Bereich Sexarbeit. Anlässlich der aufgeheizten Debatte über die Darstellung von Sexarbeit im Dokumentarfilm „Lovemobil“, in dem mehrere Szenen ohne entsprechenden Hinweis inszeniert wurden, möchte das „PFFB“-Team einen Schritt weitergehen und eine Auswahl von 25 Dokus über Sexarbeit, die beim „PFFB“ und auf anderen Festivals liefen und laufen, von einer Jury aus fünf Sexarbeiter*innen persönlich bewerten lassen, ganz nach dem Motto: „Nichts über uns ohne uns“.

Vier neue Auszeichnungen

Auch neu dieses Jahr: Das „PFFB“ hat vier neue Auszeichnungen und vergibt damit zusammen mit den traditionellen Kategorien „Bester Spielfilm“, „Bester Kurzfilm“ und „Bester Dokumentarfilm“ insgesamt sieben Preise. Der Fokus des Preises für den „besten lesbischen Film“ liegt auf unterrepräsentierten, queeren Sexualitäten, jenseits gängiger Pornoklischees. Mit dem „Sex-and-Age-Filmpreis“ sollen Filme prämiert werden, die das Alter und die besonderen Bedingungen älterer Menschen und ihr Begehren in den Mittelpunkt stellen, aber auch Altersunterschiede in sexuellen Beziehungen und Bodypositivity hervorheben. Um Filmemachende zu ermutigen, sich auf Vielfalt zu konzentrieren und die Sichtbarkeit von People of Color zu fördern, wird der „BIPoC-Filmpreis“ verliehen. Mit dem „Sex-Tape-Preis“ sollen Amateur- und Heimfilme gewürdigt werden, die das Genre aufwerten oder neu erfinden.

SIEGESSÄULE präsentiert
Pornfilmfestival Berlin, 26.–31.10., Moviemento und Babylon Kreuzberg

Vollständiges Programm des Festivals

pornfilmfestivalberlin.de

Auch in diesem Jahr wird ein Teil des Programms online gestreamt. Eine Auswahl von 2 Langfilmen und 97 Kurzfilmen wird vom 01.11.-14.11.2021 online verfügbar sein.
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