Ausstellung

Queere Kunst auf der 11. Berlin Biennale

3. Sept. 2020 Mary Katharine Tramontana
Bild: Naomi Rincón Gallardo, Foto: Claudia López Terroso
Naomi Rincón Gallardo, Set-Fotografie von „Resiliencia Tlacuache (Opossum Resilience)“ 2019, Foto: Claudia López Terroso, daadgalerie

„Epilog“, der vierte und letzte Teil der diesjährigen Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, präsentiert ab 5. September jede Menge spannende queere Positionen. Wir sprachen mit einer der Kurator*innen, María Berríos

María, die diesjährige Biennale wird von der Pandemie überschattet. Wie wirkt sich das auf die Ausstellung aus? Ganz genau können wir das noch nicht sagen. Das macht es ja gerade so schwierig, die Biennale während einer Pandemie zu organisieren: Alles ändert sich täglich! Fracht kommt nicht an; Dinge werden teurer; neue Reiseverbote tauchen auf. Wir machen uns Sorgen um die Künstler*innen, die nicht kommen können, weil die Grenzen zwischen den Ländern dicht sind. Die hauptsächliche Folge wird wohl sein, dass wir weniger Besucher*innen und weniger Künstler*innen vor Ort haben werden als sonst. Wir werden natürlich die Abstandsregeln etc. befolgen, Besucher*innen müssen Ihre Tickets vorher online buchen und es wird keine VIP-Touren geben. Es wird eine intimere Erfahrung als die letzten Jahre.

Was ist inhaltlich neu? Wir wollten den Fokus auf südamerikanische Künstler*innen sowie auf Künstler*innen aus anderen Teilen des globalen Südens legen, wie Indien oder die Philippinen.

Unter den Ausstellenden ist zum Beispiel die zentralamerikanische Künstlerin Naomi Rincón Gallardo. Sie zeigt Videos, die einem Umweltschützer aus Zapoteca gewidmet sind. Darin befasst sie sich auch mit der Entkolonialisierung des Geschlechts. Es gibt diese wunderschöne Szene mit einem Opossum, das mehrere Brüste hat und sich in einer Cantina betrinkt. Es ist eine Provokation, aber eine freudvolle. Naomi lässt die Dinge explodieren. Sie verbindet lokale Mythologie mit den Geschichten von Menschen, die wegen sexueller Dissidenz verfolgt werden.

Solidarität, Verletzlichkeit und Widerstand sind in diesem Jahr zentrale Themen... Wir leben in wichtigen Zeiten. Ich glaube nicht, dass sich die Verhältnisse radikal geändert haben, sie traten in den letzten Jahren aber sehr deutlich zutage. Der alte Act up-Slogan „Stille ist Tod“: wir erleben das momentan. Wir leben in einer unzulässigen Gegenwart, in der es absolut entscheidend ist, intersektional zu denken. Das betrifft nicht nur queere Künstler*innen – wir haben Künstler*innen, die sich z. B. mit indigenen Kämpfen, den Kämpfen kurdischer Frauen oder denen von Roma auseinandersetzen. Für so viele ist das Leben derzeit wirklich ein Kampf ums Überleben. Wir müssen diese Kämpfe und Reflexionen verbinden.

Interview: Mary Katharine Tramontana, Übersetzung: fs

SIEGESSÄULE präsentiert:

11. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst, 05.09.–01.11.

KW Institute for Contemporary Art, daadgalerie, Gropius Bau und ExRotaprint

11.berlinbiennale.de

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