Sichtbarkeit für trans* Personen mit dem Label „exude records“
Trans* Künstler*innen finden immer noch selten Gehör in der Musikbranche. Mel und Hanna haben das Berliner Label exude records gegründet, um mehr Räume in der elektronischen Musikszene zu schaffen. Gerade erschien das neue kollaborative Album „Eternal Vol. 2“
„Exude“ – das bedeutet so viel wie ausstrahlen oder verströmen, etwa Freude oder Selbstbewusstsein. Für Mel und Hanna, die das Berliner Label mit diesem Namen gegründet haben, sind beide Aspekte zentral. Als T4T-Duo (trans* for trans*) ist exude records für sie auch ein persönliches Projekt, um mehr Sichtbarkeit für trans* Personen in der Musikszene zu schaffen.
Gestartet ist exude zunächst als Soli-Eventund Partyreihe 2023 in Berlin. Hanna, die auch unter dem Namen Damiana auflegt und Musik produziert, sagt im Gespräch mit SIEGESSÄULE: „Es gibt immer noch sehr wenig Safer Spaces für trans* Personen im Nachtleben. Wir wollten Räume schaffen, in denen wir einfach sein können und uns nicht erklären oder Angst haben müssen.“ In ihrer Arbeit als Veranstalter*innen haben Mel und Hanna erlebt, wie trans* Personen in der Musikindustrie oft unterschätzt oder übersehen werden, also gründeten sie kurzerhand ihr eigenes Label.
„Unser Ziel mit exude records ist es, trans* Musiker*innen eine Plattform zu bieten und mehr Möglichkeiten für sie zu schaffen.“
„Unser Ziel mit exude records ist es, trans* Musiker*innen eine Plattform zu bieten und mehr Möglichkeiten für sie zu schaffen“, so die beiden. Der erste Release erschien 2025: das kollaborative Album „Becoming.“ von Damiana und Enana, nicht binäre Rapper*in und wichtige Stimme in der politischen QT*BIPoC-Musikszene Berlins. Kollaboration ist ein zentraler Aspekt in der Arbeit von exude. Nach „Eternal Vol. 1“ im Herbst vergangenen Jahres folgt nun „Eternal Vol. 2“, eine Compilation mit Beiträgen von dreizehn trans* Künstler*innen aus Berlin und darüber hinaus.
Inhaltlich kreisen viele Tracks auf „Eternal Vol. 2“ um Fragen zu Transition und Gender sowie Machtkritik und cis-heteronormativen Strukturen. Musikalisch bewegt sich das Projekt zwischen elektronischer Musik und introspektiveren Momenten. Neben schnellen Techno-, Footwork- und Baile-Funk-inspirierten Tracks finden sich auch experimentellere Stücke mit modularen Synth-Sounds, Illbient Beats und Spoken Word.
Elektronische Musik aus trans* Perspektive
Besonders persönlich ist ein Beitrag der beiden Labelbetreibenden selbst: ein Gedicht, das während eines Aufenthalts in den deutschen Alpen entstand, als Damiana sich von einer geschlechtsangleichenden Operation erholte. Die Ex-Berlinerin Sanni Est interpretiert M.I.A.s „Freedom Is a State of Mind“ neu. Der Berliner Producer MiZayo liefert eine futuristische Drum-’n’-Bass-Ballade, und Folly Ghost, zwischen Berlin und Rio de Janeiro pendelnd, mit „Fleshware Update“ einen Cyberpunk-inspirierten Techno-Track.
Die Einnahmen aus der Veröffentlichung werden zwischen den Künstler*innen, exude records und der Berliner Organisation Transsexworks geteilt. Gerade jetzt, da die Rechte von trans* Personen wieder zunehmend gefährdet sind und immer mehr queere Räume auch in Berlin geschlossen werden, braucht es Initiativen wie exude records. „Eternal Vol. 2“ ist eine Momentaufnahme aktueller elektronischer Musik aus trans* Perspektive, aber auch Ausdruck von Freude als Widerstand.
Für die Zukunft von exude records wünschen sich Mel und Hanna: „Wir möchten unsere Veröffentlichungen und Spendenaktionen zur gegenseitigen Unterstützung fortsetzen und Künstler*innen in Live-Kontexten präsentieren, um die Musik auf der Bühne oder hinter dem DJ-Pult zum Leben zu erwecken.“
Various Artists: Eternal Vol. 2
mit Astrea, MX, Folly Ghost, Sanni Est u. a.
exude records
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