Pride

Alle Infos zum Pride des Berliner CSD e. V. am 24. Juli

1. Juli 2021 Paula Balov
Bild: Brigitte Dummer

Einer der wichtigen Termine unter den zahlreichen Pride-Events in diesem Jahr ist der Christopher Street Day, organisiert vom Berliner CSD e. V. Der findet in diesem Jahr als politische Laufdemo statt – ohne die üblichen großen Parade-Trucks und ohne Bühnenprogramm

Demo-Route

Startpunkt: 24.7., 12:00 auf der Leipziger Straße, zwischen Charlottenstraße und Axel-Springer Straße

Neue veränderte Route! Treffpunkt für die Demo ist um 12 Uhr auf der Leipziger Straße, zwischen Charlottenstraße und Axel-Springer Straße. Von da aus geht´s gegen 13 Uhr in Richtung Potsdamer Platz, vorbei am Bundesrat, wo auf die Forderung aufmerksam gemacht werden soll, den Artikel 3 des Grundgesetzes zu ändern. Die Demo biegt dann rechts in Richtung des Brandenburger Tors ab und daran vorbei zur Siegessäule, weiter links in Richtung der Urania, wo der Zug gegen 17 Uhr enden wird. Auf eine Abschlusskundgebung wird in diesem Jahr verzichtet.

Ursprünglich hätte die Demo am Kino International beginnen und am Nollendorfplatz enden sollen. Wie der Berliner CSD e. V. am 1. Juli mitteilte, wurde die Route allerdings noch einmal angepasst, unter anderem um „Engpässe und größere Baustellen vermeiden“ zu können.

Auch wenn der Pride vor allem als politische Laufdemo geplant ist, wird es fünf vereinseigene Demo-Trucks und fünf kleinere PKWs geben. Der Schwerpunkt liegt auf den Forderungen und Redebeiträgen von u. a. Vertreter*innen der Berliner Aidshilfe, Queer Amnesty oder dem LSVD. Insgesamt soll es 35 Redner*innen geben, darunter Gaby Tupper, Chris Glass und Sandra Polchow. Für die musikalische Untermalung sorgen u. a. Marsmädchen und DJ Jaycap. Die kleineren PKW werden u. a. eingesetzt, um auf die Forderungen des CSD e. V. und die aktuellen Hygieneregeln hinzuweisen. Bisher haben sich knapp 80 Fußgruppen angemeldet. Der Berliner Kultursenator Klaus Lederer wird den CSD eröffnen.

Bild: CSD e. V.

Abstands- und Hygieneregeln

Eine Teilnehmer*innenbegrenzung gibt es nicht. Die Hygieneregeln werden tagesaktuell angepasst. Allgemein gelten Maskenpflicht und die Einhaltung von Sicherheitsabständen. Der CSD-Vorstand rät von Alkoholkonsum ab und empfiehlt, vorab einen Corona-Test zu machen sowie die Option, mit Fahrrad an der Demo teilzunehmen.

Vorstand erwartet 20.000 Teilnehmende

Der CSD-Vorstand rechnet mit ca. 20.000 Teilnehmenden: „Wenn man die Tourist*innen abzieht, diejenigen, die in Vor-Pandemie-Zeiten nur zur Abschlussparty gegangen sind, und alle, die aktuell generell Demos aus Sicherheitsgründen meiden, ist das eine realistische Schätzung“, sagt CSD-Vorstand Nasser gegenüber SIEGESSÄULE.

Dass die Demonstrierenden durchs Brandenburger Tor gehen, was zuletzt beim CSD in den 90ern geschah, sei für Nasser ein wichtiges Zeichen. „Es hat große Strahlkraft, wenn der CSD Berlins bekanntestes Wahrzeichen durchquert und so vom Osten in den Westen übergeht.“ Die Demo wird an der Urania enden, in der Nähe des Nollendorfkiezes. Laut Nasser soll der queere Kiez, der massiv unter der Pandemie gelitten habe, auf diese Weise unterstützt werden – da Demonstrierende sich nach dem CSD in den Straßen verteilen werden, wenn sie noch etwas trinken wollen. Die Barbetreiber*innen sind darauf eingestellt. Das Gebiet um den Nollendorfkiez wird für den Autoverkehr gesperrt, um den Menschen, die nach dem Pride hierherkommen wollen, genügend Platz zu bieten.

Motto und Forderungen

Wie das Motto für 2021 „Save our Community – Save your Pride“ verrät, ist in diesem Jahr die Erhaltung der LGBTIQ*-Kulturlandschaft und Gastronomie ein Schwerpunktthema. Bereits letztes Jahr organisierte CSD-Vorstand Nasser El-Ahmad unter einem ähnlichen Motto eine alternative Pride-Demo. „In einem Jahr hat sich da nichts groß verändert. Das Thema ist so aktuell wie 2020“, erklärt er. Deshalb hatte er es leicht abgewandelt erneut eingereicht und gewann die Abstimmung.

Bei dem Motto geht es allerdings nicht nur um die Situation der queeren Infrastruktur: „Die Community hat an Sichtbarkeit verloren, während Homo- und Transphobie nicht abgenommen haben, im Gegenteil. Die Lage für LGBTIQ in Ländern wie Ungarn und Polen ist weiterhin bedrohlich. Auch darauf bezieht sich das Motto.“

Für dieses Jahr wurde außerdem ein ausführlicher Katalog mit 32 Forderungen entwickelt. Die thematische Bandbreite ist groß: so werden unter anderem Maßnahmen gegen Hate crimes und Hate speech gefordert, eine Reform des Abstammungsrechts, um Diskriminierungen von Regenbogenfamilien zu beenden, Solidarität mit LGBTIQ* in Ungarn und Polen, mehr Selbstbestimmung für trans* und inter* Personen oder mehr Sichtbarkeit von FLINT* (kurz für: Frauen*, Lesben, inter*, nicht binär, trans*).

Die Forderungen sollen nicht nur mit der Pride-Demo unterstrichen werden, sondern auch in offiziellen Schreiben an verschiedene verantwortliche (Regierungs-)Stellen gesendet werden.

Interview mit dem neuen Berliner CSD-Vorstand

Bild: Berliner CSD e. V.
Vorstand des Berliner CSD e. V. (v. l. n. r.): Ulli Pridat, Frank Sperling, Nasser El-Ahmad, Marc Lehmann, Patrick Ehrhardt

Paula Balov sprach mit dem im März neu gewählten Vorstand des CSD e. V. unter anderem über die Kritik an der fehlenden Diversität des Teams und wie sich für Themen von Lesben, nicht-binären oder trans* Personen stark machen wollen

Euer CSD findet am 24. Juli statt. Ist es nicht schwierig, gleich einen Monat nach der Stern-Demo des CSD Berlin Pride ein ähnliches Event auf die Beine zu stellen?

Ulli: Zwei CSD-Termine zu haben bedeutet auch mehr queere Sichtbarkeit auf der Straße. Das ist ein positives Zeichen für Berlin. Gerade in Krisenzeiten, in denen unsere Schutzräume bedroht sind, kann es nicht genug queere Sichtbarkeit geben.

Ende März wählte der Berliner CSD e. V. euch fünf als neues Vorstandsteam. Frauen*, trans*, inter* oder nicht binäre Personen fehlen somit im Vorstand. Für die mangelnde Diversität in einem Verein, der eine der größten Pride-Paraden Europas organisiert, gab es auch Kritik aus der Community. Wie seid ihr damit umgegangen?

Patrick: Die Kritik konnten wir in vielen Punkten nachvollziehen. Es ist ein Problem, dass die Diversität bei uns fünf Vorständen nicht gegeben ist. Wir haben aber von Anfang an ganz klar gesagt, dass wir Mittel finden und Instrumente entwickeln wollen, die an diesem strukturellen Problem etwas ändern. Mein Angebot steht immer noch: Wenn sich eine Frau bereit erklärt, ihre Kompetenz miteinzubringen, werde ich sofort meinen Posten räumen. Es geht mir nicht um mein Ego. Wir wollen aber nicht nur daran arbeiten, dass das Geschlechterverhältnis ausgeglichener ist, sondern auch verstärkt Minderheiten innerhalb der queeren Minderheit ansprechen. Das bedeutet jedoch, dass man uns etwas mehr Zeit geben muss, das auch konzeptionell zu erarbeiten.

Wie wollt ihr diese Minderheiten in der Minderheit denn erreichen?

Nasser: Mit mir ist jetzt zum ersten Mal eine Person of Color im CSD-Vorstand. Ich sehe es als meine Hauptaufgabe, andere People of Color anzusprechen, sie zu repräsentieren und sie zu motivieren sich zu engagieren und Berührungsängste abzubauen.

Frank: Sprache öffnet Türen. Wenn ich mir unsere Website anschaue, denke ich: Vielleicht sollte man hier mal ansetzen und unsere Informationen in mehrere Sprachen übersetzen. Es gibt sicher viele, die sich engagieren wollen, aber gerade erst Deutsch lernen oder erst neu ins Land gekommen sind. Diese Menschen trauen sich vielleicht nicht, sich aktiv in einen CSD-Verein einzubringen. Wenn wir zum Beispiel Arbeitsgruppen mit unterschiedlichen Sprachangeboten bilden, haben wir vielleicht auch gleich neue Begegnungsräume geschaffen. Dieses Jahr wird das aber kaum umsetzbar sein – das Ziel der Mehrsprachigkeit sehe ich eher 2022.

Was sind eurer Ansicht nach die Gründe für die fehlende Diversität im Vorstandsteam?

Ulli: Ich denke, soziale Unterschiede spielen eine Rolle. Für viele ist ein so aufwendiges Ehrenamt Luxus – nicht mal unbedingt nur aus finanziellen Gründen. Nicht jede*r kann Familien- oder Berufsleben mit einem Ehrenamt vereinen. Eine junge trans Frau, die mitten in der Transition ist, hat wahrscheinlich ganz andere Probleme als sich mit einem Vorstandsamt zu beschäftigen.

„Mein Angebot steht immer noch: Wenn sich eine Frau bereit erklärt, ihre Kompetenz miteinzubringen, werde ich sofort meinen Posten räumen“

Was tut ihr, um Frauen und trans* Personen einzubeziehen? Wie wollt ihr euch für FLINT*-Themen (kurz für: Frauen* Lesben, nicht binär, trans* inter*) stark machen?

Ulli: Wir haben direkt nach der Wahl das Gespräch mit verschiedenen Gruppen gesucht. Uns ist die interne Auseinandersetzung mit Diversität wichtig. Deshalb haben wir dazu unsere Mitglieder zu einem Workshop eingeladen, den lesbische Frauen anbieten. Außerdem haben wir eine neue Blogfunktion auf unserer Website und rufen dort queere Menschen auf, sich zu beteiligen. Ein Gastbeitrag stammt von lesbischen Frauen, die andere Frauen dazu ermutigen, im queeren Vereinsleben mitzumischen. Aktuell ist das als Online-Format angedacht, soll aber in Zukunft auf reale Gesprächsformate erweitert werden. Wir müssen das Vertrauen wiederherstellen, dass wir als CSD-Verein Inklusion und Diversität ernst nehmen.

Patrick: Wir wollen das Thema Stiefkindadoption bei lesbischen Regenbogenfamilien angehen. Hier überlegen wir auch, kampagnengebunden zu arbeiten, nicht nur in Bezug auf den CSD.

Eines eurer Ziele ist die Selbstbestimmung von trans* Personen zu stärken. Vor allem die Union zeigte beim Thema TSG keine Reformbereitschaft. Mit dir, Marc, ist nun auch ein CDU-Mitglied im Vorstand. Ist das nicht ein Widerspruch?

Marc: Die Frage kann ich nachvollziehen. Das ist aber tatsächlich kein Widerspruch, denn beim Thema TSG vertrete ich ganz klar nicht die Meinung meiner Partei. Ich habe in der Kommunalpolitik im Bezirk Reinickendorf eine CDU kennengelernt, von der ich absolut überzeugt bin. Trotzdem gibt es auch Bereiche, mit denen ich nicht zufrieden bin. Meine Motivation ist die Partei von innen heraus zu verändern.

Welche Pläne habt ihr als CSD-Vorstand?

Ulli: Meine Vision ist die alte und junge Community zusammenzubringen – die Motzstraße mit der queeren TikTok-Generation. (lacht)

Frank: Das Thema Bildung ist uns ganz wichtig. Wir möchten Botschafter*innen finden, zum Beispiel queere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die in Schulen gehen und dort Kinder für queere Themen sensibilisieren und Berührungsängste einfach dadurch abbauen, dass sie über sich erzählen.

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