Bi+ Relationships Meet-up

Beziehungschaos nach Coming-out? Ein Bi+-Treffen schafft Austausch

1. Juli 2026 Samu/elle Striewski
Bild: BiBerlin e. V.
Das Armband trägt die Farben der pansexuellen Pride-Flagge

Wer als bi- oder pansexuelle Person in einer hetero gelesenen Beziehung lebt, findet nur wenige Anlaufstellen für die spezifischen Fragen und Probleme, die aus dieser Konstellation entstehen können. Ein Berliner Meet-up schafft Raum für Austausch über Coming-outs, Beziehungsgestaltung, den Umgang mit Bifeindlichkeit und darüber, was die queere Community Schönes und Befreiendes bieten kann

Es ist eine oft übersehene Facette queerer Erfahrungen: Wenn sich in einer gegengeschlechtlichen Beziehung eine Person als bisexuell outet, kann das die andere Person im Bunde verunsichern. Vielleicht entsteht die Angst, verlassen zu werden, oder die Frage nach einer Öffnung der Beziehung sorgt für Überforderung. Und wie geht man mit einem Coming-out gegenüber Kindern oder der erweiterten Familie um? Ein solches Outing kann ein heteronormativ eingerichtetes Leben ins Wanken bringen. Gleichzeitig steht die frisch geoutete bisexuelle Person oft vor eigenen Herausforderungen: Sie möchte eine neue, aufregende queere Welt erkunden, während es zu Hause Beziehungsprobleme gibt, oder erlebt aufgrund ihrer hetero gelesenen Beziehung nicht selten Bifeindlichkeit innerhalb der Community. Oft findet sie ihre Lebensrealität in den Angeboten der LGBTIQ*-Szene nicht ausreichend repräsentiert. Das „moderierte Treffen für bi+ Personen und Partner*innen in hetero gelesenen Beziehungen“ möchte genau diese Lücke schließen.

Das Format traf einen Nerv

Dabei geht es nicht nur um das beschriebene Szenario einer frisch geouteten bi+ Person, sondern um alle Sorgen und Fragen, die bisexuelle und biromantische Menschen in hetero gelesenen Beziehungen bewegen können. Viele bi+ Personen fristen ein Dasein in der Unsichtbarkeit, irgendwo zwischen der hetero- und der homosexuellen Welt. Davon hatten drei Menschen aus der Berliner Bi+-Community sowie eine heterosexuelle Partnerin genug.

Nachdem sie sich in einer WhatsApp-Gruppe austauschten und feststellten, dass sie mit ihrer Gefühlsachterbahn nicht allein waren, entstand der Wunsch, sich persönlich zu treffen. Kurz vor Weihnachten 2023 fanden sie sich zum ersten moderierten „Bi+ Relationships“-Meet-up zusammen. Das Format traf einen Nerv. Im Juli 2026 findet es zum 14. Mal statt, weitere Treffen sind bereits in Planung und die Nachfrage steigt stetig. Jan Roloff, einer der Initiator*innen des Treffens, berichtet: „Es ist so ein großer Bedarf da. Wir brauchen mehr Hosts und mehr Gruppen in anderen Städten.“

„Es ist so ein großer Bedarf da. Wir brauchen mehr Hosts und mehr Gruppen in anderen Städten.“

Die drei Organisator*innen begreifen sich neben ihrer Rolle als Hosts auch selbst als Zielgruppe der moderierten Treffen. Um 19:30 geht es los und inklusive Verschnaufpause dauert das Treffen etwa zweieinhalb Stunden. Bei einer Gruppengröße von maximal 15 Personen gibt es viel Raum für intime Gespräche. Um einen möglichst sicheren Rahmen zu gewährleisten, wird der Ort erst nach vorheriger Anmeldung bekannt gegeben. Das soll auch solchen Personen ermöglichen zu den Treffen zu kommen, die selbst oder als Paar nicht geoutet sind.

Für viele ist das Meet-up der erste Kontakt zur queeren Community. Vor allem für die Partner*innen gibt es sonst kaum Räume. Jan Berlin, ebenfalls Co-Host der Treffen, betont: „Deshalb ist es uns bei den Treffen so wichtig, dass neben der Bi+-Perspektive auch die der Partnerpersonen gleichberechtigt Platz findet.“ Die Gruppen sind in der Regel sehr durchmischt. Von Zwanzig- bis Sechzigjährigen ist alterstechnisch alles dabei. Die meisten kommen aus Berlin und Umgebung, viele sind weiß und cisgender. Aber auch BIPoC sowie trans*, inter*, nicht binäre und agender Personen fühlen sich bei den Treffen wohl und kommen immer wieder. Manche bringen ihre Partner*innen mit. Manchen heterosexuellen Partner*innen tut der Austausch so gut, dass sie auch allein wiederkommen.

„Bei den Treffen ist uns wichtig, dass neben der Bi+-Perspektive auch die der Partnerpersonen gleichberechtigt Platz findet.“

Die große Bandbreite an Erfahrungen macht das Besondere des Treffens aus. Anna Sive, das dritte Mitglied des Orga-Trios, beschreibt: „Es gibt viel Dankbarkeit für den Raum, in dem sich viele das erste Mal mit ihren Themen wie Unsichtbarkeit und Beziehungsgestaltung gesehen und nicht allein fühlen, und zugleich tiefen Schmerz, der damit verbunden ist.“

Über Unterschiede hinweg Gemeinsamkeiten zu finden und einander aus der Seele zu sprechen: Genau das macht für viele dieses Peer-to-Peer-Format so einzigartig. Dabei ist den drei Hosts eines besonders wichtig: „Es soll nicht nur um Probleme, Ängste und Unsicherheiten gehen. Natürlich hat das auch Raum und deswegen kommen die Leute zum Treffen. Aber es soll auch um das Schöne und Befreiende gehen.“

Moderiertes Treffen für Bi+-Personen und Partner*innen in hetero-gelesenen Beziehungen,
02.07., 19:30, Thema: Polyamorie,
Ort auf Anfrage,
weiterer Termin u. a.: 01.10.,
Thema: verschiedene Formen hetero gelesener queerer Beziehungen,

Anmeldung unter: bi-relationships@biberlin.de,
Infos: biberlin.de/events

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