Straßenfest mit Hindernissen

Lesbisch-schwules Stadtfest: Begehrt aber verbaut

15. Juli 2026 Michael G. Meyer
Bild: Brigitte Dummer
Feiern mit der Community: Blick von der Bühne beim Lesbisch-schwulen Stadtfest in Schöneberg

Am 18. und 19. Juni findet zum 32. Mal das legendäre Straßenfest in Schöneberg statt. Es scheint immer das Gleiche zu sein und ist dennoch stets anders. Dieses Mal sind die Baustellen neben der politischen Lage vor allem eines: Baustellen

Das Lesbisch-schwule Stadtfest gehört seit nunmehr 31 Jahren zu den festen Programmpunkten im queeren Kalender Berlins. Nach Angaben der Veranstalter werden mehr als eine halbe Million Besucher*innen erwartet. Während des Festes verwandeln sich Motz-, Eisenacher, Fugger- und Kalckreuthstraße auf mehr als 20.000 Quadratmetern in ein riesiges Festgelände, auf dem sich Unternehmen, Projekte und Institutionen aus Politik, Kultur, Gastronomie und der queeren
Community präsentieren.

Doch kurz vor der diesjährigen Ausgabe des Stadtfestes am 18. und 19. Juli löst eine Baustelle im Herzen des Regenbogenkiezes Unmut aus. Viele Monate lang waren, mal wieder, Teile der Ecke Motz-/Eisenacher Straße aufgerissen. Gefühlt ist es eine Dauerbaustelle, jedenfalls nervt sie Anwohnende und Barbetreiber*innen. Ulrich Simontowitz und Sebastian Pagel vom Hafen, einem der Gründungsmitglieder des Regenbogenfonds, der das Stadtfest betreibt, sagen, dass man sich schon an den Beauftragten für „Schlafbaustellen“ gewandt habe: „Sie öffnen parallel viele Baustellen, die sich teilweise gegenseitig behindern. Das ist ja stadtweit ein Jahrhundertprojekt und geht am Bürger vorbei. Wir waren in London und haben gesehen, wie man dort mit öffentlichen Baustellen umgeht: Da gibt es ein Schild, das das Bauvorhaben erklärt und die Bauzeit öffentlich macht. Das hat der Berliner Beauftragte auch vor, kommt aber nicht weiter.“

Bis zum Beginn des Stadtfestes soll die Baustelle aber geschlossen sein – nach langen Monaten der Unklarheit, was auch Nadine Königsmann vom Regenbogenfonds bestätigt: „Sorgen bereiten uns allerdings zusätzliche Baustellen, die in den vergangenen Wochen durch private Hauseigentümer im Zuge von Renovierungsarbeiten eingerichtet wurden. Gemeinsam mit den Eigentümern arbeiten wir derzeit an Lösungen, um die Auswirkungen auf das Fest so gering wie möglich zu halten. Diese Bereiche müssen von uns zusätzlich gesichert und nach Möglichkeit geräumt werden, was mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist.“ Der Berliner Queerbeauftragte Alfonso Pantisano verweist außerdem darauf, dass dieses Jahr verschärfte Brandschutzauflagen sowie ein erweitertes Sicherheitskonzept mit Pollern an den Eingängen hinzukämen. Um die vorgeschriebenen Sicherheitsabstände einzuhalten, fallen weitere Flächen für Stände und Besucherbereiche weg.

Seit April alles ausgebucht

Nadine Königsmann ist dennoch optimistisch: Sie betont, dass das Lesbisch-schwule Stadtfest trotz widriger Bedingungen und – auch politischer – Herausforderungen weiterhin auf großes Interesse stoße. „Die Nachfrage nach Standflächen war so hoch, dass wir bereits seit April vollständig ausgebucht sind. In diesem Jahr präsentieren sich insgesamt 250 Stände auf dem Festgelände. Besonders wichtig ist uns, dass rund ein Drittel davon aus der Community selbst kommt, von Vereinen, Initiativen und engagierten Projekten. Das zeigt, dass das Stadtfest nicht nur ein Publikumsmagnet ist, sondern vor allem ein lebendiger Treffpunkt für die LGBTIQ*-Community und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer bleibt.“

„Das Stadtfest ist nicht nur ein Publikumsmagnet, sondern vor allem ein lebendiger Treffpunkt für die LGBTIQ*-Community und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer.“

Auf den sechs Bühnen des Stadtfests wird jedenfalls jede Menge los sein: Klaus Wowereit hat sich angesagt, 25 Jahre nach seinem berühmten Coming-out auf einem SPD-Parteitag, um auf dem „Wilden Sofa“, der Talkshow auf der Hauptbühne, Platz zu nehmen. Wowereit wird zusammen mit der ehemaligen Bezirksbürgermeisterin von Schöneberg, Elisabeth Ziemer, das Stadtfest eröffnen. Auch für unterschiedlichste Musik ist gesorgt: Queere Rap-Gruppen und queerer Tango stehen auf dem Programm. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen.

Lesbisch-schwules Stadtfest
18.07., 11:00–24:00
19.07., 11:00–22:00
Motz-, Eisenacher, Fugger- und
Kalckreuthstraße, Schöneberg
stadtfest.berlin/de

Der Stand der SIEGESSÄULE ist wieder in der Kalckreuthstr./Ecke Motzstr. zu finden

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