Ausstellung im Humboldt Forum

„Time Machine Infinitum“: Eine Zeitreise durch queer-migrantisches Leben

10. Juni 2026 Elira Halili
Bild: Noam Gorbat, Omar Nicolas, Sama Ahmadi / Stadtmuseum Berlin
Videostill aus „The Continuation (DIE FREUNDIN)“ in „Time Machine Infinitum: Queer Migrantisches Berlin“, 2026

Die Installation „Time Machine Infinitum“ beamt das Publikum ab dem 13. Juni im Humboldt Forum direkt in das Herz des queeren, migrantischen Berlins – mit fünf Deep Dives von den Goldenen Zwanzigern über afrodeutschen Aktivismus bis zum Voguing der Zukunft

Seit über zehn Jahren arbeiten Omar Nicolas und Noam Gorbat in ihrer künstlerischen Praxis zu queeren Perspektiven, wie sie im Interview erzählen. Gemeinsam mit Sama Ahmadi haben sie nun die Installation „Time Machine Infinitum. Queeres migrantisches Berlin“ entwickelt, die ab dem 13. Juni im Rahmen der Berlin-Global-Ausstellung im Humboldt Forum zu sehen sein wird.

„Alle Zeiten sind gleichzeitig da, man entscheidet selbst, mit welcher Zeit man sich gerade beschäftigen möchte.“

Bereits zu Beginn sei den Künstler*innen klar gewesen, dass sie queer-migrantische Perspektiven in den Mittelpunkt stellen wollten. Schnell entstand die Idee einer Zeitmaschine, in der unterschiedliche Epochen gleichzeitig existieren. „Man kommt nicht rein, drückt einen Knopf und reist in eine bestimmte Zeit“, sagt Noam. „Alle Zeiten sind gleichzeitig da, man entscheidet selbst, mit welcher Zeit man sich gerade beschäftigen möchte.“

Die Installation befindet sich in einem abgeschlossenen, futuristisch-minimalistischen Raum, der sich bewusst von der restlichen Ausstellung abgrenzt. Und so betreten Besucher*innen eine Art Zeitkapsel: fünf Monitore, fünf Berichte von queerem BIPoC-Leben in Berlin, die individuell über Kopfhörer erlebt werden können.

Verstreute Fragmente

Die Erzählungen reichen von einer fiktiv-dokumentarischen queer-migrantischen Geschichte der 1920er-Jahre, bis hin zu einer Guided Tour durch die Geschichte jüdischen Nachtlebens in Berlin. Ein Zeitstrahl widmet sich ADEFRA e.V., einer Schwarzen queerfeministischen Initiative afrodeutscher Frauen*, die seit den 1980er-Jahren besteht. Die Beteiligten sprechen darin nicht nur über politische Kämpfe und Selbstorganisation, sondern auch über persönliche Erfahrungen, Widersprüche und Konflikte in der Bewegung. Weitere Aufnahmen zeigen das Bar-Kollektiv OYA und dessen Verbindung aus Community-Arbeit, Kunst, Aktivismus und queerfeministischer Praxis. Der Blick richtet sich jedoch nicht nur zurück. Gemeinsam mit dem „Ballroom Pier“ (einer queeren BIPoC Jugendorganisation aus Berlin) sprachen die Künstler*innen mit jungen queeren Menschen über Hoffnungen, Ängste und Zukunftsvisionen für die Hauptstadt. Neben Interviewausschnitten werden auch Tanzund Voguing-Sequenzen sowie Musikvideos gezeigt.

„Vieles lief über persönliche Kontakte. Die Leute haben sich uns geöffnet, weil wir ihnen mit unserer Arbeit Sicherheit geben konnten.“

Zentral für „Time Machine Infinitum“ ist die Form der Kuratierung. Denn migrantisch-queere Geschichten existieren oft nur fragmentarisch – in Erzählungen, privaten Sammlungen oder verstreuten Materialien. Vieles sei nie dokumentiert oder bewusst unsichtbar gehalten, bemerkt Noam. Ihre Recherche führte die Künstler*innen dabei in das Schwule Museum, in das Spinnboden Lesbenarchiv, in Bibliotheken und Online-Archive. „Manchmal gibt es sehr wenig Informationen und manchmal gibt es auch Gründe dafür“, sagt Noam. Viele Menschen hätten weder die Zeit noch die finanziellen Ressourcen gehabt, ihre eigenen Geschichten zu archivieren. Andere hätten bewusst nicht dokumentiert werden wollen. Deshalb habe persönliches Vertrauen in der Recherche eine zentrale Rolle gespielt. „Vieles lief über persönliche Kontakte. Die Leute haben sich uns geöffnet, weil wir ihnen mit unserer Arbeit Sicherheit geben konnten“, so Noam.

Dabei sei es nicht darum gegangen, „die“ migrantisch-queere Geschichte Berlins vollständig abzubilden, ein Anspruch, den die Künstler*innen selbst für unmöglich halten. Statt möglichst viele Identitäten abzubilden, wollten sie durch ihre Installation in die Tiefe der Geschichten eintauchen, um die Gefahr der Tokenisierung zu umgehen. Auch verstehe die Installation sich nicht als abgeschlossene Erzählung. Stattdessen zeige „Time Machine Infinitum“ BIPoC-Geschichte als fortlaufende Bewegung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

SIEGESSÄULE präsentiert Time Machine Infinitum
13.06.2026–31.01.2028 Mo + Mi–So 10:30–18:30
Humboldt Forum, Schlossplatz, Mitte
humboldtforum.org

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Update 10. Juni 2026

Korrekturhinweis: Bildunterschrift korrigiert

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