Queerfeindlicher Vandalismus

Gedenkbaum für CSD-Opfer rausgerissen

6. Sept. 2026 fab
Bild: picture alliance/dpa | Annette Riedl
Vandalismus am Gedenkbaum für die Opfer des islamistischen CSD-Angriffs im Tiergarten

Der queerfeindliche Vandalismus am Gedenkort für die Opfer des CSD-Anschlags reißt nicht ab: Nach der Zerstörung der Regenbogenbank haben Unbekannte in der Nacht auf Sonntag nun auch den neu gepflanzten Gedenkbaum geschändet

Nur fünf Tage nach der Zertrümmerung der Gedenkbank (SIEGESSÄULE berichtete) wurde jetzt auch der erst im August gepflanzte Ahorn am Erinnerungsort für den islamistischen Anschlag auf den CSD im Tiergarten samt Schutzgitter aus dem Erdreich gedrückt. Der Polizeisprecherin zufolge wurde der entwurzelte Baum um 1:20 Uhr bei einer Streifenfahrt entdeckt. Auch die niedergelegten Trauerbekundungen seien zerstört worden, berichtet der rbb.

Auf Instagram fand der Queerbeauftragte Alfonso Pantisano (SPD) deutliche Worte: „Was an diesem Gedenkort gerade passiert, ist nicht hinnehmbar. Es verletzt Menschen immer und immer wieder – und es muss jetzt Konsequenzen haben.“

Pantisano fordert deshalb die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (ebenfalls SPD) und die Polizeipräsidentin Barbara Slowik-Meisel auf: „Wir dürfen nicht darauf warten, was als Nächstes passiert. Dieser Ort braucht Schutz. Jetzt!!!“ Und: „Sorgen Sie dafür, dass diese Taten konsequent aufgeklärt und die Verantwortlichen ermittelt werden.“

Weiter schreibt Pantisano: „Wir dürfen jetzt nicht mit Achselzucken auf diese Taten reagieren.“ Abschließend sagt er über den geschändeten Erinnerungsort: „Unsere Community braucht endlich die Gewissheit, dass sie dort einfach nur trauern darf.“

Auch der Berliner Fraktionsvorsitzende der Grünen, Werner Graf, äußerte seine Erschütterung: „Ich bin voller Wut und Fassungslosigkeit, aber auch trotzig“, erklärte er. „Ich sage allen queeren Menschen in dieser Stadt: Ihr seid nicht allein.“ Der Grünen-Politiker fordert zudem einen erhöhten Verfolgungsdruck durch die Innensenatorin und eine Priorisierung beim Schutz der queeren Community.

„Gerade an diesem Tag, an dem in Sachsen-Anhalt gewählt wird und Kräfte auf Rekordwerte zusteuern, die genau diese Freiheit abschaffen wollen“, sagt Graf. „Wer glaubt, Berlin als Stadt der Freiheit sei ein Selbstläufer, der irrt. Freiheit ist kein Zustand, sie ist eine Entscheidung.“ Graf zeigt sich dennoch kämpferisch: „Wir pflanzen diesen Baum wieder. So oft, wie es nötig ist.“

Der französische Ahorn war neben der Regenbogenbank Anfang August vom Bezirk Berlin-Mitte an der Stelle im Tiergarten gepflanzt worden, wo der Attentäter vom 25. Juli, Abdul B., auf seiner Amokfahrt mit einem Lieferwagen gegen einen Baum geprallt war und ihn so stark beschädigt hatte, dass er ersetzt werden musste. Eine Frau starb bei dem Angriff, 31 Menschen wurden teils schwer verletzt.

Der Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

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