Kunstfestival

48 Stunden Neukölln: Queere Highlights der freien Szene

2. Juli 2026 Matthias Kählert
Bild: Marie Liss
Coming in/Coming out Performance by Lola Camomillo

48 Stunden Neukölln präsentiert in seiner 28. Ausgabe die kulturelle Vielfalt des Stadtteils mit zahlreichen synchronen Ausstellungen und Performances, verteilt auf den Bezirk. Ins Leben gerufen wurde das Festival aus dem Widerstand gegen die mediale Darstellung von Neukölln als „Problembezirk“. Heute zählt es zu den größten Festivals der freien Kunstszene

„Es gibt tatsächlich die Tendenz, dass jedes Jahr mehr Projekte dabei sind – besonders in diesen schwierigen Zeiten von Kürzungen von Kulturvorhaben“, sagt Festivalleiterin Kat Nowak zur SIEGESSÄULE. Über 1400 Kunstschaffende stellen diesmal aus. Die große Zahl queerer Beiträge wundert Nowak nicht: „Gerade jetzt, wo die Situation für queere Personen nicht leicht ist, wollen sie einfach ein Zeichen setzen. Sie lassen sich nicht verscheuchen und das ist wichtig.“

„Gerade jetzt, wo die Situation für queere Personen nicht leicht ist, wollen sie einfach ein Zeichen setzen. Sie lassen sich nicht verscheuchen und das ist wichtig.“

Ausgewählt wurden die Beiträge in Bezug auf das Thema OUT/SIDE/IN. So zeigt Enes Alba in der Foto- und Videoausstellung „Istanbul, Deutschland“ queere Porträts zwischen Migration, Zugehörigkeit und kultureller Identität. L.A. Evans präsentiert „Love Lies Bruising“, ein Fotoprojekt mit dem transinklusiven Rugby Club Berlin Bruisers, inspiriert von den Firefighter Calendars. Elena Walch setzt sich in „TRANSIT“ mit der Bewegung zwischen Aufbruch und Ankunft auseinander und verbindet Fragen von Geschlechtsidentität, queerer Erfahrung und Gemeinschaft.

„Es geht nicht nur um Glitzer und Fröhlichkeit, die mit Queerness oft irgendwie in Verbindung gebracht werden, sondern auch um ernste Themen.“

„Es geht nicht nur um Glitzer und Fröhlichkeit, die mit Queerness oft irgendwie in Verbindung gebracht werden, sondern auch um ernste Themen“, betont Nowak. Glühwürmchen aus Keramik verbinden in Luis Kürschners „Embers of Disappearance“ im Erdgeschoss des CANK Science-Fiction mit Gedanken über queere Evolution und Biodiversität. In der zweiten Etage setzt sich Ins Meyer in „Disturbing Glory“ anhand von Body-Horror-Elementen mit der rechten Erzählung einer angeblichen „Queeren Trans-Ideologie“, die Kinder indoktriniere, auseinander.

Von queerer Trauer bis FLINTA*-Workout

In den Neukölln Arkaden thematisiert das neuroqueere Künstler*innen-Duo Soft Circuits den Glitch als produktive Störung, die Raum für alternative Wahrnehmungsformen und Ungehorsam schafft. Der ganze Stadtteil wird dabei zur Bühne: In Lucys Garten zeigt Aru Ray Tormann „mo(_)rning becomes them“, eine Auseinandersetzung mit queerer Trauer über die Verbindung von Tanz und Text. Am Samstag laden das Feminist Spaces Collective, House of Post-Binary und Lola Camomilla zum „Workout like FLINTA* – Werk like Drag“ im Calisthenics Park der Hasenheide ein. In der Performance-Intervention und Live-Installation Coming In/Coming Out thematisiert Lola Camomilla auf dem Boddinplatz Sichtbarkeit, Ausdauer und queere Präsenz im öffentlichen Raum.

Bild: Marie Liss

Am Sonntag erobert Putas Vampira die Weserstraße für eine ihrer legendären Performances zwischen queerem Befreiungsritual und Techno-Trance. In der Nachwuchssektion Perspectives finden sich entsprechende Positionen: Kurator*in Sunrs präsentiert „Infinite Sequence“, eine Arbeit von Arash Goudarzi und Yaqma Sorousheh, die Bewegtbild und Malerei kombiniert. „Queerness ist eine wichtige Facette des Festivals. Queere Sichtweisen eröffnen neue Räume und stärken unsere Teilhabe“, so Nowak. Einen kuratierten Einblick bietet die Führung QueƏrgang von Tobi Allers (KulTour).

48 Stunden Neukölln
03.–05.07.,
verschiedene Locations
Programm: 48-stunden-neukoelln.de

Folge uns auf Instagram

#48 Stunden Neukölln#Ausstellung#Bildende Kunst#Festival#Geschlechtsidentität#Highlights#Kunst#Neukölln#Sichtbarkeit#Trauer#queer

Das Siegessäule Logo
Das Branchenbuch mit Haltung
Queer. Divers. Überzeugend.