#clubsAREculture, 6. Februar

Europaweiter Aktionstag für die Rettung der Clubkultur

5. Feb. 2021
Bild: Griessmühle

Die Berliner Clubs sind in der Corona-Krise zur Zeit noch ohne Perspektive. Ein Aktionstag an diesem Samstag , u. a. mit einer Paneldiskussion mit Kultursenator Klaus Lederer, soll auf die schwierige Lage aufmerksam machen

Clubs sind Kulturgut: diese Botschaft komme endlich an, sagt Lutz Leichsenring, Pressesprecher der Berliner Clubcommission. Clubs waren die ersten, die in der Corona-Krise schließen mussten – und werden vermutlich zu den letzten gehören, die wieder öffnen können. Viele Betreiber*innen, auch in Berlin, kämpfen derzeit um den Erhalt ihrer Locations.

„Die Politik sieht, dass wir hart getroffen wurden,“ sagt Leichsenring. Daraus ergebe sich aber auch eine Chance: nämlich, mal grundsätzlich über die Lage der Clubs zu reden. Dies soll am Samstag, den 6. Februar, geschehen. Unter dem Motto #clubsAREculture steigt an diesem Datum die 4. Ausgabe des europäischen Aktionstags [Open] Club Day. Mit dabei: eine Paneldiskussion über die „Anerkennung und Stärkung der Berliner Clubkultur“ mit u. a. Kultursenator Klaus Lederer und dem Senator für Stadtentwicklung und Wohnen, Sebastian Scheel.

Große Herausforderungen für Clubs

Zum [Open] Club Day, initiiert durch den europäischen Dachverband für Live-Musikspielstätten LiveDMA, öffnen normalerweise Musikspielstätten und Clubs in ganz Europa ihre Türen. Pandemiebedingt findet das Programm in diesem Jahr nur virtuell statt. „Die Clubs sind geschlossen und noch ist nicht klar, wann es weitergehen kann,“ schreibt die Clubcommission in einer Pressemeldung zum Aktionstag. „Gerade deswegen möchten die Clubbetreiber auf die Bedeutung von Clubkultur hinweisen."

Es sei zwar bisher gelungen, alle Clubs in Berlin durchzubringen, berichtet Lutz Leichsenring gegenüber SIEGESSÄULE. Bei der „Kulturmilliarde“, dem Budget des Bundes für die Kulturbranche in der Pandemie, waren Clubs mitberücksichtigt worden. Staatliche Hilfen sind jedoch auf kurze Zeiträume ausgelegt, sie müssen immer wieder neu beantragt werden. „Wir arbeiten auf Sicht, von Monat zu Monat“, sagt Leichsenring. „Das ist für viele eine Herausforderung.“

Einigen Berliner Clubs drohe bereits die Kündigung ihrer Mietverträge, einige mussten Kredite aufnehmen, haben sich verschuldet. Und selbst wenn die Clubs im Laufe diesen Jahres, zumindest zum Teil, wieder aufsperren können, sei die Rückkehr zu einem Normalbetrieb, der mit Zeiten vor der Corona-Pandemie vergleichbar wäre, nicht vor Ende 2022 zu erwarten. „Wir werden nicht von null auf hundert gehen können.“ Internationale Reisebeschränkungen etwa könnten die Bookings von Künstler*innen noch für lange Zeit erschweren. Und auch die nötigen Gelder, um zum Beispiel Gagen vorzufinanzieren, dürften den meisten Betreiber*innen fehlen.

„Es sei zwar bisher gelungen, alle Clubs in Berlin durchzubringen, berichtet Lutz Leichsenring von der Berliner Clubcommission. Einigen Berliner Clubs drohe aber bereits die Kündigung ihrer Mietverträge, einige mussten Kredite aufnehmen“

Durch die Krise, in die die Clubs geraten sind, zeige sich derzeit aber auch mehr „Offenheit auf politischer Ebene“, findet Leichsenring – um über einige der Probleme zu sprechen, mit denen die Clubs auch vor Corona schon zu kämpfen hatten.

Darunter die Frage, ob Clubs als Kulturorte oder aber als „Vergnügungsstätten“ eingestuft werden. Dies hat Auswirkungen darauf, wo ein Club Räume anmieten und was dort angeboten werden kann. Denn „Vergnügungsstätten“ dürfen nicht in allen Stadtgebieten Berlins betrieben werden. Damit hatte in Berlin beispielsweise schon der queere BDSM-Club Quälgeist zu kämpfen. Werden Clubs als Kulturorte anerkannt, sind auch zum Beispiel Regelungen zum Lärmschutz weniger streng, wie Leichsenring erklärt. Das Ziel sei, „die Krise jetzt auch zu nutzen,“ um über diese verschiedenen Ebenen zu verhandeln.

Programm des Aktionstages

Die Paneldiskussion mit den Senatoren Klaus Lederer und Sebastian Scheel (Die Linke) sowie den Mitgliedern des Berliner Abgeordnetenhauses Daniel Buchholz (SPD), Georg Kössler (B90/Die Grünen) und Pamela Schobeß von der Berliner Clubcommission findet am Samstag von 14:00-15:00 Uhr statt. Im Anschluss gibt es ab 15:15 Uhr ein Panel mit einigen weiteren Bundes- und Landespolitikern.

Daneben wartet der virtuelle Aktionstag mit einigen parallelen Livestreams auf: unter anderem von der Clubcommission Berlin, dem Verband für Popkultur in Bayern, Im-Puls Brandenburg, dem Clubverstärker Bremen oder dem Clubkombinat Hamburg. Ab 17:00, zum Abschluss, senden die Berliner Online Initiative United We Stream und die IG Clubkultur Baden-Württemberg noch ein „[Open] Club Day Special“. Open Club Day, 6.2.2021, 13:00-21:00.
Alle Streams können kostenfrei
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