„Mauern aus Sand“ – schwuler Coming-out-Film aus Kroatien
Mit „Mauern aus Sand“ gelingt der kroatischen Regisseurin Čejen Černić Čanak ein leiser und doch eindringlicher Coming-of-Age-Film, der Sehnsucht, gesellschaftliche Enge und aufgezwungene Rollen ergründet
Marko (Lav Novosel) hat sein Leben fest im Griff: Er trainiert für eine Armwrestling-Meisterschaft, arbeitet neben der Schule in der Werkstatt seines Vaters und führt eine Liebesbeziehung mit seiner Freundin Petra (Franka Mikolaci). Doch als Slaven (Andrija Žunac), der inzwischen in Berlin lebt und einst mehr als nur sein Kind- heitsfreund war, zur Beerdigung seines Vaters nach Kroatien zurückkehrt, werden alte Gefühle entfacht, und Markos sorgsam aufgebaute Fassade bekommt Risse. Zur gleichen Zeit droht dem Dorf eine Überschwemmung. Die Bewohner*innen schichten einen behelfsmäßigen Sandsackdamm auf, ähnlich wie auch Marko „Mauern aus Sand“ um seine Gefühle errichtet.
Leise Erzählweise und starke Metaphorik
Auf dem Papier wirkt der Plot nicht gerade wie die originellste Coming-out-Geschichte. Doch der Film, der 2025 auf der Berlinale für den Teddy Award nominiert war, überzeugt durch seine leise Erzählweise und starke Metaphorik. Der Damm steht nicht nur für Markos Gefühlschaos, sondern auch für ein Umfeld, das sich krampfhaft an Normen klammert.
Die Kamera arbeitet viel mit Close-ups auf Gesichter der Charaktere und erzeugt so eine teils beklemmende Nähe zu den Figuren oder verstärkt ihre Intimität untereinander. Besonders berührend ist die Beziehung zwischen Marko und seinem jüngeren Bruder Fićo (Leon Grgić) mit Trisomie 21, der als Einziger Markos Schmerz zu sehen scheint. Zugutehalten muss man dem Film, dass er nicht auf ein zu simples Happy End hinausläuft, sondern offen lässt, wie Markos Geschichte endet.
Zugutehalten muss man dem Film, dass er nicht auf ein zu simples Happy End hinausläuft.
Stellenweise hätten dem Film mehr Nuancen gutgetan, gerade bei den eher schablonenhaften weiblichen Figuren oder dem namenlosen Dorf, das sich als stellvertretend für viele konservative Balkan-Milieus interpretieren lässt. Einerseits verleiht das dem Film etwas Zeitloses, andererseits wirkt es dadurch wie ein statisches Klischeebild von Kroatien, losgelöst von konkreter gesellschaftlicher Realität.
Alles zusammengenommen ist Regisseurin Čejen Černić Čanak mit „Mauern aus Sand“ dennoch ein sehenswertes Stück queeres Kino gelungen, das nicht zuletzt von der starken Performance und Chemie seiner Hauptdarsteller lebt.
Mauern aus Sand,
Kroatien, Litauen, Slowenien,
Regie: Čejen Černić Čanak.
Mit Lav Novosel, Andrija Žunac, Franka Mikolaci u.a.
Ab 28.05. im Kino
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