Sänger Leopold: Auf Grindr-Date überfallen und queerfeindlich angegriffen
Der Berliner Pop-Sänger Leopold wurde bei einem vermeintlichen Grindr-Date überfallen und queerfeindlich angegriffen. Er teilte seine Erfahrung auf Social Media, um andere zu warnen. Die Zahl queerfeindlicher Übergriffe in Berlin bleibt hoch
Vor einer Woche wurde der queere Sänger Leopold in der eigener Wohnung bei einem vermeintlichen Grindr-Date überfallen, angegriffen und drei Stunden lang festgehalten. Das berichtet Leopold in einem Video auf Instagram, das letzten Freitag veröffentlicht wurde und seitdem zu vielen Solidaritätsbekundungen geführt hat. Laut Tagesspiegel habe eine Polizeisprecherin bestätigt, dass der Vorfall zur Anzeige gebracht wurde, Einzelheiten wurden allerdings nicht bekanntgegeben.
„Ich möchte das, was mir diese Woche passiert ist, öffentlich machen, um mögliche andere Betroffene zu warnen und im Bestfall zu schützen und weil ich mich nicht dafür schämen möchte“, sagt Leopold in dem Statement auf Instagram. Bei dem vermeintlichen Grindr-Date haben sich zuerst zwei Männer Zugang zur Wohnung verschafft, später sei ein Dritter dazugekommen. Einer der Täter habe Leopold am Anfang körperlich angegriffen und mehrmals auf den Kopf geschlagen.

Queerfeindliches Motiv
Die Täter seien an Bargeld und Kreditkarten interessiert gewesen, hätten es aber auch darauf abgesehen Leopold zu beleidigen: „Sie haben meine ganze Wohnung durchsucht und alle meine Sachen durchwühlt. Sie haben mehrere Videos von mir in Unterwäsche gemacht. Sie haben mich beschimpft, queerfeindlich beleidigt und haben mir mehrfach Gewalt angedroht, das aber dann nicht weiter in die Tat umgesetzt.“ Später sollen ihn die Täter auch dazu gezwungen haben, Kokain zu nehmen, was er verhindern konnte. „Ich habe mich vollkommen beschämt, erniedrigt, hilflos und ausgenutzt gefühlt“, so Leopold.
Nachdem der Sänger seine Erfahrung auf Social Media teilte, solidarisierten sich viele Menschen mit ihm. Unter anderem postete die Dragqueen Barbie Breakout ein Video zum Thema und sprach über eigenen Sicherheitsvorkehrungen und mögliche Verteidigungsstrategien, wobei sie betonte, dass das kein Aufruf zum Victim Blaming (das Opfer verantwortlich machen) sei. Der schwule Content-Creator und Moderator Robin Solf machte auch ein Video zu dem Vorfall und betonte, dass der Druck auf die Politik erhöht werden müsse, damit queere Menschen mehr geschützt werden. Erst kürzlich berichtete der Spiegel von einem ähnlichen Fall, bei dem ein junger Berliner auch bei einem vermeintlichen Date mit einem Mann verprügelt wurde, wohl aus einem schwulenfeindlichen Motiv heraus.
Grindr in der Kritik
Die Dating-Plattform Grindr steht schon länger in der Kritik, ihre User unzureichend vor Gewalt und Kriminalität zu schützen. Die App mache es potenziellen Tätern einfach, den Aufenthaltsort der User zu lokalisieren, so die Kritik. Viele LGBTIQ*-Aktivist*innen fordern bessere Verifizierungs- und Sicherheitsvorkehrungen sowie einen strengeren Datenschutz.
Das schwule Anti-Gewalt-Projekt Maneo veröffentlichte am 15. Mai ihren Report für 2025 aus dem hervorgeht, dass im letzten Jahr 1.014 Meldungen von Gewalttaten eingingen. Ein neuer Höchststand, wie die Organisation schreibt. Dabei gab es 723 queerfeindliche dokumentierte Vorfälle, die im Vergleich zum Vorjahr nur um 15 Fälle gesunken waren. Insgesamt gab es elf Fälle von Übergriffen nach Kontakt über Datingplattformen. Bei den statistischen Auswertungen sei allerdings zu beachten, dass die Dunkelziffer nicht gemeldeter Taten zwischen 80 bis 90 Prozent liege. Auch Maneo fordert angesichts der queerfeindlichen Vorfälle und des hohen Beratungsbedarfs im Bereich der Opferberatung mehr Personal, stärkere politische Unterstützung und Ausbau der Präventionsarbeit.
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