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Was ist Pansexualität?

28. Juni 2019 Paula Balov
Foto: Dana Wetzel (CSD auf der Spree 2018)

Das Wort Pansexualität taucht immer häufiger in den Medien auf. Doch was verbirgt sich dahinter? Wir fragten Dana Wetzel von non mono Events

Um Pansexualität ranken sich viele Mythen: Ist das nicht das gleiche wie Bisexualität bzw. nur ein schickerer Begriff dafür? Oder die nicht-binäre, kleine Schwester der Bisexualität?

Aktivistin Dana Wetzel engagiert sich im Verein BiBerlin e. V. für die Sichtbarkeit bi- und pansexueller Menschen. Sie erklärt: „Pansexualität ist das Begehren aller Geschlechter oder Begehren unabhängig von Geschlecht“. „Pan“ ist Griechisch für „gesamt, alles, umfassend“. So weit, so einfach.

Die Frage nach der Abgrenzung zur Bisexualität ist weniger leicht zu beantworten. Häufig liest man, Bisexuelle würden sich nur zu Frauen und Männern hingezogen fühlen, während Pansexualität auch nichtbinäre und inter* Personen einschließe. Schließlich bedeutet „bi“ zwei und die Assoziation mit dem Zweigeschlechtersystem ist naheliegend. Der Begriff „bisexuell“ ist deswegen in Teilen der Bi- und Pan-Community umstritten.

Anziehung unabhängig vom Geschlecht

Doch viele Bisexuelle, so auch Dana Wetzel, wehren sich gegen diese Lesart: „Wir beziehen uns als Verein auf die Definition von Robyn Ochs.“ 2005 beschrieb Aktivistin Robyn Ochs in der Anthologie „Getting Bi“ Bisexualität als das Begehren von „mehr als einem“ Geschlecht. Bisexualität ist also nicht gleich binär. „Wenn aber jemand unmissverständlich ausdrücken möchte, dass alle Geschlechter gemeint sind und deswegen 'pansexuell' bevorzugt, ist das völlig legitim,“ ergänzt Dana Wetzel.

Die Unterscheidung ist nicht nur sprachpolitischer Natur. Die Anziehung, die Pansexuelle anderen Menschen gegenüber fühlen, lässt sich nicht an geschlechtlichen Merkmalen festmachen: Einige bezeichnen sich als „gender-blind“. Den Kontrast dazu bilden Bisexuelle, deren sexuelle und romantische Wünsche sich unterscheiden, je nachdem auf welches Geschlecht sie sich beziehen: Große Liebe mit Frauen und Non-Binarys, schnelle Nummern mit Männern, zum Beispiel. Wer sich allerdings eine Weile in Online-Foren für Pan- und Bisexuelle herumtreibt, wird feststellen: Es gibt auch Bisexuelle, die unabhängig von Geschlecht begehren und Pansexuelle, die das nicht tun. Eine klare Abgrenzung sucht man vergeblich. Aber braucht es diese überhaupt?

„Bei Identitätsfindung geht es oft darum: Welcher Begriff spricht mich an, wo merke ich: Das bin ich?“

„Bei Identitätsfindung geht es oft darum: Welcher Begriff spricht mich an, wo merke ich: Das bin ich? Das ist sehr individuell“, findet Dana Wetzel. Wie klein die Finessen innerhalb der Identitäten sein mögen - vielen Menschen helfen sie, sich selbst besser zu verstehen und Anschluss an eine Community zu finden. Fluidität und Ambivalenz gehören dazu, wie nicht zuletzt bei „queer“.

Untreue und andere Vorurteile

Als Sammelbegriff ist „nicht-monosexuell“ oder „non-mono“ entstanden: Monosexualität ist das Begehren eines Geschlechts, also Homo- und Heterosexualität. Nicht-monosexuelle Identitäten sind neben Pan- oder Bisexualität auch Polysexualität (das Begehren mehrerer, aber nicht aller Geschlechter) oder Bezeichnungen wie homo- und heteroflexibel.

„Non-Mono ist ein Versuch der Vereinigung, nicht der Spaltung,“ betont Dana Wetzel. Auch im Vereinslogo von BiBerlin e. V. taucht „non-mono“ auf. Der Verein setzt sich gegen die Diskriminierung ein, die alle nicht-monosexuellen Menschen betrifft: Fehlende Sichtbarkeit in der queeren Community und Vorurteile wie vermeintliche Promiskuität, Untreue, psychische Instabilität oder Unentschlossenheit.

Als Ergänzung an das Angebot des Vereins hat Dana Wetzel „Non Mono Events“ gegründet. In der Community wurde der Wunsch nach sexpositiven Partys laut. „Obwohl Berlin so ein breites Angebot hat, gibt es keine Party, die als Schutzraum für nicht-monosexuelle Menschen funktioniert. Diese Lücke wollen wir schließen.“

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#pansexuell#Pansexualität#Non-monoEvents