„Haltung ist hot“? Möbel Höffner trotz AfD-Spende beim Berliner CSD
Unter den Trucks der diesjährigen Berliner CSD-Demonstration befindet sich auch Möbel Höffner. Anfang des Jahres wurde bekannt, dass der Gründer Kurt Krieger 18.000 Euro an die AfD gespendet hatte. Der CSD-Vorstand wusste von dem Fall – und verteidigt seine Entscheidung, den Truck dennoch zuzulassen
Gestern, am 16. Juli, veröffentlichte der CSD e. V. in den Sozialen Medien die Wagenreihung für die Berliner Pride-Demonstration am 25. Juli. Unter den 83 angemeldeten Trucks fällt ein Wagen besonders auf: Möbel Höffner, der letzte in der Reihe mit der Nummer 83.
Gründer und Inhaber von Möbel Höffner ist der Milliardär Kurt Krieger. Dieser geriet im Februar dieses Jahres in die Kritik, nachdem bekannt wurde, dass er 2024 Geld an die AfD überwiesen hatte. Der Rechenschaftsbericht der Bundestagsverwaltung beziffert die Zuwendung auf insgesamt 18.000 Euro, wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtete.
Krieger wies in Interviews zwar eine ideologische Nähe zur AfD zurück, erklärte jedoch zugleich, es sei „nicht alles falsch“, was die Partei sage. Der Fall löste eine Debatte über den politischen Einfluss von Unternehmen sowie den Umgang der Wirtschaft mit der AfD aus.
SIEGESSÄULE hat den CSD e. V. um eine Stellungnahme gebeten. Der Verein bestätigte, von der Spende und der öffentlichen Debatte darum gewusst zu haben. Im Namen des Vorstands antwortete Thomas Hoffmann: „Die öffentlich diskutierte Spende des Eigentümers war uns bekannt und wurde von Beginn an intensiv in unsere Entscheidung einbezogen.“ Es habe sich um eine „Einzelfallentscheidung des Vorstands“ gehandelt.
Dem Vorstand sei bewusst, dass die Spende für viele Menschen in der LGBTIQ*-Community im Widerspruch zu den Werten stehe, für die der Berliner CSD eintrete. Bei der Entscheidung habe man jedoch weitere Aspekte berücksichtigt, etwa „das langjährige Engagement des Unternehmens für die queere Community, unter anderem durch die Unterstützung von Veranstaltungen wie ‚Künstler gegen Aids‘ und der ‚Gay Night at the Zoo‘ sowie die Teilnahme an weiteren queeren Veranstaltungen“.
Führungsteam hat sich von der Spende distanziert
In Gesprächen zwischen dem CSD-Verein und dem Führungsteam des Unternehmens sei ein „klares und glaubwürdiges Bekenntnis zu Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie zum weiteren Engagement für Vielfalt und die queere Community“ abgegeben worden. Das Führungsteam habe sich zudem von der Spende Kurt Kriegers distanziert. Der CSD-Vorstand habe deshalb trotz der Debatte um die AfD-Spende entschieden, den Truck von Möbel Höffner zuzulassen. „Uns war wichtig, diese Menschen nicht mit einer Entscheidung zu treffen, für die sie keine Verantwortung tragen.“
Darüber hinaus sei geplant, einen Teil der Einnahmen an CSDs in Brandenburg zu spenden. „Gerade dort braucht die Verteidigung von Demokratie, Vielfalt und queerer Sichtbarkeit unsere besondere Solidarität,“ so Hoffmann. Ein Korrektiv?
Die Entscheidung wirft grundsätzliche Fragen auf: Auch wenn Mitarbeitende des Unternehmens nicht für die Spende des Gründers verantwortlich sind, profitiert letztlich auch dieser von der Präsenz beim CSD. Inwiefern trägt eine solche Zusage dazu bei, dass Positionen der AfD und die Unterstützung der Partei innerhalb der Community normalisiert werden? Welche Kriterien legt der CSD e. V. bei der Wahl von Unterstützer*innen an – und wo verläuft die Grenze? Eine Frage, die insbesondere in einem Jahr relevant ist, in dem der Berliner CSD unter dem Motto „Haltung ist hot“ gesellschaftliche Verantwortung in den Mittelpunkt stellt.
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